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Integration am Gartenzaun : Von Fremden zu guten Nachbarn

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lieselotte Hetze und der syrische Flüchtling Imad al Hail erzählen vom gegenseitigen Kennenlernen, von Hilfe und Engagement

von
erstellt am 21.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Von Syrien nach Wittenberge: Imad al Hail hat die Flucht aus seinem kriegsgeschüttelten Heimatland geschafft, darf vorläufig in Deutschland bleiben, sagt er.

In den ersten Tagen 2016 gehörte er zu jenen Männern, die in der vom Landkreis hergerichteten Wohnstätte in der Wahrenberger Straße Bett, Stuhl und Spindplatz erhielten und er wurde deren Sprecher.

Und dann, wie weiter?

Eine Frage, die auch so manchen Nachbarn in der Wahrenberger Straße umtrieb. Wie lebt man mit Fremden Zaun an Zaun? Kann das überhaupt ohne Stress klappen?

Fragen, die auch Wolfgang und Lieselotte Hetze durch den Kopf gingen, grenzt das Grundstück der beiden doch unmittelbar an die Wohnstätte. Noch bevor die Flüchtlinge gekommen waren, gehörten die beiden zu jenen, die mit Ruhe und einer gewissen Gelassenheit das Kommende abwarteten, nicht gleich Schlimmes befürchteten.

Heute sind einige der Fremden keine Fremden mehr für Hetzes. „Es hat sich so ergeben, wie bei anderen Familien von hier und Flüchtlingen ja auch“, sagt Lieselotte Hetze. Sie erzählt von den ersten Kontakten nach einigen Tagen. „Ja, wir haben Regeln geklärt, haben gesagt, wie lange abends draußen Lärm herrschen darf und wie lange nicht.“ Wenig später hat die couragierte Frau gesehen, wie die Männer eher unbeholfen ihre Wäsche irgendwie über die Leinen gehängt hätten. „Da habe ich mit Klammern ausgeholfen“, erinnert sie sich lächelnd.

Lieselotte Hetze ist mit Imad al Hail zu einem Treff in die Redaktion gekommen. Es geht nicht um die Flucht, auch nicht darum, weshalb al Hail seine Heimat verlassen hat. Es geht um das Heimischwerden hier in der Fremde. Familie Hetze gehört zu jenen Wittenbergern, die es Flüchtlingen etwas leichter machen. Denn der Alltag hier ist für Fremde mit 1000 kleinen Tücken gepflastert. Da ist es gut, wenn sich jemand kümmert. Das soll nicht heißen, dass die die Flüchtlinge betreuende Awo ihren Job nicht gut gemacht hätte, aber es ist gut, wenn da noch jemand ist, den man einfach mal um Rat fragen kann.

Imad al Hail lächelt als er sagt: „Ich weiß jetzt, hier in Deutschland ist Zeit sehr wichtig.“ Diese Erkenntnis hat er verinnerlicht, und auch, dass hier in Deutschland alles nach bestimmten Schemata geregelt wird. Lieselotte Hetze hilft ihm und anderen, Regeln zu durchschauen und sie half und hilft bei für uns ganz banalen Dingen, beispielsweise beim Finden von Straßen oder Einrichtungen, beim Kauf einer Handykarte, bei den Uhrzeiten. Und das alles, obwohl al Hail anfangs kein Deutsch sprach und sie kein Arabisch beherrscht. Mit Händen und Füßen, mit Übersetzen per Internet und sogar Filmsequenzen im Internet bei Youtube haben sich die Fremden und die Einheimischen beholfen.

Seit Oktober besucht Imad al Hail einen Deutschkurs beim BBZ. Gemessen an dem, was er seit dem gelernt hat, muss al Hail fleißig und ehrgeizig sein. Er sagt, die Sprache sei momentan hier das Wichtigste für ihn. Die Sprache – das kann, das soll für den Syrer der Schlüssel sein, um hier eine Arbeitsstelle zu finden, weiß Lieselotte Hetze. Sie und auch al Hail wissen aber auch, dass das schwierig sein wird. Zuhause habe er, so erzählt der Syrer, in einem Büro gearbeitet, wo Frachtfahrten organisiert wurden.

Die Wohnstätte in der Wahrenberger Straße ist schon seit etlichen Wochen nicht mehr das Zuhause von Imad al Hail. Er hat jetzt eine eigene Wohnung in der Stadt. Um in einer Wohnung wirklich wohnen und leben zu können, braucht es viele Dinge. Ja, wer als Flüchtling erst einmal bleiben darf, erhält bei der Einrichtung seiner Wohnung Unterstützung. Aber dieses Geld will sehr sparsam ausgegeben werden, damit es für das Notwendigste reicht. Woher soll ein Flüchtling wissen, wo es ganz preiswert Möbel gibt, gar Rabatt beim Kauf eines Kühlschranks heraushandeln oder wo es gebraucht Geschirr, Besteck oder auch Gardinen gibt? Leute von hier wissen das meist, verfügen auch über Pkw, mit denen mal schnell eine Fahrt erledigt werden kann, Dinge, die sonst vielleicht Stunden gedauert hätten. Lieselotte Hetze gehört zu jenen, die mit diesem Wissen und mit persönlichem Einsatz Flüchtlingen geholfen haben und helfen.

Imad al Hail nutzte das Gespräch mit dem „Prignitzer“, um sich bei allen Behörden, Vereinen und darüber hinaus bei Menschen zu bedanken, die ihm und den anderen das Einleben hier erleichtern.

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