Frank Döring : Von der Linken nun zur SPD

Frank Döring tritt jetzt für die SPD an.
Frank Döring tritt jetzt für die SPD an.

Frank Döring sieht seine politische Heimat bei den Sozialdemokraten und plädiert für mehr außerparlamentarisches Miteinander

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26. April 2019, 05:00 Uhr

Perleberg | Bei der vergangenen Kommunalwahl kandidierte Frank Döring für Die Linke. Jetzt tritt er für die Perleberger SPD an. Redakteurin Doris Ritzka sprach mit dem 58-Jährigen über Beweggründe, seine politische Heimat und kommunalpolitische Ambitionen.

Austritt aus der Partei Die Linke, dann im Februar Austritt aus der Fraktion. Warum?

Frank Döring: Gründe gibt es viele, sowohl politische wie auch menschliche. Wie ein Puzzle haben die sich letztlich zusammengefügt.

Darunter kann man sich viel und nichts vorstellen.

Mit meiner Wahl zum Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung hatte ich das Gefühl, ständig einen Spagat machen zu müssen. Da die Linke und dort die anderen Fraktionen. Für ein kritisches aber faires Miteinander bin ich angetreten. Die Betonung steht auf Miteinander, eben das fehlte mir. Ich fühlte mich in der eigenen Partei oftmals wie auf einsamem Posten, hätte mir einfach mehr Rückhalt gewünscht.

Zum Beispiel?

Als in der Stadtverordnetenversammlung ein Abgeordneter der Linken, dem ich Blumen zu seinem runden Geburtstag überreichen wollte, von gleich auf jetzt ohne Begründung sein Mandat niederlegte. Irgendwie empfand ich es, als habe man mich ins offene Messer laufen lassen. Ich vermisste immer mehr die Unterstützung der Partei, der Fraktion nach außen hin.

Und Sie selbst?

Als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung ist es meine Pflicht, überparteilich zu agieren. Ich bin aber von einer Partei für das Amt vorgeschlagen worden und habe mir da einfach mehr Unterstützung versprochen, gerade auch auf zwischenmenschlicher Basis. Das fehlte mir, darum habe ich die Fraktion verlassen. Den Schritt habe ich mir alles anderes als leicht gemacht.

Der kam dann aber sehr kurzfristig.

Stimmt, die Kritik nehme ich auch an. 15 Jahre in der Fraktion, die prägen. In der Zeit haben wir auch viel Gutes für die Stadt bewegt. Darum habe ich vielleicht auch einfach zu lange gewartet.

Zuvor sind sie ja bereits aus der Partei ausgetreten. Kam der Schritt dann doch nicht so unerwartet?

Letztlich bedingt das eine das andere, doch mein Parteiaustritt hing mehr mit Entscheidungen der Landes- und Bundespolitik zusammen, die ich einfach nicht mehr mitragen wollte. Es war nicht mehr meine politische Heimat.

Und die ist jetzt die SPD?

Ich möchte schon weiterhin politisch aktiv sein. Daraus habe ich kein Hehl gemacht. Die SPD hat mich angesprochen.

Und Sie haben sofort zugesagt. So ein Wechsel hat immer einen Beigeschmack.

Außenstehende mögen das vielleicht so sehen, für mich ist es eine Entscheidung, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. In der Arbeit als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung hat sich auch zwischenmenschlich zur SPD ein Verhältnis entwickelt, wo ich sage, da kann man, da kann ich was bewegen.

Kommunalpolitisch, wo sehen Sie sich da?

Ich würde gern weiterhin die Aufgabe als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung wahrnehmen. Sofern das Wahlergebnis das zulässt, gibt es da Konsens mit der SPD.

Erst für die Linke, dann für die SPD …

Ich sehe darin keinen Widerspruch. Denn wir haben uns damals aufgemacht, um die Gräben, die entstanden waren, zu überwinden. Ich denke, wir sind da auf einen guten Weg, haben wieder so einige Beschlüsse gemeinsam hinbekommen. Als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung hat man eine andere Sicht auf alles, man ist Moderator, Vermittler und manchmal auch Schlichter.

Wenn Sie vom Bürger gewählt und von der SPD für das Amt vorgeschlagen werden, was würden Sie anders oder neu machen?

Vor allem versuchen, dass man, sprich alle Fraktionen, auch außerhalb der parlamentarischen Arbeit miteinander kommunizieren und dabei einfach auch über all das, was unser tägliches Leben lebenswert macht oder eben auch nicht. Der Trend geht inzwischen schon in diese Richtung, aber erst sehr zaghaft.

Genau das hat sich auch das junge Dreigestirn, das die CDU ins Rennen schickt, auf die Fahnen geschrieben.

Dann wären wir schon zu viert. Ich finde es sowieso toll, wie viele Kandidaten sich zur Wahl stellen, und vor allem wie viele junge Menschen sich für ihre Stadt engagieren wollen.

Stichwort Bürgersprechstunde. Wie nah kommen Sie da dem Bürger wirklich?

Da geht mehr, auch wenn wir schon Erfolge verbuchen können. Bürger kommen, doch es können gern weitaus mehr sein. Ich bin mir sicher, es gibt ausreichend Dinge, die die Leute beschäftigen. Anders herum würde ich mir wünschen, dass wir einfach auch schneller, unbürokratischer reagieren. Für alles gibt es einen Ermessensspielraum. Das heißt aber, auch die Verwaltung mehr mit ins Boot zu holen. Denn es sind oftmals viele kleine Dinge, die uns das Leben schwer machen, die sich bei etwas gutem Willen auch unbürokratisch aus der Welt schaffen lassen.

Sie und die Bürgermeisterin halten im Wechsel die Sprechstunden ab. Wie könnte hier mehr Verwaltung aussehen?

Mit der Bürgermeisterin habe ich natürlich die Chefin selbst mit im Boot. Ich könnte mir aber durchaus auch vorstellen, Amtsleiter mit dazu zu holen. Vielleicht nicht zu jeder Bürgersprechstunden, aber ab und an. Dann sitzt man sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber.

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