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Nottötung in der Prignitz : Wann müssen Ferkel sterben?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ministerium strebt bessere Kontrollen an, aber genauere Gesetze wird es auch in Zukunft nicht geben

von
erstellt am 22.Aug.2014 | 20:30 Uhr

Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, doch das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg strebt in Sachen Ferkeltötung zukünftig bessere Kontrollen an. Das teilte gestern Achim Wersin, Pressesprecher des Ministeriums, auf Anfragen des „Prignitzer“ mit.

Anlass zu diesem Schritt sind Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch e.V.. Ein Video (zu sehen auf: www.prignitzer.de) zeigt, wie Mitarbeiter von Schweinezuchtbetrieben Ferkel durch das Schlagen an Wände und Böden auf brutale Weise töteten. So auch in zwei Betrieben in der Prignitz. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen hat der Landkreis gegen die Ferkelgut Pinnow GmbH & Co. KG bei Karstädt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin gestellt. Gegen die Prignitzer Landschwein GmbH & Co. KG in Neudorf läuft ein ordnungsbehördliches Verfahren.

„Die aktuellen Vorkommnisse in der Prignitz hat das Ministerium zum Anlass genommen, die für die Kontrolle des Tierschutzsrechts zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter aufzufordern, die Nottötung von nicht überlebensfähigen Ferkeln verstärkt zu kontrollieren“, sagt Wersin. „Außerdem werden die Tierhalter über die Anforderungen an eine tierschutzgerechte Betäubung und Tötung von nicht überlebensfähigen Tieren geschult.“

Als nicht überlebensfähig gelten nach deutschem Tierschutzgesetz Ferkel, die missgebildet oder stark untergewichtig zur Welt kommen oder unterkühlt sind. Doch die Gesetzestexte lassen viele Lücken. Unklar bleibt, wann ein Tier als „stark untergewichtig“ gilt. Außerdem ist nicht ausreichend geklärt, wie ein nicht überlebensfähiges Tier getötet werden muss. Es bleibt die Frage, ob das Schlagen gegen eine Wand erlaubt ist. Tierschützer sehen hierbei die Gefahr, dass das Tier nicht sofort stirbt und großen Qualen ausgesetzt ist.

In Mecklenburg-Vorpommern brachte das zuständige Ministerium vorgestern einen Erlass auf den Weg, in dem die Nottötung von Ferkeln genauer geregelt ist. Auch hier deckte Animal Rights Watch im Vorfeld durch Videoaufnahmen die Missstände in einem Schweinebetrieb bei Wismar auf. Solch eine Anordnung wird es in Brandenburg laut Wersin in Zukunft wohl nicht geben, teilte er mit: „Ein spezieller Erlass des Ministeriums zu diesem Thema ist nicht vorgesehen.“

Den Gesetzestext gibt es hier: Tierschutzgesetz für Brandenburg

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