Prignitz bereitet sich auf Ernstfall vor : Wappnen für die Afrikanische Schweinepest

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Landkreis informiert Umweltausschuss und Jäger – hohe Schwarzwildbestände sind ein Risikofaktor / Keine Gefahr für Menschen.

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18. November 2017, 05:00 Uhr

Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher an Deutschland und die Prignitz heran. In Polen nähert sie sich den grenznahen Bereichen und 2017 wurde auch ein Ausbruch in Tschechien registriert.

Der Landkreis verstärkt deshalb seine Bemühungen, einen Ausbruch in der Region zu vermeiden und sich parallel auf den schlimmsten Fall vorzubereiten. Die Afrikanische Schweinepest sei deutlich gefährlicher aus die herkömmliche, sagte Kreistierärztin Dr. Sabine Kramer im Ausschuss für Landwirtschaft und Umwelt. Das Virus befalle Wild- wie Hausschweine und lösche in kurzer Zeit ganze Rotten und Zuchtbestände aus. Zudem sei es extrem widerstandsfähig und bleibe selbst unter extremen Bedingungen zum Teil über viele Monate ansteckend. Erst wenn es 20 Minuten einer Temperatur von 60 Grad ausgesetzt werde, sei es nicht mehr aktiv.

Ein Ausbruch hätte schwere wirtschaftliche Folgen, erläuterte die Kreistierärztin. So würde wegen entsprechender Vertragsklauseln der Export von Schweinefleisch zusammenbrechen. Auch für die Produzenten vor Ort würden sich die Bedingungen radikal ändern, sagte sie mit Blick auf Litauen, wo die Afrikanische Schweinepest sei einigen Jahren grassiert. Dort sei die Zahl der Schweinemastbetriebe auf ein Drittel zurückgegangen, Kleinst- und „Hinterhof“-Haltung gebe es nicht mehr.

Dr. Sabine Kramer skizzierte in ihrem Vortrag zwei mögliche Infektionswege. Als wahrscheinliches Szenario gilt derzeit die Ansteckung über infizierte Fleisch- und Wurstwaren, die aus Osteuropa oder dem Baltikum mitgebracht würden. Weggeworfene Reste davon könnten direkt oder über ungesicherte Abfallbehälter als Futter von Wildschweinen aufgenommen werden. Möglich ist auch eine Ansteckung von Wildschweinrotte zu Wildschweinrotte.

Deshalb ist die Kreistierärztin bei Jägerschaften und Jagdgenossenschaften unterwegs, um für das Thema zu sensibilisieren. Würden tote Tiere gefunden, müsse schnell gehandelt werden. Untersuchungen von geschossenem Wild brächten kaum Ergebnisse, da die Seuche schnell töte.

Bricht die Afrikanische Schweinepest aus, werden Sperrkreise von mindestens 15 Kilometern errichtet. In die Prignitz würden die hohen Wildschweinbestände zum Problem werden, die eine Bekämpfung der Seuche sehr erschweren würden. Das Fleisch geschossener Wildschweine dürfte nach einem Ausbruch nicht mehr verkauft werden, sondern würde staatlicherseits übernommen und vernichtet. Dieses Verfahren wäre nur kompliziert umzusetzen, da es im Landkreis nur noch in Perleberg eine Wildsammelstelle gibt. Gejagt werden dürfte Schwarzwild dann nur mit Ansitz- und Drückjagden sowie anderen Methoden, die Rotten nicht zersprengen.

Die Amtstierärztin drängt auf die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften bei der Schweinehaltung. Jeder Betrieb müsse überlegen, wie er Kontakte zwischen Haus- und Wildschweinen effektiv verhindern könne.

Jeder Bürger könne zur Vorbeugung beitragen, indem Wurst- udn Fleischreste nur über verschlossene Behältnisse entsorgt würden, so Dr. Sabine Kramer. Die Afrikanische Schweinepest befalle nur Schweine, sei für Menschen und Haustiere ungefährlich.

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