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Der Prignitzer

17. November 2017 | 18:45 Uhr

Was wird aus der Ziegelei?

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2011 | 05:04 Uhr

Muggerkuhl | Die Gemarkung von Muggerkuhl ist verhältnismäßig reich an tiefen Tonbodenschichten. So entstanden seinerzeit zahlreiche kleine Ziegeleien, wie im Amtsblatt von Putlitz-Berge nachzulesen ist. Der Bedarf an Ziegeln stieg, es wurden modernere Anlagen gebaut. Dazu gehört auch das 1908 als Gutsziegelei in Betrieb genommene Ziegelwerk Muggerkuhl. Die Ziegelei produzierte bis 1943. In den Kriegswirren diente sie als Lagerhalle, zumeist für Zigarren aus Hamburg und Berlin. 1946 wurde die Produktion wieder aufgenommen.

Nach der Wende kam dann das Aus. Als Niederlassung der damaligen Mallißer Ziegelwerke GmbH wurde das Werk im Rahmen der Gesamtvollstreckung 1991 geschlossen. Das Areal, so erinnert sich Gerd Ehrke, Amtsdirektor von Putlitz-Berge, sei dann aufgeteilt worden, mehrere Gewerbe hätten sich angemeldet, darunter auch die Muggerkuhler Ziegelwerke GmbH. Doch die ging Jahre später in Konkurs, weiß Ehrke. Gläubiger wie auch die Gemeinde Berge warten noch heute auf ihr Geld. "Wir haben als Kommune noch rund 60 000 Euro offene Forderungen", rechnet Ehrke vor, denn die Amtsverwaltung vertritt auch in diesem Fall die Interessen der Gemeinde.

Eigentlich war die Ziegelei 2009 zwangsversteigert worden, erinnert sich der Amtsdirektor. Ein neuer Besitzer habe damals das Unternehmen für 910 000 Euro ersteigert. "Doch gezahlt wurde die Summe nie, also erhielten auch wir kein Geld", macht Ehrke deutlich. Das Amt habe dann versucht, für die Gemeinde über eine Grundbuchschuld eine Sicherungshypothek einzuklagen. Doch das sei fehlgeschlagen, weil wegen der nicht gezahlten Kaufsumme bis heute der alte Besitzer im Grundbuch stehe.

"Das Amtsgericht Neuruppin empfahl uns deshalb, einen Antrag auf erneute Zwangsversteigerung zu stellen, das haben wir getan". Und gestern, so berichtet Ehrke weiter, sei die Bestätigung des Antrags von Neuruppin gekommen. Ein Datum für die Wiederholungsversteigerung kenne er aber noch nicht. Mittlerweile kursieren in Muggerkuhl allerdings Gerüchte, dass es Interessenten für die Ziegelei gebe, die sich auch schon mehrfach vor Ort umgesehen haben sollen. Ängste werden laut, dass die Neuen dort belastetes Material verarbeiten könnten. Im Landkreis Prignitz ist davon nichts bekannt, wie der "Prignitzer" auf Nachfrage von der für Wirtschaft und Bau zuständigen Geschäftsbereichsleiterin Edelgard Schimko erfuhr.

Sie stellt klar, dass ein neuer Investor auch sehr viel Geld in die Hand nehmen müsse. Und das nicht nur wegen der mittlerweile maroden Anlagen der ehemaligen Ziegelei. Sondern viel mehr wegen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, kurz Bimsch genannt. "Denn die alten Genehmigungen für die Ziegelei haben keinen Bestandsschutz mehr", betont die Geschäftsbereichsleiterin. Mit anderen Worten, bevor ein neuer Investor hier etwas unternehmen könne, müsse er zunächst Untersuchungen beispielsweise zur Umweltverträglichkeit durchführen lassen und vorweisen. Und das, so ist sich Edelgard Schimko sicher, werde sehr teuer. Auch in der Putlitz-Berger Amstverwaltung weiß man derzeit nichts von einem neuen Investor, habe noch niemand vorgesprochen. Hier wäre man schon froh, die Außenstände endlich eintreiben zu können. Wohl wissend, dass man nur einer von vielen Gläubigern ist.

Bleibt also abzuwarten, was sich in Muggerkuhl noch tut. Derweil verrotten die Anlagen weiter, kündet nur noch ein Gestell voller Ziegel davon, was hier einmal produziert wurde.

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