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Von Stimmen verfolgt: Brandstifter vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

28-jähriger Angeklagter aus Wittenberge soll in akuter paranoider Phase Feuer gelegt haben

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 10:12 Uhr

Der Fall: Der 28-jährige Stefan D. aus Wittenberge soll am 26. November vergangenen Jahres zwei Brände gelegt haben. Aufgrund einer psychischen Erkrankung soll er schuldunfähig sein.

Er ist nicht krank. Davon ist Stefan D. überzeugt, wie er gestern mehrfach betonte. Für die Staatsanwaltschaft dagegen leidet er unter einer krankhaften seelischen Störung. Die führte dazu, dass Stefan D. das Unrecht seines Handelns nicht einsehen konnte, er also nicht bestraft werden kann.

Seit gestern muss sich der 28-Jährige vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Dass es am 26. November 2013 in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Rudolf-Breitscheid-Straße in Wittenberge brannte, bestritt Stefan D. gar nicht. Doch anders als von der Staatsanwaltschaft behauptet, habe er den Brand nicht gelegt, sondern schuld daran sei wohl eine glimmende Zigarettenkippe gewesen, die seine Couch entzündete.

Dass laut einem Brandtechniker gleich an zwei Stellen in seinem Wohnzimmer Feuer ausbrach, konnte sich der Angeklagte nicht erklären. Der Sachverständige ging davon aus, dass ein Einwegfeuerzeug ausreicht, um die Möbel in Brand zu setzen. Die linke Hälfte des Hauses war anschließend unbewohnbar. Es entstand ein Schaden von rund 130 000 Euro. Auch Stefan D. hatte nun keine Bleibe mehr. Seine Betreuerin hatte ihm eine Unterkunft in einem Obdachlosenheim besorgt. „Dort hatte ich Angstzustände“, sagte Stefan D. Er wollte im Garten seiner Eltern übernachten, fand im Dunklen aber nicht den Weg und schlief ein. Er wachte auf, als seine Hose bereits Feuer gefangen hatte. Seine Löschversuche scheiterten und er nahm Reißaus.

Der Polizeibeamte Bertold H. hörte am nächsten Tag bei der Dienstbesprechung von dem Brand in der Gartenanlage „Waldfrieden“. „Mir wurde schon ganz komisch“, sagte der 56-Jährige. Seine Befürchtungen bestätigten sich, als Vertreter des Kleingartenvereins ihm mitteilten, dass nur noch die Grundmauern seiner Laube stehen würden.

Seit dem 17. Dezember ist Stefan D. in der geschlossenen Psychiatrie in Eberswalde untergebracht. Dort gehe es ihm nicht gut, antwortete er auf die Frage des Vorsitzenden Richters Udo Lechtermann. Ein Mitpatient habe gedroht, ihm den Kopf abzuhacken. „Ich habe dort niemanden zum Reden, begegne keinem. Ich komme mir da vor wie ein Geist.“

Sein sehnlichster Wunsch sei es, wieder in den eigenen vier Wänden leben zu können. Ob und wann er das wieder kann, wird das Gericht entscheiden. Zur Tatzeit habe er Stimmen gehört, so Stefan D. Nicht das erste Mal. Seinen Schilderungen zufolge geht das seit 2010 so. Die Stimmen hätten ihm teilweise Angst eingeflößt. „Dafür kann ich nichts. Die kommen und gehen.“ Dass es Stefan D. zur Tatzeit schlecht ging, bestätigte auch seine Betreuerin. Er habe damals seine Medikamente nicht genommen. Diese setzte er nach eigenen Angaben ab, wenn er sich wieder besser fühlte.

Am kommenden Verhandlungstag, dem 3. September, soll der psychiatrische Gutachter Thomas Kasten gehört werden.



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