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Kontaktstelle für psychisch Kranke : „Warum hat der Wichtel an mich gedacht?“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Besucher und Betreute der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Kranke versuchen Antwort zu geben

von
erstellt am 02.Jan.2017 | 12:55 Uhr

Gemütlich geht es hier zu – wie in einer großen Familie. Die Tische im Café Vogelfrei der Caritas sind liebevoll gedeckt. Jeder hat mitgebracht, was noch von Weihnachten an Plätzchen und Kuchen übrig geblieben ist bzw. hat frisch gebacken. Und während die einen noch am Stühlerücken sind, kochen andere Tee und Kaffee.

Ein Stück Gemeinschaft, ein Stück Familie, das finden sie hier – Besucher und Betreute der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Kranke. In dieser, ihnen gewohnten Welt, fühlen sie sich sicher, können sie unbeschwert lachen und frei reden, trauen sie sich wieder was zu. Und doch werden plötzlich die Augen immer größer und schauen fragend in die Runde: „Warum hat der Wichtel an mich gedacht?“ Sich selbst öffentlich einzuschätzen. „Wie ein Brocken sitzt das in der Kehle und will nicht raus“, beschreibt Jens das Gefühl. Um die eigenen Stärken zu wissen, sei das eine, es auch auszusprechen weitaus schwerer. Zumal das eigene Wertgefühl vielfach ganz im Keller ist, die meisten hier erst wieder lernen müssen, sich selbst einzugestehen, dass sie was können, was Gutes getan zu haben, wie Jens sagt.

Edelgard bezeichnet sich als gutherzig. Sie habe ein großes Herz, möchte es allen recht machten, niemanden enttäuschen. Andreas liebt das runde Leder, agiert als Schiedsrichter und das mit vollem Einsatz und großem Spaß. Wenn sich die Pfiffe aber gegen ihn richten, bricht es über ihn herein. Das Ergebnis: schlaflose Nächte, Zweifel am eigenen Vermögen. Karina sieht sich überaus humorvoll, bringt alle zum Lachen und freut sich dann am meisten darüber. Im wirklichen Leben ist ihr aber nur selten zum Lachen. Evelin singt gerne, hat im Chor ihre Erfüllung und hier in der Gemeinschaft gefunden, was sie sonst vermisst – Menschen, die sie, die ihre Probleme und Ängste verstehen.

„Es ist schwer, über sich selbst zu reden“, darin sind sich alle einig. Aber sie machen es. Dazu herausgefordert, entwickeln sie, wenn zumeist auch noch unbewusst, einen gesunden Egoismus. Ein kleiner Schritt in Richtung Alltag, ein großer für den Einzelnen, dessen Leben noch zwischen stationärer und ambulanter psychischer Betreuung verläuft.

 

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