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Neuer Verbrauchermarkt in Karstädt : „Was gibt die Kaufkraft her?“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ortsbeirat Karstädt fordert für weitere innerörtliche Ansiedlung eines Verbrauchermarktes erst eine Marktanalyse, denn es gibt schon zwei Lebensmittelmärkte. Einen Standort an der B5 lehnt der Ortsbeirat definitiv ab.

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Die Ansiedlung eines neuen Lebensmittelmarktes in Karstädt legte der Ortsbeirat am Donnerstagabend erst einmal auf Eis. Eine Absage erteilte er definitiv einer Ansiedlung an der B5 am Standort neben dem ehemaligen Wasserwerk. Denn das hätte zur Folge, dass laut Investor einer der beiden bestehenden Märkte im Ort, Aldi oder Penny, umgesiedelt werden würde. „Das kommt für uns nicht in Frage, dass wir die Ströme aus dem Ort rausziehen“, so der Ortsbeiratsvorsitzende André Lüdemann. An der B5 wollte der Investor eben einen Verbrauchermarkt auch eine Tankstelle errichten. „Eine Tankstelle nehmen wir gerne“, meinte Lüdemann. Die würde der Investor laut Bauamtsmitarbeiter Wolfgang Fritze trotzdem bauen, aber dann auf der gegenüberliegenden Seite im neu erschlossenen Gewerbegebiet.

Innerorts hingegen ist eine weitere Ansiedlung eines Verbrauchermarktes noch nicht endgültig ad acta gelegt. Ein Investor plant gegenüber dem Aldi neben dem ehemaligen Sägewerk in der Postliner Straße ein solches Vorhaben. Der Ortsbeirat entschied sich mit fünf Stimmen gegen eine Empfehlung zur Errichtung eines Verbrauchermarktes an der Postliner Straße – nach der jetzigen Informationslage. Drei Mitglieder stimmten zu. „Ein weiterer Markt innerorts erhöht das Angebot, um auch von den umliegenden Dörfern wieder mehr Leute in den Ort zu ziehen“, meinte Gorden Strecker. Man wolle sich einer Neuansiedlung nicht verschließen, waren die Argumente der Befürworter.

„Da müssen noch andere ihre Hausaufgaben machen. Wir haben keinerlei Informationen darüber, wieviel Ansiedlung wir brauchen, was gibt die Kaufkraft her, da muss uns erst einmal eine Marktanalyse vorgelegt werden. Ich bin es Leid, dass die Last einer Entscheidung auf den Schultern des Ortsbeirates ausgetragen wird. Ich nehme das Thema nicht mehr auf die Tagesordnung, bevor wir weitere Informationen vorliegen haben“, sagt der Ortsvorsteher.

Denn Fakt ist eines: Karstädt hat mit Aldi und Penny „zwei fußläufig gut zu erreichende Märkte. Was du bei Penny nicht kriegst, holst du bei Aldi. Ob draußen oder drinnen, wenn noch ein Markt kommt, geht einer weg“, machte Ute Wonneberger ihre Sicht deutlich. Jacquelin Seemann ging noch einen Schritt weiter: „Ich denke, wir sind mit den beiden guten bedient. Wenn noch ein Markt in den Ort kommt, macht einer dicht und dann haben wir dort eine Ruine stehen. Das macht einen schlechten Eindruck, dann heißt es doch, bei euch im Ort ist ja nichts los.“

Leerstand gebe es schon genug, denn die Entwicklung in der Marktpassage könne einem Angst machen. So kam auch der Vorschlag, dass man einen weiteren Markt vielleicht auf der Grünfläche an der Marktpassage ansiedeln könne, um diese in dem Zuge wiederzubeleben. Allerdings stellt sich da die Frage nach der Erreichbarkeit. Ein weiterer Verbrauchermarkt im Ort wird sich nur an einer Durchfahrtsstraße ansiedeln, um eben auch den Durchgangsverkehr mitzunehmen – also an der L13, Standort Postliner Straße.

Und die ist sowieso das Sorgenkind. Die Landesstraße von Putlitz kommend in die Postliner Straße, Karstädter Straße und den Dargardter Weg übergehend, befindet sie sich in einem äußerst schlechten Zustand, der immer wieder beim Land angemahnt wird. 2009 hatte der Ortsbeirat eine Empfehlung zur Lärmaktionsplanung abgegeben, wie man den Schwerlastverkehr aus dem Ort bekommt, der noch zunehmen wird, wenn die Autobahn bei Karstädt fertig ist. Dann ist die L13 die Verbindung von der A24 zur A14. „Seitdem haben wir nichts mehr gehört. Verfolgt man die Planung einer weiteren Ortsumgehung an der Milchviehanlage bis zur B5 an die Windkraftanlagen seitens des Landes weiter oder nicht? Auch das muss in Bezug auf eine Neuansiedlung eines Marktes bedacht werden. Es gibt noch so viele Fragen, da kann ich aus dem hohlen Bauch heraus keine Empfehlung für oder gegen einen weiteren Markt treffen“, so Lüdemann.

Er nimmt zusammen mit den Mitgliedern des Ortsbeirates sowohl die Gemeinde als auch den Wirtschaftskern in die Pflicht. „Wir gehören zum RWK, da muss doch mal ein Einzelhandelskonzept her, was ist an Ansiedlung in Karstädt tragbar und machbar.“ Es hängt alles eben von einer Bedarfsplanung ab, auch in welcher Größe ein weiterer möglicher Markt kommt. Entweder noch ein dritter bis 800 Quadratmeter wie Aldi und Penny oder gar ein Vollversorger mit über 1100 Quadratmetern, der auch ein entsprechendes Drogeriemarktangebot im Sortiment hat. Denn immer wieder fragen Bürger nach der Schließung der Schleckerfiliale vor zwei Jahren, „wann bekommen wir wieder einen Drogeriemarkt?“ „Der Bedarf ist auf alle Fälle da. Den großen Ketten ist Karstädt aber zu klein. Wir bleiben weiter dran“, so Bauamtsleiter Christian Gadow.


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