Von der Schafherde zum Wolfsrudel

<strong>Mit Schafen</strong> begann seine berufliche Laufbahn. Heute sind es die Großtiere in Perleberg, zu denen auch die Trampeltiere gehören.<foto>Doris Ritzka</foto>
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Mit Schafen begann seine berufliche Laufbahn. Heute sind es die Großtiere in Perleberg, zu denen auch die Trampeltiere gehören.Doris Ritzka

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05. Januar 2013, 01:44 Uhr

Perleberg | Er hatte sie alle schon im Arm - Bären, Luchse, Wölfe. Die Rede ist von Karsten Künstler. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, als der mit Meister Petz oder dem Luchs "kuschelte", da waren jene noch im zarten Babyalter. Geboren im Tierpark der Rolandstadt hat der Tierpfleger sie aufwachsen sehen, zumindest so lange, wie das Gehege in Perleberg ihr Zuhause war. Denn so mancher Nachwuchs ist als bald auf Reisen in einen anderen Zoo oder Tierpark gegangen.

Karsten Künstler ist von Hause aus Tierpfleger, allerdings begann er seine berufliche Laufbahn mit Schafen. "Ich war Schäfer in Quitzöbel", erzählt er und muss selbst schmunzeln angesichts der jähen Wandlung vom Schaf zum Bären. Als es mit der Wende die LPG alsbald nicht mehr gab, musste sich der heute 42-Jährige nach einem anderen Arbeitgeber umsehen. Kurzentschlossen bewarb er sich im Perleberger Tierpark. Es klappte - fortan waren seine Schützlinge allerdings etwas größer und eben mit respektvollem Abstand zu betrachten. Ben und Biene, die 1996 das Licht im Tierpark erblickten, hatte er noch auf dem Arm. "Das geht aber schon lange nicht mehr, es sind ausgewachsene Wildtiere, denen man besser nicht zu nahe kommt." Dennoch sind sie Karsten Künstler richtig ans Herz gewachsen, wie auch die alte Bärin. 1974 wurde sie im Schweriner Zoo geboren und kam dann nach Perleberg. Mittlerweile ist sie die Seniorin des Tierparks, "kein Tier ist älter". Im Durchschnitt 25 bis 28 Jahre werden Bären in freier Wildbahn alt, "in der Wildtierhaltung hat es einer schon mal auf 47 Jahre gebracht", weiß der Tierpfleger, der vor drei Jahren erfolgreich in Dresden noch einen siebenwöchigen Crash-Kurs als Werkstierpfleger, ausgerichtet speziell auf Wildtierhaltung, absolvierte.

An die 400 Tiere in zirka 100 Arten haben im Zoo der Rolandstadt ihr Domizil. Über alle muss ein Tierpfleger Bescheid wissen, auch wenn Bären, Luchse, Nasen- und Waschbären vor allem in Karsten Künstlers Obhut sind. Für sie ist er faktisch die Rundumbetreuung, hat für Futter, ein sauberes Gehege zu sorgen und dafür, dass sie sich nicht langweilen. "Übers Futter kriegt man sie alle", verrät er. Meister Petz liebt es süß. Mit Honig, versteckt im Baumstubben, oder im Sommer mit schwimmenden Eisbomben, die mit ganz viel Obst gespickt sind, damit bekomme man sie schon beschäftigt.

Während es den Bären offensichtlich ziemlich egal ist, wer sich da ihrer Anlage nähert, trampeln die Trampeltiere von einem Huf auf den anderen, wenn ein Tierpfleger sich zeigt. "Das verheißt zumeist Futter", so Karsten Künstler und ergänzt mit spitzbübischem Lächeln, "auch Kamele merken sich, wo es was zu holen gibt".

22 Jahre ist er nun schon im Tierpark, hat Bären- und Wolfsanlage und all die neuen Gehege und Volieren entstehen sehen, mehr noch, oft selbst daran mitgewerkelt. "Da ist man schon stolz drauf", gesteht er offen ein, denn mit allem Neuen verbesserten sich die Bedingungen für Mensch und Tier. "Artgerechte Haltung für die Tiere, für uns leichteres Arbeiten und für unsere Besucher wurde der Tierpark immer wieder ein Stück attraktiver."

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