Vollgepumpt mit Alkohol und Drogen Freundin lebensgefährlich verletzt

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29. September 2011, 07:21 Uhr

Neuruppin | Der Fall: Weil er seine Freundin Michaela O. mehrfach misshandelt hat und sie dabei einmal lebensgefährlich verletzte, wurde Marcel K. gestern vor dem Landgericht Neuruppin zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Wie seine damalige Freundin Michaela O. am 14. Mai zu den Rippenserienbrüchen kam, konnte sich der Angeklagte nur so erklären: Er sei nach einer, zugegebenermaßen körperlichen Auseinandersetzung über ihren Fuß gestolpert und auf sie gefallen - versehentlich. "Das ist eine lächerliche Erklärung", sagte Staatsanwalt Kai Clement. Auch die erste große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin nahm Marcel K. diese Version nicht ab. Sie verurteilte ihn unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren. Strafmildernd werteten die Richter, dass Marcel K. zur Tatzeit vermindert schuldfähig war. Der 31-Jährige war vollgepumpt mit Alkohol und Drogen. Das Gericht ordnete seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Außerdem muss Marcel K. an Michaela O. ein Schmerzensgeld von 20 000 Euro zahlen.

Für die Richter stand fest, dass es häufiger zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen beiden in der Vergangenheit gekommen war.

Sowohl Marcel K. als auch Michaela O. haben Drogen- und Alkoholprobleme. Unter deren Einfluss kam es dann zu tätlichen Übergriffen, so im Dezember vergangenen Jahres im Obdachlosenheim in Wittenberge. Dort traktierte der Angeklagte die junge Frau mit Tritten. Nachdem er einige Monate Untersuchungshaft abgesessen hatte, waren die beiden wieder zusammen. Auch am 8. Mai schlug und trat er die Freundin: Sie hatte versucht, die Wohnung gegen seinen Willen zu verlassen. Durch die Fußtritte könnten laut Aussage des Rechtsmediziners Johannes Neumann die festgestellten Brüche an den Lendenwirbelkörpern entstanden sein.

Doch immer wieder verzieh Michaela O. dem Angeklagten und kehrte zu ihm zurück - bis zum 14. Mai. In jener Nacht rastete Marcel K. so aus, dass er sie mit Schlägen und Tritten lebensgefährlich verletzte. Grund: Sie hatte ihre Tasche verbummelt.

Anders als die Staatsanwaltschaft sah das Gericht bei Marcel K. keinen versuchten Tötungsvorsatz. Marcel O. hatte zu dem Wohnungsinhaber, bei dem das Paar untergekommen war, nach der Tat gesagt: "Frag du sie nach der Tasche. Ich weiß sonst nicht, was ich tue." Das wertete das Gericht als Beweis dafür, dass er nicht wollte, dass Michaela O. noch mehr passiere. Betrachte man sein Vorstrafenregister, seien die Körperverletzungen typisch für den Angeklagten. "Sie hatten noch nie eine besondere Hemmung, anderen etwas anzutun", sagte Richter Gert Wegner.

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