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Straßenbau Groß Gottschow : Vorschlag nicht annehmbar

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Land hat kein Geld für 152 Meter Straße in Groß Gottschow und bietet kommunale Übernahme an

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 13:23 Uhr

Kurz bevor der rbb-Robur in Groß Gottschow eintrifft, setzt Dauerregen ein. Dennoch kommen zirka 50 Bürger, Vertreter der Verwaltung sowie Mitarbeiter des anliegenden Unternehmens zum Feuerwehrgerätehaus. In der Halle wartet man auf den Bus und Redakteurin Ismahan Alboga.

Die rbb-Mitarbeiterin griff das Thema der „unzumutbaren Holperpiste“ bei der Pressekonferenz der Landtagsgruppe BVB/Freie Wähler auf. In Groß Gottschow standen ihr Politiker und Betroffene Rede und Antwort. Plattenburgs Bürgermeisterin Anja Kramer ist die Flickschusterei leid und die ständige Aussage, es gäbe kein Geld. Sie fordert die Ausnahmeoption, die im Rahmen des „Grünen Bandes“ möglich ist, um den Neubau des 153 Meter langen Abschnitts der L 101 realisieren zu können.

„Die Straße ist das A und O“, sagt Ortsvorsteher Heinz Wernicke. Er sendet die klare Botschaft nach Potsdam, dass sich die Menschen hier oben abgehängt fühlen. „Wir wollen junge Leute herholen, da ist diese Haltung kontraproduktiv.“ Für den Landkreis Prignitz unterstreichen Pressesprecher Frank Stubenrauch sowie Michael Becker, Leiter der Kreisstraßenmeisterei, dass der Landkreis die Dorfstraße erneuern wolle, die Mittel lägen bereit, nur sei es sinnlos, „wenn nicht gleichzeitig das Land seinen Straßenabschnitt ebenfalls anfasst“.

250 000 Euro würde der 153 Meter lange Straßenabschnitt kosten, sagt Bauamtsleiter Martin Nagel.

Die Bürger Groß Gottschows sind wütend. Hans Engel sagt, was viele denken: „Sind wir hier abgeschrieben? Soll die ganze Region eine grüne Wiese werden?“ Anwohner können nicht bei offenem Fenster schlafen, Autos, die hier täglich langfahren, müssen öfter in die Werkstatt.

Dann kommt der Augenblick, in dem die Antwort des Landes kommt. Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen sagte in der Aufzeichnung, die den Groß Gottschowern vorgespielt wurde: „Die Straße gehört zum ,Grünen Netz’ und dafür reicht das Geld nicht aus. Die Mittel sind schon alle im Rahmen des Programms zur Verbesserung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse (P 100 Programm) verplant.“ Lange Gesichtern bei den Bürgern. Als Alternative schlägt er dann vor, dass die Landesstraße herabgestuft wird, entweder zur Kreis- oder zur Gemeindestraße. Dann wäre eine Förderung im Rahmes des Entflechtungsgesetzes bis zu 90 Prozent möglich.

Weder in der Gemeinde noch im Landkreis ist man bereit, dieses Angebot anzunehmen. Bauamtsleiter Martin Nagel erzählt, dass man dieses Prozedere schon einmal durchgespielt habe. Allerdings habe damals der Fördermittelgeber der Gemeinde Plattenburg mitgeteilt habe, sie würden keine Förderung bekommen, da sie nicht zum sogenannten Speckgürtel zählen.

Auch der Landkreis kann sich diese Option nicht vorstellen. „Dann sind wir Baulastträger für alle Zeiten, sind für Winterdienst und Erhaltungsmaßnahmen zuständig“, so Michael Becker. „Damit entledigt sich das Land seiner Aufgabe.“

Während Hans Engel weiß, dass weder der Landtagsabgeordnete Holger Rupprecht noch Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger hier etwas bewegt haben, fragt er in Richtung Landesregierung: „Ist Brandenburg in Neuruppin zu Ende?“

Jetzt hoffen alle, dass sich doch noch etwas bewegt, wenn Ministerin Kathrin Schneider am 23. August nach Groß Gottschow kommt. Anja Kramer hat die Einladung im rbb noch einmal wiederholt: „Also Frau Schneider, kommen Sie zu uns, besuchen Sie unsere schöne Prignitz!“

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