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Tierpark Perleberg : Vom Schaf auf den Bär gekommen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Einst der Jüngste, heute der Dienstälteste: Karsten Künstler arbeitet seit 25 Jahren im Tierpark

von
erstellt am 02.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Als Karsten Künstler 1990, damals 20-jährig, im Tierpark begann, war er der Jüngste in der Regie der Mitarbeiter. Mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit ist er heute der dienstälteste im Team. Gelernt hat der gebürtige Wittenberger, der in Bad Wilsnack aufwuchs, in Perleberg wohnte und nun in Kletzke gebaut hat, eigentlich Schäfer. Er sei ein Naturbursche, mit den Tieren bei Wind und Wetter unterwegs, das hatte schon ein wenig von Abenteuer. Mit dem Moped ging es nach Quitzöbel und mit den Schafen auf den Deich. In Tracht habe er gehütet, „das gehörte einfach dazu“, erzählt er. Doch außer einpaar Touristen gab es nur die Schafe.

Mit der Wende war es mit dem Hüten zu Ende. Karsten Künstler bewarb sich im Tierpark und von den Schafen kam er geradewegs zu den Braunbären. „Als ich das erste Mal deren Unterkunft sauber machte und die Bärin in voller Größe am Gitter sich aufbäumte, bin ich automatisch drei Schritte zurückgegangen“, gesteht er lächelnd. Inzwischen sind die Braunbären längst seine heimlichen Lieblinge, obwohl „jedes Tier etwas hat, was einen fasziniert“.

Die Bärin ist mit ihren 39 Jahren das älteste Tier im Tierpark, sie habe ihn all die Jahre begleitet. „Ich habe ihre Jungen Ben und Biene im Arm gehalten, miterlebt, wie Familie Petz in ihr neues tolles Gehege umzog.“ Aus Schwerin kam eigens ein Tierarzt, der sie narkotisierte. „Mittels Trage haben wir sie auf den Pick Up gehievt, und dann ging es ab in die neue Behausung.“

Erst wurde diese beäugt, ganz vorsichtig ausgekundschaftet, was das da war im großen Bassin, und dann eroberte Meister Petz das Areal. „Man konnte förmlich sehen, wie wohl sich die Bären hier fühlen“, erinnert sich der gelernte Tierpfleger. Übrigens, für diese Berufsbezeichnung drückte er nochmals die Schulbank.

Braunbären, Luchse, Wölfe, Füchse – das waren vor allem seinen Schützlinge. Auf sie hatte er ein Auge, fütterte sie, mistete Ställe und Gehege aus.

Fütterung mit Schubkarre und Bollerwagen

Mit Schubkarre und Bollerwagen wurde das Futter verteilt, das Laub im Tierpark mit Pferd und Wagen abgefahren – heute kaum noch vorstellbar und schon gar nicht mehr machbar, denn der Tierbestand sei um einiges größer.

Doch solide Handarbeit ist immer noch angesagt, vor allem wenn die Gehege und Volieren gereinigt werden. Dabei fallen immer auch ein paar Streicheleinheiten zusätzlich ab, natürlich nur dort, wo es sich die Vierbeiner auch gefallen lassen. „Bären sind nun mal keine Kuscheltiere“, wer, wenn nicht Karsten Künstler, weiß das am Besten. Doch auch die kennen ihre Tierpfleger, wissen, dass es was Leckeres gibt, wenn eine Tüte raschelt oder der Multicar mit dem Futter sich nähert.

Aber nicht nur Bären haben immer Appetit. „Wir hatten einen Hengst, der war so verfressen, dass ihn immer einer am Halfter festhalten musste, sonst wäre er samt Wagen zur Futterkrippe durchmarschiert.“

Mit Pferden, vor allem den kleinen, hat der 45-Jährige so seine ganz besonderen Erfahrungen gemacht. „Wir hatten Ponys. Die wurden damals in das Gehege, das heute die Trampeltiere bewohnen, rausgelassen. Dabei fiel die Absperrstange herunter, die Tiere erschraken sich, machten los zur Straße und dann Richtung Perleberg. Und ich ganz allein, Handys waren noch die Ausnahme.“

Ein beherzter Autofahrer stoppte die Ponys. Die machten kehrt und liefen geradewegs zurück in ihren Stall. „Ich war schweißgebadet, habe die Tiere schon im Neubau laufen sehen“, plaudert Karsten Künstler aus dem Nähkästchen.

Ja, er liebe seinen Beruf, würde ihn immer wieder ergreifen, trotz Arbeit an Wochenenden und Feiertagen. „Das gehört dazu, die Tiere wollen versorgt werden. Als Schäfer kannte ich das schon.“ Doch nicht nur die Tiere begeistern ihn, auch das Team sei in Ordnung. „Ich gehe jeden Tag gern zur Arbeit.“

Die hält immer etwas Neues parat, kein Tag sei wie der andere. Denn immer müsse auch gebaut, repariert oder anderweitig gewerkelt werden. „Irgendwie ist man auch richtig stolz auf das, was wieder neu entstanden ist und gespannt auf alles, was noch werden soll.“ Denn den Tierpark immer noch ein Stück attraktiver zu machen, das sei schon eine Frage der Berufsehre. Das sehen übrigens alle Tierparks und Zoos so und so gebe es auch kein Konkurrenzdenken, jeder hilft dem anderen, macht aus seinen Erfahrungen kein Geheimnis. Insbesondere der kostenlose Tiertausch sei eine tolle Sache. „So sind wir zu Erdmännchen und den Dingos gekommen.“  

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