Stadtumbau in Wittenberge : Was wird aus dem Allende-Viertel?

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Der „Prignitzer“ fragte seine Leser. Hier die Antworten. Heute Abend informieren Stadt und Vermieter über Perspektiven

svz.de von
24. März 2014, 22:00 Uhr

Wie denken Wittenberger über das Allende-Gebiet, das vor allem von Plattenbauten, aber auch von wichtigen Einrichtungen für Wittenberge, wie beispielsweise die Schwimmhalle, die Grundschule IV und die Allende-Sporthalle, geprägt wird, und über andere Wohngebiete in der Stadt? Der „Prignitzer“ bat seine Leser mit einer Online-Umfrage und in der Druckausgabe ihrer Heimatzeitung um ihre Meinung. Bis gestern früh 9 Uhr konnten Wittenberger die drei Fragen dazu beantworten. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Aber sie spiegelt ein Stimmungsbild wider. Ein Großteil der Leser stimmte via Internet ab. Mit welchem Ergebnis, das zeigen die drei Diagramme sehr anschaulich. So finden 43,1 Prozent der Abstimmenden den vollständigen Abriss aller Plattenbauten im Allende-Gebiet gut, 36,7 Prozent hingegen nicht. 12,8 Prozent der Befragten nutzten die Chance, sich zusätzlich zu äußern. Vielfach vertreten sie die Meinung, dass ein Rückbau der oberen Etagen einem Abriss vorzuziehen sei.

Sehr interessant bei dieser Umfrage zur Perspektive des Neubaugebietes: Während bei den Internet-Abstimmern jene überwiegen, die sich für den Abbruch aller Neubauten aussprechen, votierten die Abstimmer per Druckausgabe völlig anders. Bis auf eine Ausnahme sprechen sie sich ausnahmslos gegen den Rückbau sämtlicher Plattenbauten aus.

Wenn abgerissen wird, müssen Menschen umziehen. Der „Prignitzer“ fragte, wo sie am liebsten ihre neue Bleibe hätten. Altstadt und Siedlungsgebiete – 33,7 bzw. 29,7 Prozent – rangieren ganz vorn, das Jahnschul-Viertel, in das seit Jahren Sanierungsmillionen fließen, liegt in der Beliebtheit fast gleich auf mit dem Külz-Berg – 18,8 Prozent und 17,7 Prozent.

Auffällig ist übrigens, dass – bis auf eine Ausnahme – ausschließlich Bürger ihre Meinung begründet haben, die gegen den Abriss der Plattenbauten sind.

Stadtumbaukonzept

Aktueller Anlass für die Umfrage im „Prignitzer“ ist eine Informationsveranstaltung heute Abend: Denn das Wohnquartier zwischen Horning und Meyenburger Straße, zwischen Weisener Straße und den großen Wohnhäusern an der Schwimmhalle soll sich in den nächsten Jahren gravierend verändern. Vor fünf Jahren hat die Kommune es in ihrem Stadtumbaukonzept festgelegt: „Das Allende-Gebiet ... stellt den räumlichen Schwerpunkt des Rückbaus in Wittenberge dar. Das ... Wohngebiet soll bis 2030 zu großen Teilen zurückgebaut werden.“ Jetzt wird es sehr konkret. Seit dem vergangenen Jahr hat das Potsdamer Planungsbüro Ernst Basler & Partner an einem Teilraumkonzept für dieses Gebiet gearbeitet.

Was dabei herausgekommen ist, wie es weiter geht mit dem Allende-Viertel, das zu großen Teilen von Plattenbauten geprägt ist, können Bewohner und Interessierte heute Abend ab 18 Uhr in der Awo-Begegnungsstätte in der Perleberger Straße erfahren.

Auskunft geben Bürgermeister Dr. Oliver Hermann; der Leiter des Stadtbauamtes, Martin Hahn; der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, Torsten Diehn; der geschäftsführende Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Elbstrom“, Karsten Korup, sowie Stephan Kathke vom Planungsbüro Ernst Basler & Partner.

Hintergrund aller Überlegungen ist die Demografie. Das Landesamt für Bau prognostiziert 2020 in Wittenberge 16 100 Einwohner und für 2030 noch 13 500. Der Stadtumbau zielt darauf, das Leben künftig weitgehend in der Innenstadt zu konzentrieren. Unabhängig davon sollen die für die gesamte Stadt wichtigen Einrichtungen im Allende-Viertel wie Schule, Sporthalle, Einkaufsmarkt, Kitas erhalten bleiben.

