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Arbeitslose erfolgreich vermittelt : Vom Schlusslicht zum Spitzenreiter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zauberwort „Prio“: Jobcenter Prignitz steht bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen im Land Brandenburg am besten da

„Prio“, sagt Thomas Puth. Diese vier Buchstaben genügen dem Geschäftsführer des Jobcenters Prignitz, um einen der erstaunlichsten Erfolge seiner Behörde zu erklären. Was die Vermittlung von Arbeitslosen Hartz IV-Empfängern betrifft, legte das Jobcenter im vergangenen Jahr einen regelrechten Spurt hin und avancierte vom Schlusslicht zum Spitzenreiter in der brandenburgischen Landesstatistik.

Ausgesprochen verbirgt sich hinter dem Kürzel die Prignitzer Integrationsoffensive. „Wir haben unsere Vermittlungsarbeit neu strukturiert und das hat den Erfolg gebracht“, erklärt Puth. Im ersten Schritt wurden die rund 7800 Kunden des Jobcenters in zwei Gruppen eingeteilt. „Bei der einen gehen wir davon aus, dass wie sie binnen 24 Monaten auf den Arbeitsmarkt vermitteln können. Wir nennen sie marktnah.“ Bei der anderen Gruppe sei das unwahrscheinlich, sie müssten mittelfristig erst noch so weit qualifiziert werden, dass sie eine reelle Jobchance hätten. Im zweiten Schritt spezialisierten sich die Mitarbeiter auf die Betreuung dieser zwei Gruppen. Jede für sich stelle andere Anforderungen, setze spezielle Kenntnisse des Kundenbetreuers voraus.

Der Betreuung der marktnahen Kunden wurde intensiviert. „Berater und Kunde trafen sich wöchentlich, zum Teil sogar noch häufiger, auch Hausbesuche führten wir durch“, erklärt Puth. Parallel dazu erhöhte das Jobcenter die Zahl seiner Vermittler. Zwölf neue Stellen wurden geschaffen. All das habe im Vorfeld Zeit und Geld gekostet, nur der erhoffte Erfolg blieb zunächst aus. Bis zur Jahresmitte verschlechterte sich die Vermittlungsquote eher, statt zu steigen. Im Nachgang spricht Thomas Puth von schwierigen Startbedingungen. Das neue System musste sich einspielen, der strenge und lange Winter lähmte den Arbeitsmarkt. Aber ab Juli wurde der Erfolg messbar. „Wir wollten im Vergleich zum Vorjahr unsere Vermittlungsquote um 2,7 Prozent erhöhen. Am Jahresende erreichten wir 2,6 Prozent“, zeigt der Geschäftsführer die Statistik.

Im Landesvergleich hätten neben der Prignitz nur noch Barnim und Frankfurt (Oder) sich ähnlich gut verbessern können. Aber nur der Landkreis Prignitz habe es parallel dazu auch geschafft, die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu senken: Von 5928 auf 5655. „Mit diesen beiden Ergebnissen zusammen belegen wir in der Landesstatistik den ersten Platz, im Jahr zuvor waren wir das Schlusslicht“, sagt Puth.

Klar klingen die absoluten Zahlen ernüchternd: Wurden 2012 insgesamt 1787 Arbeitslose vermittelt, waren es im vergangenen Jahr 1826 und die Gesamtzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten reduzierte sich von 7777 auf 7572. Puth gibt aber zu bedenken, dass die Ausgangslage für die Prignitz nach wie vor schwierig sei. Die Zahl der offenen Stellen oder die wirtschaftliche Entwicklung würden von vornherein nur kleine Spielräume ermöglichen. Um so erstaunlicher sei es, dass die Prignitz im Vergleich zu besser aufgestellten Landkreisen mehr Menschen in Arbeit bringen konnte.

Dabei scheut das Jobcenter auch keine ungewöhnlichen Maßnahmen. Wenn Arbeitslose ziemlich gute Jobaussichten haben oder gar konkrete Stellenangebote für sie vorliegen, werden letzte Hemmnisse aus dem Weg geräumt. „Wir finanzieren den Führerschein, damit sie mobil sind“, nennt Puth ein Beispiel. Im vergangenen Jahr war das rund 150 Mal der Fall. In ähnlicher hoher Anzahl wurde der Kauf eines gebrauchten Autos unterstützt, teilweise durch ein Darlehen, zum Teil gab es eine Komplettfinanzierung. Puth spricht in diesen Fällen von „gut investiertem Geld“. Das sei allemal besser angelegt, als Arbeitslosen wiederholt ein Bewerbungstraining zu bezahlen. Von solchen und ähnlichen Maßnahmen habe sich das Jobcenter fast vollständig verabschiedet.

Für dieses Jahr blickt Thomas Puth ähnlich optimistisch voraus, strebt vergleichbare Vermittlungszahlen an. Arbeitgeber werden direkt angesprochen, Möglichkeiten einer Stellenbesetzung oder das Schaffen neuer Stellen erörtert. Wenn machbar, werden Interessen von Betrieben gebündelt und das Jobcenter finanziert eine spezielle Weiterbildung.

Zum Beispiel für Kraftfahrer hat es das gegeben, sozusagen auf Bestellung der Unternehmen, erklärt Puth. Bei der Finanzierung solcher Weiterbildungen achte das Jobcenter aber auf das Lohnniveau in den Betrieben, die die Arbeitslosen nach der Qualifikation einstellen. „Wir orientieren uns am Mindestlohn“, sagt Puth. Wer deutlich darunter liege, habe keine Chance, dass das Jobcenter auf seine Kosten den künftigen Mitarbeiter qualifiziere. „Im vergangenen Jahr lag unsere Schmerzgrenze bei 7,50 Euro.“

Persönlich würde Thomas Puth sich freuen, wenn die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, also der Familien mit Hartz IV-Bezügen, konstant unter die 6000 rutscht – so wenig wie noch nie. Aktuell gibt es 6004 Bedarfsgemeinschaften


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erstellt am 31.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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