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Der Historischer Perleberger Hagen : Vom Schutzwall zum Treff für alle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Hagen, seine Geschichte und Wandlungen / Von einem Denkmal, das umzog und einem Pavillon, den es nicht mehr gibt

von
erstellt am 04.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Der Hagen soll neugestaltet, mehr zum Erleben, zum Anfassen werden, eben eine grüne Lunge mit Aufenthaltsqualität für alle Generationen. Konkret geht es dabei um den Bereich südlich vom sogenannten Gummisteig. Mit Städtebaufördermitteln soll das Areal aufgewertet werden. Ein Vorhaben, das vor allem bei Anliegern aber auch bei Abgeordneten auf wenig Gegenliebe stößt. Alles solle bleiben, wie es ist, nur eben schöner und man beruft sich dabei auch auf frühere Zeiten. Doch wie war der Hagen einst? Der „Prignitzer“ fragte Hobbyhistoriker Jens Nering.

Auf einen kurzen Nenner gebracht, er war Schutzwall, Flaniermeile, Bleichplatz, Naherholungs- und sonntäglicher Ausflugsort.

Nicht nur die Stadtmauer, auch die Stepenitz, die vielen Gräben, die Wälle und der Hagen gehörten gleichsam zur Stadtverteidigungsanlage. „Einst viel morastiger als heute, mit viel mehr wasserführenden Gräben durchzogen, war der Hagen ein natürliches Hindernis für Angreifer“, erläutert Jens Nering. Zudem bot er Fläche, um Hochwasserlagen abzufangen. Im Sommer war er gleichso ein ideales Plätzchen, um Wäsche zu bleichen.

Das alte Jahn-Denkmal im Hagen …  Repro: Nering
Das alte Jahn-Denkmal im Hagen … Repro: Nering
 

Im Jahre 1912, anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Turnverein e.V., wurde zu Ehren von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn ein Denkmal im Hagen errichtet. Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Turnvater aber vom Sockel geholt und später durch einen schlichter gehaltenen ersetzt. Zu DDR-Zeiten zog das Denkmal dann auf den Sportplatz in der Berliner Straße um, wo es noch heute seinen Platz hat.

…jenes, das heute auf dem Sportplatz steht.
…jenes, das heute auf dem Sportplatz steht. Foto: dori
 

Wo der alte Turnvater aus Stein geblieben ist, die Antwort muss Jens Nering jedoch schuldig bleiben. Fest steht aber, fast an gleicher Stelle, wo einst das Denkmal im Hagen stand, errichtet die ZBO Perleberg zur 750-Jahrfeier der Stadt einen Pavillon. Aber auch den gibt es längst nicht mehr. Vandalen sorgten dafür. Die Rudimente wurde schließlich abgebaut.

Etliche Wege führten in den Hagen bzw. von dort in Lokalitäten, auf Anwesen und Einrichtungen. So gelangte man vom Hagen aus in die Gastwirtschaft „Bürgergarten“. Wilhelm Gleiß und nachfolgend Wilhelm Gruppe führten diese Schankwirtschaft, die bis 1901 der Pritzwalker Straße 16 zugeordnet war.

Mit der Neuverteilung von Adressen und Hausnummern wurde der „Bürgergarten“, ein bei den Perlebergern überaus beliebtes Tanzlokal, postalisch zur Eichenpromenade 3 und im Einwohnerverzeichnis von 1905 bereits unter dieser Adresse geführt. In Kriegszeiten war der Bürgergarten Lazarett, in der DDR kam hier ein Kindergarten unter.

Linksseitig des „Bürgergartens“ befindet sich eine Turnhalle, der ehemalige Saal des Lokals. In der Halle trainierte zu DDR-Zeiten der Boxernachwuchs und sie war zugleich Schulsporthalle für die Berufsschule. Jene hatte damals im heutigen Gymnasium in der Puschkinstraße ihr Domizil.

Die „Eichenpromenade“ wurde bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts unter diesem Namen geführt. Um 1869 gab es hier lediglich vier Hausbesitzer. Damals wie auch heute führt die „Eichenpromenade“ entlang der stadtabgewandten Seite des „Hagens“ bis zur „Matthias-Hasse-Straße“ und darüber hinaus. Folgt man ihr, so gelangt man bis nach Lübzow. An diesem Weg befanden sich übrigens die meisten der Perleberger Schwimmbäder.

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