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Winterverkauf in der Prignitz : Volle Kleiderstangen, leere Kassen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Winterverkauf bei Prignitzer Textilläden läuft schleppend – Onlinehandel erschwert das Geschäft

von
erstellt am 04.Feb.2015 | 08:00 Uhr

„Das ist der schlechteste Abverkauf, den ich je hatte. Es macht sich bemerkbar, dass dieses Jahr der Winter lange ausblieb“, moniert Gudrun Hirsekorn, Inhaberin des Kleidungsgeschäfts „Mode Express No 1“ in Wittenberge. Die Regale und Bügel im Laden sind noch immer voll mit warmer Kleidung: dicke Jacken, Pullover, Schals und Westen. Im hinteren Teil des Geschäfts hängt bereits die Frühjahrsmode und wartet darauf, bald in die Schaufenster zu kommen.

„Wir haben viele Teile der Wintermode um bis zu 70 Prozent reduziert. Darunter auch einige dicke Jacken. Die Angebote laufen noch bis Ende Februar“, sagt Hirsekorn. Milde Temperaturen, kaum Schnee – wie auch der Mode Express blieben viele Bekleidungsgeschäfte in der Prignitz diese Saison bisher auf ihrer Ware sitzen. „Das Wetter hat uns das Wintergeschäft nicht verhagelt oder verschneit, sondern viel mehr versonnt“, meint auch Günter Päts, Stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverband Berlin-Brandenburg. „Der Verkauf ist vom Wetter sehr, sehr stark abhängig. Wenn es keinen richtigen Winter gibt, bleibt man auf den Wolljacken sitzen.“

Dabei sehe die Bilanz für die zurückliegende Saison in Deutschland ganz gut aus. Der Umsatz hätte während des Weihnachtsgeschäfts sogar um 1,1 Prozent auf 85 Milliarden Euro zugelegt, teilte der Branchenverband HDE in Berlin mit. „Diese Zahlen gelten vielleicht für große Geschäfte wie Galerie Kaufhof, H&M oder Karstädt“, meint Päts. „Doch im Facheinzelhandel ist das Geschäft maximal wie vorheriges Jahr oder leicht darunter gelaufen.“ Das würden erste Abfragen in Neuruppin und Potsdam bestätigen. Genaue Zahlen zum Wintergeschäft liegen jedoch noch nicht vor. Doch vor allem vor Weihnachten hätte sich das zu gute Wetter bemerkbar gemacht: „Normalerweise gehören Waren aus dem modischen Textilbereich zu den vielverkauften Geschenken. Doch der Bedarf war einfach nicht da“, schildert Päts. Dafür wären viele Gutscheine verkauft wurden. Doch das Geld wäre ja bereits in den Kassen. „Die Ware ist schon stark reduziert. Das heißt, die Gutscheine, die jetzt eingelöst werden, haben automatisch einen höheren Wert.“

Der Handel ist überhaupt nicht mehr planbar, meint auch Sibylle Rosenfeld von der Boutique Papillion in Perleberg. „Wenn ich nur nach den Zahlen gehe, habe ich im Vergleich zur Saison 2013/14 keinen Verlust. Aber die Leute kaufen weniger, dafür jedoch hochwertiger“, schätzt die Verkäuferin. Das Kaufverhalten könnte sie nur noch schwer abschätzen: „Wir können nicht mehr risikobereit einkaufen und müssen bei den Bestellungen sehr vorsichtig sein.“ Im schlimmsten Fall bliebe man auf der Ware sitzen. „Der Handel ist im Wandel. Wir haben es ja prognostiziert, aber dass es so schnell kommt, damit haben die meisten nicht gerechnet.“

Päts sieht die Probleme nicht nur im schlechten Winter, sondern auch im Online-Handel: „Das Geschäft über das Internet hat sehr stark zugenommen. Etwa 20 Prozent machen inzwischen der Online-Verkauf in den Saisonbranchen aus.“ In diesem Jahr soll er noch einmal um zwölf Prozent steigen. Online einkaufen ist bequem. Die Wohnung müsse man nicht einmal verlassen. Die Post bringt einem die Bestellung direkt bis zur Haustür.

Diese Konkurrenz sieht auch Simone Salewski. Die Inhaberin von „Simone Moden“ in Wittenberge kritisiert: „Die Problematik ist die: Je mehr online gekauft wird, umso mehr bleibt die Vielfalt in den Kleinstädten auf der Strecke. Die Bevölkerung wirtschaftet so gegen ihre eigenen Innenstädte.“ Auch bei Salewski lief die Wintersaison schleppend, brachte kaum Geld in die Kassen. Einige Teile hätte sie reduziert. Nun hofft sie auf den Frühling. „Ein weiteres Problem ist doch, dass die Leute lieber woanders einkaufen. Die Bahnsteige sind voll und die Geschäfte leer.“

Dabei locken die Modeläden in der Prignitz gerade jetzt mit saftigen Rabatten. Zwischen 30 und 70 Prozent könne man im Moment sparen. Das Einlagern von Mode koste Geld, außerdem bestehe die Gefahr, dass die aktuelle Mode nächstes Jahr nicht mehr gefällt. Der Druck ist groß, die Frühjahrskollektion ist bereits da. So auch bei Andrea Bauer vom Malibu in Perleberg. „Ich hoffe, dass wir die neue Kollektion bald nach vorne holen können. Mit dem Winterschlussverkauf haben wir früh begonnen, weil es so warm war.“

Veränderung ist gut, meint auch Günter Päts. „Die Modegeschäfte müssen neue Wege hinsichtlich des Services gehen.Sonst werden sie es in Zukunft schwer haben.“ Mehr Beratung ist seine Devise: „Kaufen kann der Kunde auch online. Geschäfte in der Prignitz sollten zum Beispiel eine Änderungsschneiderei dabei haben oder eine Typberatung anbieten. Damit müssen sie werben.“

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