Santiano in Wittenberge : Von der Ölmühle bis ans Ende der Welt

Jesse.JPG
16 von 16

Volkrocker begeistern mit ihrem Konzert in Wittenberge tausende Besucher / Publikum dankbar für tolles Event in der Prignitz

23-11368050_23-66107917_1416392348.JPG von
17. August 2015, 08:00 Uhr

Dieses Schiff geht nicht unter. Wie ein Fels in der Brandung steht Santiano auf der Bühne der Alten Ölmühle. Inmitten eines tosenden Meeres von 8000 wippenden Armen bleibt Santiano am Freitagabend zwei Stunden lang auf Kurs.

Käpt’n Björn Both erstürmt mit seinen Mannen die Herzen der Fans, die scheinbar nur darauf gewartet haben, ihre Band hier in der Prignitz live zu erleben. Und selbst wenn Santiano unter vollen Segeln bis ans Ende der Welt fahren würde, wäre niemand von Bord gegangen. Würde jetzt eine Meuterei zwischen diesen historischen Mauern ausbrechen, ginge es nur um eine Forderung: Spielt bis zum Morgengrauen.


Starke Männer schunkeln mit


Egal mit wem wir sprechen, wen wir fragen, wir hören stets die gleichen Sätze: „Einfach nur geil. Der Hammer. Das ist Wahnsinn.“ Männer mit muskulösen Oberarmen und großflächigen Tattoos tanzen miteinander.

Optisch passen sie eher in die Heavy Metal Szene, aber hier? Bei einer Band, die bei Carmen Nebel auftritt und den Echo für volkstümliche Musik erhielt? „Klar doch, das wollen wir hören. Schreib das auf!“, sagt Andy und klatscht weiter rhythmisch zum Lied „Frei wie der Wind“.

Auch Johannes Mewes, Daniel Waltinger und Marvin Swierczinski aus Breese gestehen: „Das ist voll unsere Musik.“ Max Sembritzki hüpft mit seiner Mutter im Takt der Musik und johlt die Songs mit. Andreas aus Klein Warnow schnappt sich seine Sarina und legt erst eine kesse Sohle aufs Parkett und gibt ihr dann einen dicken Kuss. Der Düpower Ralf Arnold spricht von „Gänsehaut pur“ von „Wahnsinn“ und meint, dieses Konzert sei für Wittenberge einfach nur toll. Die Location Ölmühle habe sich längst noch nicht abgenutzt, hier sei es immer wieder fantastisch.

Männer heben ihre Kinder auf die Schultern, die älteren Besucher sitzen eher seitlich, wo die Musik etwas leiser ist. „Ich habe Kinder aus meiner 5. und 6. Klasse hier gesehen. Diese Musik zieht alle Generationen an, von sieben bis 70 Jahren und darüber hinaus“, sagt Kerstin Schulz, Leiterin der Jahngrundschule in Wittenberge. „So toll, so viele Leute hier, das ist einfach ein fantastischer Abend.“ Sandra Jesse und Bengt Jesse-Windelbank sind gar aus Rendsburg gekommen. „Meine Eltern wohnen in Wittenberge, schenkten uns die Karten zu Ostern. Ein tolles Geschenk“, sagen sie. Mit einem ganzen Bus reiste Maik Horn aus dem Neuruppiner Raum an. In bester Stimmung genießt er zusammen mit Freunden und Kollegen diesen warmen Sommerabend.


Nach 27 Jahren wieder auf einem Konzert


Einer der eigentlich gar nicht hier sein dürfte, amüsiert sich prächtig: Jan Peukert. Der Dachdeckermeister aus Lanz ist kein Konzertgänger: „1988 war ich auf meinem ersten und bisher einzigen Konzert. Damals spielte Purple Schulz“, erzählt er.

Von Santiano hatte er bis vor einem Jahr noch gar nichts gehört, doch im Drachenbootteam MUT von Mirko Gierz ist Santianos Musik mehr als beliebt. „Seit dem Rennen im vergangenen Jahr kenne ich also die Band, und da wir mit fast dem ganzen Team heute hier sind, erlebe ich mein zweites Livekonzert“, sagt er.

Am Nachthimmel zucken Blitze, in der Ferne grollt der Donner. Eine perfekte Kulisse für die maritimen Songs der Band, der es sichtlich Spaß macht zu spielen. Frontsänger Björn Both sucht und findet immer wieder den Kontakt zu den Wittenbergern, facht die Stimmung weiter an. Funkenregen auf der Bühne, die wogende Masse davor genießt und feiert, bis der letzte Takt der Zugaben verstummt.

DJ Gordon aus Karstädt hat die schwere Aufgabe, die After-Show-Party zu eröffnen. „Mit welcher Musik soll ich nach diesem Auftritt nur beginnen?“, fragt er sich schon zu Beginn des letzten Konzertdrittels.

Er entscheidet sich für den Hit „Auf uns“ von Andreas Bourani. Eine ausgezeichnete Wahl, denn die ersten Worte dieses Songs sind absolut passend: „Wer friert uns diesen Moment ein, besser kann es nicht sein.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen