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20 Jahre Landkreis Prignitz : Von der Zauberflöte bis zum Kartoffelfest

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der „Prignitz-Sommer“ macht’s möglich, unterstützt kleine Aktionen und große Partys / Das Geld kommt von den Kommunen des Kreises

von
erstellt am 20.Jan.2015 | 12:00 Uhr

20 Jahre Landkreis Prignitz nahm die Kreisverwaltung zum Anlass, in diesem Jahr eine Broschüre herauszubringen. Neben wenigen obligatorischen Eckdaten lernen die Leser interessante Persönlichkeiten kennen, die den Kreis mit ihren Ideen, ihrem Einsatz in diesen zwei Jahrzehnten geprägt haben. Mitgearbeitet an der Broschüre haben Redakteure unserer Zeitung. Einige der Beiträge wollen wir Ihnen vorstellen.
Heute: der Prignitz-Sommer

Wenn es auch das Jahr 1992 war, in dem der „Prignitz-Sommer“ seine Premiere erlebte, schlug seine Geburtsstunde schon etwas früher, nämlich im Herbst 1991. Kulturschaffende des Landes Brandenburg diskutierten, wie man mit Hilfe von Kunst und Kultur regionale Identität und Heimatgefühl ausprägen und festigen kann.

„Die Diskussion regte uns an, eine eigene kulturelle Veranstaltungsreihe zu entwickeln“, erzählt Barbara Nieß und denkt in diesem Moment besonders an die Zusammenarbeit mit dem Künstlerehepaar Fürstenberg zurück, das „für die Idee brannte und fast täglich bei mir im Büro stand. Sie hatten viele Ideen und noch mehr Kontakte, die uns bei unserem Vorhaben sehr halfen.“ Und so konnte die Region wenige Monate später, von Mai bis August 1992, erstmals den „Prignitz-Sommer“ genießen, der den Menschen Konzerte, Theater, Diskussionen, Lesungen und Ausstellungen mit Berufs- und Laienkünstlern bot.

Das alles vor der eigenen Haustür, in ihrer Altstadt, auf ihrem Dorfanger, in ihrer Kirche oder Burgruine. „Da so viele aktiv beteiligt waren und somit auch viele Genres ihre Berücksichtigung fanden, wollten auch viele eine Wiederholung.“ Jetzt war die Politik gefordert, denn neben dem Schwung und Ideenreichtum der Gründer waren finanzielle Mittel für eine Fortführung erforderlich. „Die politischen Vertreter verstanden die Zeichen und es wurden Komplementärmittel bereitgestellt. Wir konnten weitermachen“, freut sich die Sachbereichsleiterin für Schulverwaltung, Kultur und Sport noch heute über die Entscheidung.

Obwohl nunmehr die zentrale Abrechnung der Mittel über den Landkreis erfolgte, war es für die Finanzverwaltung oftmals nicht einfach, die künstlerischen Träume auf den Boden der Tatsachen zu holen, erinnert sich die Sachbereichsleiterin an die Zeit, in der die Organisation die Phase der Spontanität und manchmal auch des Durcheinanders hinter sich lassen und mit der Schaffung der hauptamtlichen Koordinierungsstelle „Prignitz-Sommer“ Professionalität erreicht werden konnte. Von der Projektidee über das Erschließen von Geldern bis hin zur Betreuung der Veranstaltungen lag fortan quasi alles in einer Hand. Wobei eine Hand nicht wörtlich zu nehmen ist, denn während der „Prignitz-Sommer“ heute von nur einer Mitarbeiterin koordiniert wird, wurde die Arbeit anfangs von einem Projektleiter und mehreren ABM-Kräften bewältigt.

