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Der Prignitzer

23. November 2017 | 08:49 Uhr

Vorwürfe gegenüber Perleberger Klinik

vom

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erstellt am 16.Apr.2013 | 06:26 Uhr

Perleberg | Die Vorwürfe von Franka und Ralf Arnoldt gegenüber dem Kreiskrankenhaus wiegen schwer: Im Zusammenhang mit der Behandlung von Franka Arnoldt spricht das Ehepaar in einem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben an die Geschäftsführung von "unterlassener Hilfeleistung mit fahrlässiger Körperverletzung" entsprechend dem Strafgesetzbuch. Die Klinikleitung widerspricht und betont, dass aus medizinischer Sicht alles korrekt gelaufen sei.

Am 1. März, ein Freitag, brachte der Rettungsdienst die Patientin in die Klinik. Verdacht auf Bandscheibenvorfall, so Ralf Arnoldt. "Sie litt unter sehr starken Schmerzen", sagt er. Im Krankenhaus habe man sie medikamentös behandelt und Bettruhe angeordnet. Erst am Montag erfolgte eine MRT-Untersuchung zur genaueren Diagnose. "Warum geschah das nicht schon am Freitag?", fragen Arnoldts.

"Das MRT kommt an Wochenenden nur in Ausnahmen zum Einsatz", erklärt Marko Petrick, seit 2009 Chefarzt der Neurologie. Im Fall von Franka Arnoldt habe es "keine medizinische Indikation und Notwendigkeit gegeben", sofort ein MRT durchzuführen, sagt der Chefarzt.

Nach fünf Tagen Aufenthalt sei die Patientin zur weiteren ambulanten Behandlung entlassen worden. Bei einer Vorstellung beim behandelnden Hausarzt seien Details dazu besprochen worden. Mehr als zehn Tage vergingen, ohne dass sich der Zustand entscheidend verbessert hätte, so dass Arnoldts am 18. März erneut den Hausarzt aufsuchten. "Doch der hatte zwölf Tage nach der Entlassung noch immer keinen Befund vom Krankenhaus erhalten", sagt Ralf Arnoldt. Wie soll der Hausarzt einen Behandlungsplan aufstellen und sind zwölf Tage ein üblicher Zeitraum?, möchten Arnoldts wissen. Immerhin genügte offenbar ein Anruf ihres Arztes in der Klinik, um kurz darauf per Fax den Befund zu erhalten.

"Das Schreiben eines ausführlichen Befundes kann mehrere Tage in Anspruch nehmen", sagt Marko Petrick. Insbesondere dann, wenn wie in diesem Fall, Bilder vom MRT auszuwerten seien. "Aber jeder Patient bekommt mit der Entlassung eine kurze Zusammenfassung mit den ersten Ergebnissen der Diagnostik", so Petrick weiter. Diese habe auch Franka Arnoldt erhalten. Es sei eine Kurzform des Befundes, aber eine erste Information für den Hausarzt.

Am Tag darauf habe sich ihr Zustand verschlechtert, wurden die Schmerzen so stark, dass erneut der Notarzt kam und sie in die Notaufnahme brachte. Zuvor habe er Franka Arnoldt mit Medikamenten schmerzfrei gestellt. Doch das erwies sich im Krankenhaus für die Patientin als nicht hilfreich. "Mit der Begründung, sie sei schmerzfrei und man könne ihr nicht weiter helfen, wurde sie wieder nach Hause geschickt", schildert Ralf Arnoldt. Das Ergebnis sei absehbar gewesen: Kaum hätte die Wirkung der Schmerzmittel nachgelassen, musste wieder der Notarzt kommen, ging es erneut ins Krankenhaus.

"Sie hätte nicht nach Hause gedurft. Hierin sehe ich die unterlassene Hilfeleistung mit fahrlässiger Körperverletzung", sagt Ralf Arnoldt. An dieser Meinung halte er auch nach mehreren Gesprächen mit der Geschäftsführung des Hauses fest. Aus seiner Sicht hätte spätestens nach dem MRT-Befund eine Überweisung zum Facharzt für Neurochirurgie erfolgen müssen. Schmerzen und Unannehmlichkeiten hätten seine Frau dann nicht über Tage hinweg belasten müssen.

Er selbst habe mit der Klinik in Plau am See gesprochen und seine Frau privat direkt vom Kreiskrankenhaus dorthin gefahren. Mittlerweile sei sie operiert und es gehe ihr bereits viel besser. Arnoldt betont ausdrücklich, dass die Behandlung und Pflege durch das Schwesternpersonal auf der Station in Perleberg sehr gut gewesen sei. Nur mit dem Verhalten der Ärzte seien er und seine Frau nicht einverstanden.

Dass die Patientin aus der Notaufnahme wieder nach Hause geschickt wurde, sei verständlicherweise für die Familie schwer nachvollziehbar, sagt Geschäftsführer Karsten Krüger. "Das ist unglücklich gelaufen, aber fachlich nicht verkehrt. Man hätte aber anders entscheiden können", ergänzt Chefarzt Petrick. Die aufnehmende Ärztin in der Notaufnahme habe den Eindruck gehabt, dass die Patientin ambulant behandelt werden könne. Insofern sei eine stationäre Aufnahme nicht zwingend erforderlich.

Die Auswertung des MRT hätte keinen zwingenden Grund für eine Operation ergeben. Selbst wenn sich dadurch Schmerzen länger hinziehen, sei eine Operation stets die letzte Möglichkeit, so Petrick. Auch die konsultierten Neurochirurgen hätten diese Meinung geteilt. Alle medizinischen Befunde hätten für eine konservative Behandlung gesprochen.

Geschäftsführer Karsten Krüger habe diese Meinung am vergangenen Freitag im persönlichen Gespräch Ralf Arnoldt erläutert. Der Fall selbst werde noch von der zuständigen Beschwerdekommission im Haus geprüft und ausgewertet. "Wenn es Franka Arnoldt besser geht, sind wir zu einem weiteren Gespräch bereit", sagt Krüger.

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