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Hilferuf aus Dresden : Vom legendären Triebwagen zur Laube

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wer weiß etwas über Relikte des von Franz Kruckenberg entwickelten SVT 137 155? / Bitte in Kleingärten gucken

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Zeugnisse eines wichtigen Stückes Eisenbahngeschichte finden sich noch heute in Kleingärten von Wittenberge und der Umgebung. Was derzeit als Garage, Gartenlaube, Geräteschuppen oder Stall dient, war einst Originalbauteil des legendären Schnelltriebwagens SVT 137 155, entwickelt von dem bekannten Ingenieur Franz Kruckenberg.

Wegen genau dieses legendären Schienenfahrzeuges bitten Mitstreiter des Verkehrsmuseums in Dresden Prignitzer um Mithilfe. Die ganze Geschichte erzählte der Wittenberger Mario Sembritzki dem „Prignitzer“. Er sagt: „Der Schnelltriebwagen SVT 137 155 ist etwas ganz Besonderes.“ Dazu müsse man wissen, so Sembritzki – er befasst sich sehr intensiv mit Eisenbahngeschichte –, dass der SVT 137 155 nur einmal existierte, also ein Einzelstück war. 1938 begannen die Testfahrten auf der Strecke Berlin – Hamburg. Laut Wikipedia erreichte der Kruckenberg-Schnelltriebwagen, wie er auch genannt wurde, am 23. Juni 1939 eine neue Rekordgeschwindigkeit von 215 Kilometern pro Stunde. Da es während der Erprobungsphase zu Achsschäden kam, wurde der rund 100 Meter lange Triebwagen auf dem Gelände des Raw Wittenberge abgestellt. Sembritzki erzählt: „Während des Krieges kam der SVT nicht mehr zum Einsatz. Die Motoren wurden ausgebaut und als Ersatz für andere Fahrzeuge verwendet. Bis zu seiner offiziellen Verschrottung 1967 blieb das Fahrzeug mit einigen kurzen Unterbrechungen hier in Wittenberge. Ein Antriebsdrehgestell und ein Getriebe wurden dann der Verkehrshochschule in Dresden zur Verfügung gestellt. Im Laufe der Jahrzehnte gerieten die hier verbliebenen Teile in Vergessenheit.“

Das habe sich aber ab 1988 geändert. Eisenbahnfreunde erkannten den Wert, den auch noch der Restbestand des Triebwagens hatte und sorgten für seine Rettung. „Die Teile wurden für das Verkehrsmuseum Dresden aufgearbeitet und können dort heute betrachtet werden“, weiß Sembritzki. Aber die Geschichte geht noch weiter, denn die Kruckenberg-Freunde fanden jetzt nach weiteren Relikten des SVT in Wittenberge. Teile des SVT wurden von Werkangehörigen umgenutzt zu Garagen, Ställen für Kleinvieh oder als Laubenbestandteile, finden sich heute noch in Kleingärten. Sembritzki erinnert sich an einen Wagenkasten-Rest in einer Gartenparzelle. Er konnte mit privatem Geld erworben und nach Dresden gebracht werden. Und hier schließt sich der Kreis zur aktuellen Bitte der Kruckenberg-Freunde aus Dresden. Zur Erarbeitung einer Dokumentation werden historische Bilder vom Triebwagen oder aktuelle Aufnahmen von Relikten gesucht. Vielleicht taucht auch noch ein weiteres Originalteil des Schnelltriebwagen SVT 137 155 von Franz Kruckenberg in der Prignitz auf und kann die Ausstellung im Verkehrsmuseum Dresden ergänzen.

Der Triebwagen SVT 137 155

Der Triebwagen 137 155, auch Kruckenberg-Schnelltriebwagen genannt, war ein Triebzug der Deutschen Reichsbahn, der 1938 nach Entwürfen von Franz Kruckenberg zu Versuchszwecken gebaut wurde. Als Versuchsträger zeichnete er sich durch sein fortschrittliches Konzept und Design aus. Die Besonderheiten waren Leichtbauweise, Luftfederung und die wegweisende Leistungsübertragung mit Strömungsgetrieben, die Wasser als Übertragungsmedium nutzten.

