Schlachtefest Wustrow : Von der Wurst bis zum Wollschuh

Nach der Schauzerlegung hat Fleischermeister Matthias Schlede beim Direktverkauf alle Hände voll zu tun. Die Besucher stehen Schlange, denn sie wissen, wo das Fleisch herkommt.  Fotos: Carlo Ihde
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Nach der Schauzerlegung hat Fleischermeister Matthias Schlede beim Direktverkauf alle Hände voll zu tun. Die Besucher stehen Schlange, denn sie wissen, wo das Fleisch herkommt. Fotos: Carlo Ihde

Zum 4. Schlachtefest in Wustrow kamen am Samstag hunderte Besucher / Aussteller zogen mit handwerklichen Produkten an

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09. November 2015, 08:00 Uhr

„Was schmeckt denn vom Schwein am besten?“, fragt Matthias Schlede in die Runde der konzentrierten Zuschauer. „Filet“, antworten einige. Die Antwort des 25-jährigen Schlachtermeisters: „Mein Opa hat immer gesagt: Alles zwischen Schwanz und Schnauze.“ Damit hat er die Lacher auf seiner Seite, während er weiter Knochen, Sehnen und Schwarten auslöst und erklärt, wie man sie zubereitet.

Wenn die Fleischerfamilie Schlede zum Schlachtefest in das kleine 70-Einwohner-Dorf Wustrow lädt, herrscht großer Andrang. Im vergangenen Jahr waren es über den Tag verteilt ungefähr 1400 Besucher aus der Prignitz und benachbarten Landkreisen. Die Schledes und der Heimatverein Wustrow e.V. aus Lanz, der rund 50 Mitglieder zählt, arbeiten hier Hand in Hand mit unzähligen Freiwilligen. Während Christiane Saß vom Heimatverein im Gemeinschaftshaus Kaffee in große Kannen füllt, berichtet sie: „Gegen halb zehn heute Morgen waren schon die ersten Besucher da, obwohl manche Händler noch nicht einmal aufgebaut hatten. Was die Besucher herzieht, ist die Erinnerung an Früher.“

Hausschlachtungen, wie sie viele Ältere noch aus ihrer Kindheit und Jugend kennen, gibt es in der Prignitz kaum noch. In Wustrow lebt die Tradition wieder auf. Für ein Hausschwein von 135 Kilo Lebendgewicht schlug am Samstag um 14. 30 Uhr das letzte Stündlein. „Das zerlegte Tier kann man beim Ferkelwürfeln gewinnen. Bauch, Gulaschfleisch, Filet und Rohmaterial für Wurst werden dabei anfallen“, erklärt Matthias Schlede das Gewinnspiel. Direkt ansehen wollten sich die Schlachtung aber auch viele ältere Semester nicht. „Als Kind hab ich mich da immer versteckt“, verrät eine Dame.

Brunhilde Jochens steht zusammen mit dem 17-jährigen Paul Mackel am Stand der Mackel GbR aus Wustrow. „Da hinten laufen die Lebendigen“, scherzt sie, während sie einer Kundin eine ausgenommene Ente eintütet. „Alles hier ist selbstgemacht, gezüchtet und angebaut“ sagt sie und zeigt auf Marmeladen, Schmalzfleisch, Tomaten, Sellerie, Eier und Rote Beete.

Aus Blumenthal bei Heiligengrabe ist Andrea Janott mit ihrer Strickmode nach Wustrow gekommen. „Die Schuhe, Westen und Pullover sind bei mir alle aus reiner Schurwolle. Die Schafe halte ich selber“, sagt sie. Unter dem Zelt sitzt sie dabei am Spinnrad und gibt interessierten Zuschauern auch Einblicke in das Handwerk. Ihre Hausschuhe aus Schafswolle gehen gut weg.

Während Seniorchef Jürgen Schlede im Akkord das zart zerfallende Kassler über die Theke reicht, tritt Volker Meier aus Lanz fragend an ihn heran. „Ich soll gutes Steak-Fleisch mitbringen. Was ist denn da am besten?“ Schlede hakt nach und erklärt, dass es 26 Arten von Steaks gibt, die sich deutlich unterscheiden. Volker Meier ist erstaunt. Zusammen mit seiner Freundin Sandra ist er auch auf der Suche nach guter Wurst. „Meine Freundin ist Vegetarierin, hat sich aber nicht abschrecken lassen mitzukommen“, sagt Meier lachend.

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