Das meinen „Prignitzer“-Leser

• „Rückbau statt Abriss!“

• „Ich finde es gut, wenn leerstehende Wohnungen abgerissen werden. Dennoch sollten die großen Wohnungsbaugenossenschaften mal ihren Bestand sanieren, statt das erwirtschaftete Geld nur in neue Wohnungen zu investieren. In einigen Häusern ist seit fast 30 Jahren im Hausflur nichts passiert. Es werden nur notwendigste Dinge gemacht. ... Es braucht einen offen geplanten teilweisen Rückbau.“
• „Rückbau finde ich nicht gut, es leben viele ältere Menschen dort, die sich in ihrer gewohnten Umgebung wohlfühlen. Die Wohnungen sind hell und trocken, was im Altbau nicht der Regelfall ist.“
• „Reduzierung z. B. auf 2 Etagen, dann klappt Vermietung sicher besser.“
• „Teilabriss ok, verbleibende Bauten sollen modernisiert werden.“
• „Nur einen Teil abreißen.“
• „Stadtumbau? Diese Heuchler. Erst wurde der Industriestandort Wittenberge bewusst zerstört und jetzt ein Stadtviertel, welches die beste Infrastruktur, was die Versorgung betrifft, in ganz Wittenberge besitzt.“
• „Es muss ein sinnvoller Rückbau stattfinden, die Planung unter Beteiligung von Nachwuchs – Wittenberge hat Architekturstudenten.“
• „Nur die oberen Stockwerke weg nehmen. So dass alles eine andere Optik bekommt.“

• „Rückbau der obersten Geschosse würde bestimmt reichen.“
• „Die Häuser mit den wenigsten Mietern und ohne Chance auf Neubezug könnten weg, aber nicht alle.“

• „Schule, Kita, Einkaufsmöglichkeiten, Schwimmhalle, Apotheke vorhanden ...“
• „Alles da, was man benötigt, Wohnungen sind schön, Allende-Viertel ist grün. Menschen suchen schon aus Angst andere Wohnungen, weil sie wissen, der Abriss kommt.“

• „Es ist ein Jammer, so ein schönes Wohngebiet zu zerstören. Fahrstuhl oder Rückbau,das wär's, dann würden die Menschen auch wohnen bleiben, das höre ich von so vielen Seiten.“
• „Man ist schnell in der Innenstadt. Gute Einkaufsmöglichkeiten. Schwimmhalle vor Ort.“
• „Man kommt schnell in die Innenstadt.Gute Einkaufsmöglichkeiten.Und es ist verhältnismäßig ruhig.“
• „Es gibt, wie schon geschrieben, kein Stadtgebiet, das versorgungsmäßig besser ausgestattet ist.“

• „Ich wohne seit 40 Jahren im Allende-Viertel (Block 13), habe eine 21/1-Zimmer-Wohnung mit Balkon und einem wunderbaren Ausblick ins Grüne und in den Horning. Ich möchte im Allende-Viertel wohnen bleiben.“

• „Wir sind eine Genossenschaft.

Wer hat das Recht, ohne Einbeziehung der Betroffenen eine so schwere Entscheidung zu treffen und den Menschen (überwiegend Rentner) ihr vertrautes Zuhause zu nehmen und ihnen Ängste und schlaflose Nächte zu bereiten?“

• „Würde gern auf dem Gebiet bleiben, eventuell in die Perleberger Straße hier in der Nähe umziehen.“

• „Es wohnt sich im Allende-Viertel gut, und die Wohnungen sind schön. Rückbau bis 2. Obergeschoss wäre ideal.“

• „Wohnen im Grünen, Lücke im Stadtbild bei Abriss. Infrastruktur besser als im Altbaugebiet, moderne Strukturen.“

• „Wir haben alle Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, viel Grün und wollen hier wohnen!“

• „Drei Einkaufsmärkte in unmittelbarer Nähe, Ärzte, Apotheke, Schwimmhalle, Sporthalle, Schule, Kitas, zwei Begegnungsstätten (Awo, DRK) mit guten Angeboten, Spielplätze vor der Tür, Sparkasse, Bushaltestellen in unmittelbarer Nähe, Nähe zum Bahnhof. Infrastruktur bestens, aber keine Bewohner mehr nach Abriss.“

• „Ich wohne dort nicht, schon umgezogen wegen Abriss.“ (Dieser Leser findet den Abriss aller Plattenbauten gut – d. Red.).

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