Flüchtlinge : Vom Rosenbeet auf die Schulbank

Seit Mai hilft Mubaring (2. v.l.) dem Stadtbetriebshof bei der Grünpflege, nachmittags lernt er Deutsch.
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Seit Mai hilft Mubaring (2. v.l.) dem Stadtbetriebshof bei der Grünpflege, nachmittags lernt er Deutsch.

Asylbewerber gemeinnützig bei der Stadt beschäftigt, morgens sind sie in der Grünpflege anschließend sitzen sie im Deutschkurs

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26. Juni 2016, 10:00 Uhr

Mubaring ist 25 Jahre jung und kommt aus Somalia. Seit dem 1. Mai arbeitet er gemeinnützig im Betriebshof, hilft das Grün im Stadtbereich von Unkraut zu befreien. Sieben waren sie mal, die anderen kamen aus Syrien, Kamerun, Afghanistan und der russischen Förderation. „Jetzt sind wir nur noch drei“, und Mubaring zeigt drei Finger. „Die beiden Syrier sind inzwischen verzogen, der junge Mann aus Kamerun hat eine Ausbildung begonnen“, fügt Birgit Rinder, Leiterin Grünanlagen beim Stadtbetriebshof, an. Und ihr Chef, Reinhard Könning, ergänzt sogleich, dass man händeringend und gern neue Asylbewerber nehmen würde. „Wir haben bis dato nur positive Erfahrungen mit ihnen gemacht. Sie sind fleißig und leisten wirklich eine gute Arbeit“, bestätigt der Stadtbetriebshofleiter. Und er verhehlt nicht, dass das Unkraut in den Rabatten und Grünanlagen in der Stadt ihnen sprichwörtlich über den Kopf wächst, „wir alleine nicht mehr dem Herr werden“. Denn Jahr für Jahr seien neue Bepflanzungen im Stadtbild hinzugekommen und die wollen gepflegt sein.

Für den 25-jährigen Somalier keine Frage, er möchte gebraucht werden, eine Aufgabe haben. „Den ganzen Tag zuhause und nichts Tun, das will ich nicht“, sagt er in einem relativ guten Deutsch. Als er vor einigen Monaten nach Deutschland kam, konnte er keinen Brocken. Beseelt von dem Wunsch, sich und seiner kleinen Familie, er hat einen zehn Monate alten Sohn und wohnt mit seiner Frau in Perleberg, hier eine lebenswerte Zukunft aufzubauen, greift er nach jeden Strohhalm, der sich ihm bietet. Einen Beruf habe er nicht gelernt, in Somalia fuhr er ein kleines Taxi oder transportierte mit Eseln Lasten. Am liebsten möchte er Polizist werden. Klar, dass er da zu allererst die Sprache seines jetzigen Zuhause sprechen muss. Birgit Rinder und ihre Kollegen helfen ihm dabei. „Er unterstützt uns in der Grünpflege und wir helfen ihm, unsere Sprache zu erlernen“, so die Leiterin Grünanlagen, die sich inzwischen richtig gut mit ihren Schützlingen unterhält, vielfach schon eine Art Dolmetscherrolle übernimmt.

Unkraut jäten – schwer sei die Arbeit nicht, es gebe nur sehr viel davon, gesteht Mubaring lächelnd. Und während seinen deutschen Kollegen bei den jetzigen Temperaturen der Schweiß nur so den Körper runter rinnt, machen diese ihm nichts aus. „Wir haben jetzt Afrika in Deutschland.“

Die Woche über von 7.30 bis 12.30 Uhr geht es für die Asylbewerber zur Arbeit in die Rabatten und Grünanlagen der Stadt. Vom Landkreis erhalten sie dafür 1,05 Euro pro Stunde. Anschließend wird im Gymnasium die Schulbank gedrückt, anderthalb Stunden Deutsch gelernt. Seit Oktober vergangenen Jahres hat Thomas Kara die Lehrerrolle ehrenhalber übernommen. Vormittags arbeitet er in einer Anwaltkanzlei, ab Mittag steht er vor seinen Schüler.

Warum tut er das? Um Menschen, die hier Asyl beantragen, Hoffnung zu geben. Denn so lange ihr Verfahren laufe, dürfen sie nichts machen. Aber niemand könne ihnen verbieten, selbstständig Deutsch zu lernen. „Auch für mich ist das eine Bereicherung, ich lernen die unterschiedlichsten Menschen und Schicksale kennen. Jeder, der den andere respektiert, der ist in meinem Deutschkurs willkommen.“  

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