Auf der Elbe unterwegs : Von Prag nach Hamburg gepaddelt

Das Kanu-Team mit dem Wittenberger Dietmar Pietrzyk (r.) vor dem Start.
Das Kanu-Team mit dem Wittenberger Dietmar Pietrzyk (r.) vor dem Start.

Wittenberger Dietmar Pietrzyk und 23 weitere Wassersportler legen im Kanu 783 Kilometer auf Moldau und Elbe in vier Tagen zurück

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01. Juni 2019, 05:00 Uhr

In einem Boot auf Moldau und Elbe knapp 800 Kilometer paddeln. Von Prag bis nach Hamburg. In maximal 85 Stunden. Das ist das „Praha-Treva-Paddle-Race“ – das längste Nonstop-Drachenboot-Paddelevent der Welt. Mit dabei in einem Team von 24 Sportlern, die diese Strecke jetzt meisterten, war Dietmar Pietrzyk vom Wittenberger Drachenbootteam.

Pietrzyk nahm mit einigen Freunden an der Vogalonga (das lange Ruder), einer Ruderveranstaltung in Venedigs Lagunen teil. „Dann haben wir spontan gesagt, wir können mal etwas anderes machen“, erzählt er. Und so entstand die Idee einer Teilnahme am „Praha-Treva-Paddle-Race“. Treva ist eine alte Bezeichnung für eine Siedlung an der Mündung der Alster in die Elbe und kann somit als Vorläufer der späteren Stadt Hamburg angesehen werden.

Für die Teilnahme mit einem Drachenboot kamen zu wenig Teilnehmer zusammen. Also bewältigten die 24 Athleten die Strecke mit einem Outrigger. Ein Kanu mit Platz für sechs Personen und einem Ausleger an der Seite. Dort wurden unter anderem die Scheinwerfer für die Fahrt bei Nacht montiert.

Die Strecke von exakt 783 Kilometern ist in etwa 40 Teilabschnitte mit entsprechenden Wechselpunkten unterteilt. Ein Wasserteam paddelte jeweils den vorbestimmten Abschnitt, drei Landteams fahren zu den vorbestimmten Wechselplätzen bzw. Übernachtungsorten. Das Ein- und Aussteigen in und aus dem Boot geschieht an vorbestimmten Stellen.

Nach einer gemeinsamen Anreise erfolgte der Start auf der Moldau in Prag. Später ging es in Mellnik auf der Elbe weiter. Auf der Moldau waren 13, auf der Elbe eine Schifffahrtsschleuse zu überwinden, dies erfolgt durch Befahren der Schleusen oder diese wird umtragen (Slipwagen). Das ehrgeizige Ziel dieses Unternehmens: Die 783 Kilometer so zu bewältigen, dass die Boote pünktlich zum Hafengeburtstag in Hamburg ankommen.

Das gelang am Ende, aber unterwegs gab es doch das ein oder andere Problem. Ruderschaden, das Fahren gegen den starken Strom, Anlegemanöver an den verrücktesten Stellen, eine Zwangspause wegen Nebels oder der sich aufschaukelnde Wellengang der Elbe bei Westwind – das alles kostete Zeit. „Wir hatten teilweise sechs bis neun Stunden Rückstand. Aber das haben wir wieder aufgeholt“, berichtet Dietmar Pietrzyk. Die Crew mit Paddlern aus Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder gar dem bayrischen Aschaffenburg verstand sich gut.

Auch wenn der ein oder andere für sich persönlich schon mal die Frage nach dem Sinn dieser Unternehmung gestellt hat. „Warum mache ich das eigentlich?“, hat sich auch Dietmar Pietrzyk ab und zu gefragt. Zwei Stunden im Boot, dann mit dem Shuttle zum nächsten Wechselpunkt, diesen vorbereiten, dann wieder eine Station weiter…

„Das Schlimme war der fehlende Schlaf“, sagt Pietrzyk, der 2016 mit seiner Frau Marina in einem Schweriner Boot an der Drachboot-WM im australischen Adelaide teilnahm. Aber die Erlebnisse (Pietrzyk: „Nachts durch das beleuchtete Dresden, das war schon was.“) oder das Adrenalin, das dieses Abenteuer ausschüttete, machte auch den Schlafmangel vergessen. Erst recht der freundliche Empfang in der Heimat. „Da stand unser Team im Wittenberger Nedwigshafen bereit und versorgte uns mit Kaffee und Tee“, erinnert sich der Ausdauersportler.

Am Ende war alles gut. Fast. Denn die Crew erreichte mit ihrem Outrigger pünktlich Hamburg. Nach einer Strapaze von vier Tagen, in denen sie das Boot rund um die Uhr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von acht bis 13 Kilometern in der Stunde über das Wasser bewegten. In der Hansestadt angekommen wollte sich das Team zum Hafengeburtstag in einem Drachenboot präsentieren und stieg um. Doch der Wellengang sorgte dafür, dass das Drachenboot sank und die Crew-Mitglieder in einer Rettungsaktion geborgen werden mussten. Aber was war das schon gegenüber den 873 Kilometern von Prag nach Hamburg, ist am Schmunzeln von Dietmar Pietrzyk nur zu gut zu erkennen.

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