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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 01:55 Uhr

Was wollte die FDJ wirklich?

vom

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erstellt am 04.Okt.2012 | 09:13 Uhr

Perleberg | Antonia Hein ist in ein Schulbuch vertieft. Die Gymnasiastin aus Mainz möchte eine Facharbeit zum Thema Schule in der DDR schreiben. Da ist das Kabinett des Perleberger DDR-Geschichtsmuseums über die Pionier- und FDJ-Arbeit, das am gestrigen Tag der deutschen Einheit eröffnet wurde, eine wahre Fundgrube. "Schon die Aufgaben in den Mathematik-Büchern spielen auf die Pioniere an, in den Fibeln dann der Pioniergruß oder die Hymne, das ist mir schon aufgefallen", erzählt die 17-Jährige. Sie ist mit ihren Eltern extra nach Perleberg gekommen, um ausreichend Zeit für das Museum zu haben. "Als wir im Frühjahr zu einem Wellness-Aufenthalt in Rühstädt weilten, haben wir uns natürlich auch Attraktionen der Region angesehen. Dabei sind wir auch auf dieses Museum gestoßen. Zu Hause haben wir unserer Tochter davon berichtet", erzählt Annette Hein. Nun beschäftigt sich Antonia ganz professionell mit dem Thema, will auch Fotos machen im Museum als zusätzliche Dokumente für ihre Arbeit.

Für Hans-Peter Freimark vom Verein Geschichte des 20. Jahrhunderts in der Prignitz trifft die Mainzerin genau den Punkt, den das neue Kabinett deutlich machen will. Wie nämlich im Auftrag der SED Schule, Pionier- und FDJ-Organisation "die Kinder von Anfang an auf Staatsräson getrimmt haben", betont er. Das deutlich zu machen, zu zeigen, "wie die Kinder benutzt wurden", sei Schwerpunkt des neuen Kabinetts. Sicher, so räumt Freimark ein, habe es auch viel Schönes gegeben wie Ferienlager mit Baden gehen. Aber dazwischen eben auch die Appelle sowie andere Rituale. "Viele haben das gar nicht so gemerkt, aber wenn man weiß, welchem Zweck das diente, und das kann man bei uns nachlesen, dann macht das schon sehr nachdenklich, betont Freimark, der sich gemeinsam mit seiner Ehefrau und den Mitstreitern im Verein der politischen Aufarbeitung der DDR-Geschichte verschrieben hat.

Die Unterlagen, die in dem neuen Kabinett zu sehen sind, "stammen aus dem Archiv einer zentralen Pionierleiterschule", erklärt der Museumsbetreiber. Er habe sie schon lange in seinem Besitz, sei aber bisher nicht dazu gekommen, eine entsprechende Ausstellung aufzubauen. "Doch wir müssen jetzt auch die Jugendarbeit in der DDR politisch aufarbeiten, denn die Hoffnung vieler junger Leute nach 1945, in der FDJ unter dem Symbol der aufgehenden Sonne ohne Faschismus und Kapitalismus, in Freiheit aufzuwachsen, war falsch. Sie waren nicht frei. Viele gingen später nur unter Druck in die Kinder- und Jugendorganisation, weil ihnen sonst die Karriere versperrt geblieben wäre", erklärt Freimark, der sich selbst, wie er sagt, nie darauf eingelassen habe. Was aber wirklich Anliegen dieser Organisationen gewesen sei, das könne man nicht nur in dem neuen Kabinett nachlesen, dazu gebe es auch aufschlussreiche Kurzfilme zu sehen.

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