Der dreiteilige Triebzug bestand aus zwei Maschinen- sowie einem Mittelwagen und hatte Jakobsdrehgestelle an den Wagenübergängen. Am 23. Juni 1939 erreichte der 137 155 bei einer Testfahrt auf der Strecke Hamburg–Berlin eine neue Rekordgeschwindigkeit von 215 km/h. Es kam in der Erprobungsphase zu Brüchen der Treibradsatzwellen und infolge des Kriegsbeginns zu keinem weiteren Einsatz.

Nach 1945 verblieb das Fahrzeug im Schadwagenpark der Reichsbahn (DR) in der sowjetisch besetzten Zone. Dort wurde er 1958 ausgemustert und 1967 im Raw Wittenberge verschrottet. Ein Trieb-Drehgestell mit dem originalen Strömungsgetriebe konnte durch das Verkehrsmuseum Dresden vor der Verschrottung bewahrt werden. Bis Anfang der 1990er Jahre auf einem Abstellgleis im Dresdner Industriegelände im Freien hinterstellt, kann dieses nunmehr zusammen mit einem originalen Maybach-Motor GO6 im Verkehrsmuseum Dresden besichtigt werden.

Das Konzept der Motoranordnung an beiden Zugenden und den dahinterliegenden hochgesetzten Führerständen war maßgebend für die DB-Baureihe VT 11.5, welche in den 1950er Jahren gebaut wurde. Auch die DR-Baureihe VT 18.16 wurde nach dem gleichen Antriebskonzept erstellt. (Quelle: Wikipedia)

Wer war Franz Kruckenberg?

Franz Friedrich Kruckenberg (* 21. August 1882 in Uetersen; † 19. Juni 1965 in Heidelberg) war ein deutscher Maschinenbau-Ingenieur und Eisenbahn-Konstrukteur. Er war ein Pionier des Schnellverkehrs auf der Schiene; zu seinen Werken gehört der 1931 vorgeführte propellergetriebene Schienenzeppelin.

Kruckenberg entstammt einer alten Hamburger Kaufmannsfamilie. Als diplomierter Schiffbauingenieur konstruierte er bereits vor dem Ersten Weltkrieg Kampfflugzeuge und Luftschiffe. Bereits zu diesem Zeitpunkt kritisierte er die Luftschiffe wegen ihrer explosiven Gasfüllung und die zivilwirtschaftliche Verwendung von Flugzeugen wegen ihrer hohen Betriebskosten.

Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnete Franz Kruckenberg ein Ingenieurbüro in Heidelberg. Zunächst entwarf er eine Art Hänge-Schwebebahn, konnte aber nicht das Kapital für einen Prototyp aufbringen. Später gründete er mit Hermann Föttinger die Flugbahn-Gesellschaft mbH zum Bau des „Schienenzeppelins“ mit Propellerantrieb. Die ersten Testfahrten wurden am 25. September 1930 auf der Bahnstrecke Kreiensen–Altenbeken durchgeführt.

Am 21. Juni 1931 hatte das von ihm konstruierte Schienenfahrzeug seine Jungfernfahrt auf der Berlin-Hamburger Bahnstrecke zwischen Ludwigslust und Wittenberge. Dieser Schienentriebwagen war ein zweiachsiger aerodynamischer Wagen in Leichtbauweise mit Luftschraubenantrieb. Bei dieser Fahrt stellte das Fahrzeug mit 230,2 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf.

Mit dem Schienenzeppelin entwickelte der Ingenieur ein für die damalige Zeit revolutionäres Fahrzeug. Seine Idee des strömungsgünstigen Profils beeinflusst bis heute die Bauweise von Schnelltriebwagen.

Nach dem Schienenzeppelin entwickelte Kruckenberg den ebenfalls wegweisenden SVT 137 155. Dieser Prototyp eines dreiteiligen Triebzuges zeichnete sich durch einen Triebkopf und einen diesel-hydraulischen Antrieb aus. Bei einer Versuchsfahrt am 23. Juni 1939 erreichte der Zug auf der Strecke Hamburg–Berlin einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 215 km/h. Die Konstruktion führte nach dem Krieg zu den Baureihen DB-Baureihe VT 10 („Senator“ und „Komet“), DB-Baureihe VT 11 („TEE“) und in der DDR zur DR-Baureihe VT 18. (Quelle: Wikipedia)




 
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