Tierzuchtgenossenschaft begeht Ein Jubiläum : Von Elitekühen und Spitzenbullen

Mit bewährten Mitstreitern feierte man in Gulow 50 Jahre Herdbuchzucht.
Mit bewährten Mitstreitern feierte man in Gulow 50 Jahre Herdbuchzucht.

Auf 50 Jahre Herdbuchzuchtgeschichte blicken Mitstreiter der Tierzuchtgenossenschaft Gulow zurück / Broschüre in Vorbereitung

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05. Februar 2014, 22:09 Uhr

Rinderzucht ist ein Markenzeichen der Gulower Landwirte, verbunden mit klangvollen Namen von Herdbuchzuchtbullen wie Jubel, Winnetou, Winner oder Referent. Aus Anlass von 50 Jahren Herdbuchzuchtgeschichte blickten vor wenigen Tagen bewährte Mitstreiter der Tierzuchtgenossenschaft Gulow auf die erfolgreichen Jahre seit 1963 zurück und feierten dieses Jubiläum in gemeinsamer Runde.

„Die Gulower Bauern schrieben Zuchtgeschichte“, betont Peter Hübner. Er muss es wissen, übernahm der ehemalige Instrukteur für Rinderzucht im Bezirk Schwerin doch 1962 die Verantwortung für die Zuchtbetriebe im damaligen Kreis Perleberg. „Besonders in der LPG Gulow fand ich großes Interesse am Aufbau einer Herdbuchzucht. Der damalige Vorsitzende Eberhard Zabel unterstützte mich in allen züchterischen Belangen, so dass am 20. November 1963 die ersten Kühe aus dem Stall von Irmgard und Norbert Zabel ins Herdbuch eingetragen werden konnten“, blickt Hübner zurück.

Gutes Tiermanagement und verbesserte Fütterung zahlten sich aus, so dass die Milchleistung stark anstieg und Gulow ab 1966 zu den Spitzenbetrieben im Kreis Perleberg und Bezirk Schwerin gehörte. „Ab 1965 wurde der Umzüchtungsprozess zum SMR (Schwarzbuntes Milchrind d. A.) zielstrebig durchgeführt. Allerdings war der Zukauf von Spitzensperma der Rasse Holstein-Friesian zu damaliger Zeit begrenzt“, so der Tierzuchtfachmann.

Ein erster Höhepunkt in der Gulower Herdbuchzucht war 1967 die Präsentation des ersten Zuchtbullen „Jubel“ auf der Elite-Körung in Leipzig-Markkleeberg. „Jubel verkörperte damals den Gemütszustand der Gulower Züchter“, weiß Hübner noch heute. Weitere zuchtwerte Besamungsbullen folgten, ebenso machten sich die Gulower in der Stammkuhentwicklung verdient. „1989 standen 44,4 Prozent der Elite-Stammkühe des Bezirks Schwerin in der Gulower Herde. Der Bestand belief sich auf 43 Stammkühe mit einer Durchschnittsleistung von 7833 Kilogramm Milch (4,74 Prozent Fettgehalt und 3,71 Prozent Eiweiß). Spitzenkühe wie Dolde, Amorette, Mirjam und Alba waren anerkannte Bullenmütter“, zählt der Zuchtexperte auf. Gulower Züchter und der Zuchtbetrieb Müller/Heinke aus Motrich seien auch die Vorreiter gewesen, die der Zentralen Bullenaufzuchtstation (ZBA) Woldegk die ersten Zuchtbullenkälber zur Eigenleistungsprüfung zur Verfügung stellten. Hervorgegangen ist daraus u. a. der 1978 gekörte 2000. Zuchtbulle „Winner“ der Station Woldegk. Stolz erfüllte die Gulower Züchter auch 1971, als sie auf der Landwirtschaftsmesse „agra“ für eine Färsenkollektion einen I a-Preis erhielten. Stets vertreten waren Herdbuchzüchtungen aus Gulow auf den jährlichen Tierschauen auf Kreis- und Bezirksebene und belegten hier vordere Plätze. Nicht unerwähnt lässt Hübner die LPG-Vorsitzenden Eberhard Zabel (1960-79), Dr. Hartwig Kurth (1979-85), Martin Palm (1985-90) und Reinhard Polzin (1990-2009) sowie die langjährigen verdienstvollen Mitarbeiter Irmgard und Norbert Zabel, Karin und Fred Staffehl.

