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Entdeckung in der Elbestadt : Vom Triebwagen zum Schuppen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Segment des Kruckenberg-Wagen in einem Wittenberger Kleingarten entdeckt. Dresdner Verkehrsmuseum informiert

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 12:00 Uhr

1939 blieb der sogenannte Kruckenberg-Triebwagen auf einer Testfahrt mit einem Schaden nahe Wittenberge liegen. Jetzt wurden bedeutende Überreste des Eisenbahn-Prototypen in einem Garten gefunden. Mario Sembritzki von der Traditionsgemeinschaft Eisenbahn informierte den „Prignitzer“ darüber.

Sembritzki war es auch, der im Januar gemeinsam mit dem „Prignitzer“ Wittenberger bat, bei der Suche nach Relikten der Hightechentwicklung aus den 30er Jahren hier in der Stadt mit zu helfen. Die Idee dazu kam von Mitstreitern vom Verkehrsmuseum in Dresden. Eine ganze Reihe von Lesern reagierte mit Tipps, wo sich Teile befinden könnten, und sie berichteten von ihren Erinnerungen im Zusammenhang mit dem Kruckenberg-Relikt.


Dank an die Leser des „Prignitzers“
 

Der Schnelltriebwagen SVT 137 155 war eine Entwicklung des Ingenieurs Franz Kruckenberg, die nie in die Produktion überführt wurde. 1938 begannen die Testfahrten auf der Strecke Berlin – Hamburg. Die Überreste des Prototyps standen bis zur offiziellen Verschrottung 1967 im Reichsbahnausbesserungswerk. Danach konnten sich Werkangehörige Teile für den privaten Gebrauch erwerben.

Mario Sembritzki, der mit den Dresdener Eisenbahnfreunden im engen Kontakt steht, kann jetzt von einer höchst erfreuliche Entdeckung berichten: „Gut versteckt in einer Gartenanlage und für einen Laien kaum noch zu erkennen, steht es, das wohl letzte und größte zusammenhängende originale Teilstück des Triebwagen VT 137 155 außerhalb des Verkehrsmuseums in Dresden.“ Sembritzki hat Kontakt zu dem Gartenbesitzer Karsten Plack aufgenommen. Wie Plack ihn erzählte, wusste er selbst nicht, dass er seine Gartengeräte in solch einem Stück Eisenbahnhistorie aufbewahrt. „Dass es etwas mit der Eisenbahn zu tun hat, habe ich mir gedacht, aber dass es sich hier um so ein Einzelstück handelt, war mir nicht bewusst“, sagte Karsten Plack im Gespräch zu Mario Sembritzki. Dieser hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass sein Geräteschuppen ein Teilstück des Kruckenbergschen VT 137 155 ist.

Wie Sembritzki erzählt, „ging es nach einem ausgiebigen freundlichen Gespräch an die Arbeit: messen, fotografieren und dokumentieren“. Zahlreiche Gartenutensilien wurden ins Freie geräumt, um den Blick ins Innere frei zu geben. „Karsten Plack hat keine Mühen gescheut, herzlichen Dank dafür“, betont Sembritzki.

Die jetzt gesammelten Informationen werden umgehen an die Eisenbahnfreunde in Dresden weitergeleitet. Danach entscheide sich, ob das Bauteil noch einmal auf eine Reise geht oder die kompletten Informationen für eine geplante Dokumentation in Dresden Verwendung finden.

Über die Zeit gerettet hat der Zufall in Wittenberge aber auch kleinere Teile, die zum Kruckenberg-Triebwagen gehörten: So zum Beispiel eine Hartgummikugel. Diese Kugel mit einem Durchmesser vor zirka 25 Zentimetern diente der Federung und befand sich an einem der Drehgestelle. „Eine Kugel konnte dem Verkehrsmuseum schon übergeben werden. Damit wurde das dort ausgestellte Drehgestell komplettiert. Die Gummikugel ersetzt jetzt einen provisorisch hergerichteten Fußball, der jahrelang die noch offene Position einnahm“, erzählt Sembritzki.

Wie viele von diesen Kugeln sich in Wittenberge und Umgebung noch befinden, ist unklar. Wenigstens zwei Stück konnten bis jetzt gesichtet werden.

Über den „Prignitzer“ möchte sich Sembritzki auch bei allen Lesern des „Prignitzer“ für die zahlreichen Tipps und Hinweise bedanken.



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