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Der Prignitzer

22. November 2017 | 14:11 Uhr

Vom Steinbeil bis zur Ofenkachel

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erstellt am 11.Feb.2013 | 07:21 Uhr

Perleberg | Die Rolandstadt ganz im Zeichen der Historie und des Heute: Mit der Eröffnung der archäologischen Dauerausstellung im Stadt- und Regionalmuseum Ende Oktober vergangenen Jahres hat Perleberg ein kulturhistorisches Kleinod. Bereits Gustaf Kossinna, Professor der deutschen Archäologie und neben Carl Schuchhardt der bedeutendste Prähistoriker und Schöpfer der so genannten Siedlungsarchäologischen Methode, sprach 1910 davon, dass die Prignitz in der vorgeschichtlichen Bronzezeit eines der bedeutendsten Siedlungsgebiete in Europa gewesen sei. Nach Gründung der Deutschen Gesellschaft für Vorgeschichte führte ihn sein erster Weg in die Prignitz, genauer gesagt nach Seddin, weiß Günther Seier, Archäologe und einstiger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadt- und Regionalmuseum, zu berichten.

An der Bedeutung und Wertung - die bronzezeitliche Blüte sei die Prignitz gewesen - habe sich bis in heutige Tage nichts geändert, vielmehr haben jüngste Erkenntnisse das nur bestärkt, unterstreicht Dr. Peter Knüvener, der das Stadt- und Regionalmuseum seit Januar leitet. Der Seddiner Raum sei einer der bedeutendsten Fundgebiete innerhalb der europäischen Archäologie der Bronzezeit, und diesem Ansatz werde die neue Ausstellung gerecht, betont Günther Seier, der sein Konzept hier verwirklicht sieht.

Entstanden ist eine überaus modern gestaltete Exposition, die zu einem Exkurs durch 12 000 Jahre Prignitz einlädt und sich an den Ausstellungen und Sammlungen von Großstädten messen könne, bringt es Dr. Knüvener auf einen kurzen Nenner. "Damit gehört Perleberg zur ersten Garnitur der Museen Brandenburgs und darüber hinaus. Denn kaum einer hat so eine Dichte an bronzezeitlichen Funden in der Qualität zu bieten."

Das haben bereits historische Gelehrte so bewertet, fügt Seier an. Als 1905 der Kaufmann Wilhelm Ratig das Perleberger Museum gründete, wurde es so zu einer Art Pilgerstätte. Das Gästebuch, inzwischen selbst ein Kleinod des Museums, nennte solche Namen wie Kossinna oder Ernst Friedel. Letzterer war der erste Leiter des Märkischen Museums.

Das Königsgrab von Seddin, eines der größten Hügelgräber Nordeuropas aus der jüngeren Bronzezeit um 800 vor Christus, bilden einen Schwerpunkt der neuen Ausstellung. Der Entdecker des Grabes, ein Landwirt wollte 1899 die Steine des Hügels für den Wegebau verwenden - legte so die Grabstelle frei. Zu Tage kam eine prunkvolle Keramik-Urne. Der Leichenbrand stammt von einem Mann im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Der Urne nach zu urteilen muss er ein reicher und mächtiger Mann gewesen sein. Deshalb wird in der Sage von "König Hinz" gesprochen.

Das Seddiner Königsgrab ist zwar ein Schwerpunkt der neugestalteten Dauerausstellung, doch auch die anderen Funde seien nicht minder interessant und bedeutsam, ergänzt Dr. Knüvener und verweist aufs Mittelalter. Spannend in diesem Zusammenhang die Funde, die bei Ausgrabungen in der Stadt, so am Großen Markt, zu Tage kamen. Gefunden wurde hier beispielsweise ein sogenannter Schlittknochen, mit denen die Menschen über die zugefrorene Stepenitz rutschten.

Durch eine geschickte Aufteilung der Räume, moderner Lichttechnik und verständliche Erklärungen neben den einzelnen Exponaten wird der Besucher mit auf die Reise von der Mittelsteinzeit bis zum Mittelalter durch die Geschichte von Perleberg und Umgebung genommen - "vom Steinbeil bis zur Ofenkachel", fügt Günther Seier an. Und er verweist auf die mittelalterlichen Hacksilberfunde bei Düpow. Bei den Slawen galt nur das Edelmetallgewicht. Der Wert einer Münze entsprach damals genau dem Silberwert. War einem Käufer eine Ware also keine ganze Münze wert, wurde sie entsprechend geteilt, ein Stück abgehackt.

Ziel ist es, mit dem Pfund - Prignitz als bronzezeitlich bedeutendes Kulturzentrum - noch mehr auch überregional zu wuchern, so Dr. Knüvener. Denn die Exposition ist eine Art Gebrauchsanleitung für die Wertung vorgeschichtlicher Funde, um sie einzuordnen, ihre geschichtliche Bedeutung zu ermessen. Man wolle nun weitere Vernetzungsmöglichkeiten ausloten und natürlich dann auch nutzen, so Dr. Knüvener.

Insgesamt will das Museum wieder mehr in die Öffentlichkeit. Ihre Fortsetzung finde so Vortragsreihe, auch werde es Sonderführungen und im Sommer Exkursionen geben. Im Gespräch sei man auch bereits für erste kleine Sonderpräsentationen.

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