„Die Herdbuchzüchtung vor 30 oder 50 Jahren war eine andere als heute. Zu DDR-Zeiten wurde der Rinderbestand aus dem eigenen SMR-Bestand reproduziert“, erzählt Reinhard Polzin. Er übernahm 1990 die schwierige Aufgabe, den mit der Wende neu gegründeten Nachfolgebetrieb Tierzuchtgenossenschaft Gulow eG in die Marktwirtschaft und auch in ein neues Zuchtgeschehen zu führen. Das für die DDR-Landwirtschaft gezüchtete SMR-Milchrind verlor an Bedeutung, die Holstein-Friesian wurden auch im Osten Deutschlands zur dominierenden Rasse. Ein staatlich gelenktes Zuchtgeschehen gab es nicht mehr, die Landwirtschaftsbetriebe orientierten sich in neu gegründeten Rinderzuchtverbänden.

Gulow, damals im Kreis Perleberg/Bezirk Schwerin zu Hause, war einer der ersten Betriebe, die 1990 in Laage den RZV Mecklenburg-Vorpommern mit gründete. „Während die meisten Milchbetriebe bei Umstellung auf das Holstein-Friesian-Rind auf den Zukauf entsprechender Färsen setzten, sind wir in Gulow bis auf zwölf von 600 unserer Kühe über Sperma in die moderne Zuchtrasse eingestiegen“, erklärt Polzin.

Zunehmend an Bedeutung gewann die computergesteuerte Züchtung, über die optimale Anpaarungsmodelle mit Parametern wie Milchleistung, Inhaltsstoffe der Milch, Strichstellung des Euters, Leichtkalbigkeit oder Langlebigkeit, errechnet wurden und dafür das jeweils benötigte Sperma zum Einsatz kam und auch heute kommt. „Das war ein enormer Fortschritt. Jetzt konnte man mit allen Rindern optimal züchten. Erfasst werden dabei auch bei allen Nachkommen sämtliche Merkmale und Leistungsdaten. Diese akribische Arbeit führte und führt Karin Staffehl“, berichtet Polzin. Während früher auch Natursprung üblich war, komme heute zu 100 Prozent die künstliche Besamung mit Sperma zum Einsatz, ob aus Deutschland, den USA oder aus Kanada.

Auch nach der Wende machten die Züchter aus Gulow von sich reden, sie stellten auf der 1. Mela in Mühlengeez bei Güstrow die beste Kuhkollektion. Ebenso präsentierte sich „Dolde“ als leistungsstärkste Kuh mit fünf ET (Embryo-Transfer)-Töchtern. Auch auf nachfolgenden Messen, ob in Mühlengeez oder ab 1994 auf den Prignitz-Tierschauen, waren die Gulower präsent und erfolgreich. Seit 2009 lenkt Sandra Perabo als junge Vorstandsvorsitzende die Geschicke der TZG Gulow. Im Bestand sind aktuell rund 550 Milchkühe mit Leistungen pro Tier von bis zu 15 000 Kilogramm Milch/Jahr. Eigene Züchtung sichert in Gulow nach wie vor den Milchkuh-Bestand, doch werden auch Zuchtfärsen und -kälber in Deutschland sowie im Ausland verkauft. „Wir kaufen keine Tiere zu, sondern haben immer mit eigener Züchtung die Reproduktion des Milchkuh-Bestands gesichert“, betont die 42-Jährige. In der TZG Gulow sind heute je nach Arbeitsaufwand 23 bis 30 Arbeitskräfte beschäftigt. Sie bewirtschaften 1300 Hektar Ackerland und betreuen neben den bereits erwähnten Milchkühen noch zirka 2500 Mastschweine.

Stolz können die Gulower auch darauf sein, die Tierschau aus DDR-Zeiten wiederbelebt zu haben, die 1990 letztmalig in ihrem Ort stattfand. 1994 wurde die Tradition als Prignitz-Tierschau mit Milchkühen, Mastrindern, Pferden, Schafen und Kleintieren fortgeführt. Wesentlichen Anteil daran hat Reinhard Polzin, der sich 16 Jahre für das Gelingen dieses „Schaufensters der Landwirtschaft“ einsetzte. In Vorbereitung ist eine Broschüre zu 50 Jahre Rinderzucht und 20 Jahre Tierschau in Gulow.

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