Die mussten sich nicht selten eingestehen, dass die regionalen Möglichkeiten mancher ihrer Ideen Grenzen setzten. Dennoch: „Die ersten Jahre waren unwahrscheinlich wichtig. Es gab viele Ideen, zahlreiche kreative Menschen, wundervolle Spielstätten und ein Publikum, das sich nach vielfältiger Kunst und Kultur sehnte.“

Den Reigen all der Angebote möchte Barbara Nieß nicht bewerten. Denn „zwischen Joseph Beuys und einem Gartenzwerg liegt ein weites Feld“, ist sie überzeugt. Und doch erwähnt sie an dieser Stelle besonders das „Quadrium“, das in der Cumlosener Galerie Rolandswurt seit vielen Jahren unter einer stets wechselnden Thematik Kunstwerke aus vier Bundesländern zeigt. „Wir sind froh, dass sich das ‚Quadrium‘ bis heute eines großen Interesses erfreut und sich die Gemeinde zu der Ausstellungsreihe bekennt“, macht sie an diesem Beispiel deutlich, dass zum „Prignitz-Sommer“ neben Konzert, Theater und Literatur auch die bildende Kunst gehört. Und die wird nicht nur von Einheimischen genossen, sondern auch von vielen Touristen, denn Cumlosen, das Quadrium und der nahe Elberadweg sind zu einem beliebten Ziel geworden.

Genau wie das Modemuseum mit seinen Präsentationen im Meyenburger Schloss, die Märchentage im Waldlehrpark von Groß Woltersdorf, die Ausstellungen im Schloss von Wolfshagen, das literarisch-musikalische Schloss in Grube oder die Sommernächte auf der Burg Lenzen. Oder wie die Veranstaltungsreihe „Dorf macht Oper“ in Klein Leppin.

Niemand hätte vor einigen Jahren auch nur im Traum daran gedacht, dass die Region einmal zur Pilgerstätte für die Liebhaber dieser Musik wird. Und doch es ist so: Seit acht Jahren lädt der FestLand e. V. zur Opernaufführung ein. Und es ist nicht etwa eine fulminante Scala, die der Verein für seine Aufführungen nutzt.

Weit gefehlt, der Vorhang hebt sich in einem ehemaligen Schweinestall. Der „Freischütz“, „Romeo und Julia“, der „Sommernachtstraum“ und die „Zauberflöte“ wurden hier u. a. bereits vor hunderten Zuschauern gezeigt. Die großen Bühnenwerke in dem kleinen Dorf sind aus dem „Prignitz-Sommer“ nicht mehr wegzudenken wie auch die Lotte-Lehmann-Woche in Perleberg, das Mittelalterliche Spektakel auf der Plattenburg oder das Dixielandfestival in Wittenberge. Zugleich lässt die Sachbereichsleiterin nicht unerwähnt, dass die Veranstaltungspalette noch sehr viel mehr Farben zu bieten hat: Lesungen und Kolloquien, Ausstellungen und Konzerte, Vorträge und Theateraufführungen, Dorffeste und Festivals, Blasmusik und Schlossnächte, Markttreiben und Lichterfeste. Sie alle stehen dafür, dass der „Prignitz-Sommer“ den Sommer längst hinter sich gelassen hat und Kultur und Kunst an 365 Tagen im Jahr bietet.

„Wie macht ihr das? Gibt es ein Rezept?“, wird Barbara Nieß häufig nach dem Erfolg des mehr als 20 Jahre währenden „Prignitz-Sommers“ gefragt. Ihre Antwort lautet dann immer: „Die Zutaten sind 50 Cent pro Einwohner im Landkreis, alle Amtsbereiche sind mit dem gleichen Anteil dabei. Für Werbung, Künstlersozialkasse, Gema und Versicherungen gibt das Land 25 000 Euro.

Dazu kommt die Sparkasse Prignitz als beständiger Sponsor und der Wille vieler fleißiger Helfer vor Ort, die sich mit dem Kunst- und Kulturprogramm identifizieren. Jeder Amtsbereich hat feststehende Aktionen mit flexiblen Besonderheiten, die eine hohe Akzeptanz bei den Einwohnern und bei allen Beteiligten haben. Und die großen Unterschiede der territorialen Besonderheiten und ihrer völlig unterschiedlich geprägten Menschen sind es, die Abwechslung und Würze in das Ganze bringen.“  

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