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Der Prignitzer

19. November 2017 | 08:08 Uhr

Völlig wahnsinnig, kurz: VW

vom

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2013 | 12:02 Uhr

Wittenberge | Die Stimmung ist wie immer aufgeheizt, als der DJ am Show truck den Sexy Car Wash ankündigt. Was dann folgt, dürfte in der Geschichte des Wittenberger VW-Treffens einmalig sein: Die leichtbekleideten Damen kneifen aufgrund der Temperaturen. Kurze Verwirrung, schneller Ärger.

Doch dann tritt Jessica Steen auf den Plan. Die Kfz-Mechatronikerin aus Lübeck greift sich unter dem Jubel der Zuschauer Eimer und Schwamm, streift ihr Top in elegantem Schwung vom Körper und beginnt eine Show, die das Publikum in ungläubiges Staunen versetzt. Mit Akribie, Sinnlichkeit und reichlich Selbstironie schrubbt sie den blauen Polo und lässt step by step die Hüllen fallen, bis der Eimer leer ist und der DJ sie mit einem wilden Applaus und reich beschenkt entlässt.

Neue Location - bekanntes Konzept

Überhaupt ist auf dem 18. VW-Treffen einiges anders als gewohnt. Die neue Location am Delphinbad bietet weniger Platz, eine stark verkürzte Sprintstrecke lässt nur noch kurze Rennen zu. Trotzdem lassen laute Musik und wild bollernde Fun-Cars keinen Zweifel: Die VW- Jünger haben ihren Spaß.

Beim traditionellen Show & Shine-Contest geht es einmal mehr um ausgefallene Modifizierungen und detailverliebtes Tuning. "Es sind viele neue Fahrzeuge dabei, das Interesse an älteren Modellen scheint zurückzugehen", sagt Manuel Sliwinski von den Elbschraubern Hamburg, die für die Bewertung der Fahrzeuge zuständig sind. "Wir achten darauf, dass das ganze Design in sich stimmig ist. Einfach nur ein paar neue Spiegel und Rückleuchten anbauen kann jeder, aber sich richtig Gedanken um ein klares Konzept zu machen, da gehört schon was dazu."

Gedanken hat sich zum Beispiel Saskia Hartwig aus Rickert in Schleswig-Holstein gemacht, ihren Golf GTI mit dezenten Details verschönert und aus dem Motor rund 300 PS herausgekitzelt. "Es macht einfach großen Spaß, ein Auto individuell zu gestalten - vom Zierstreifen bis zum Kindersitz passt bei mir alles zusammen - auch wenn’s nicht gerade ein preiswertes Hobby ist", sagt sie.

Während auf der Showmeile poliert und bewertet wird, qualmen auf der Breeser Straße die Reifen. Im Sprint geht es um Hundertstelsekunden, auch wenn die kurze Strecke kein Vergleich ist zur ehemaligen Achtelmeile im Gewerbegebiet an der B 189. Außerdem sorgen Feuchtigkeit und Dreck für mangelnde Traktion, was die Fahrer auf der Strecke mit hektische Kurskorrekturen und auf der Rückfahrt ins Fahrerlager mit wilden Flüchen kommentieren.

Kritische Stimmen bei treuen Anhängern

Trotz der ausgelassenen Stimmung sind in diesem Jahr viele kritische Stimmen zu hören. "Ich bin inzwischen das siebente Mal hier auf dem Treffen und fand es früher schöner. Klar, das neue

Gelände ist nicht optimal, aber das sollte man eben durch ein besseres Programm kompensieren", sagt Chris Lischke aus Stendal während er seinen Polo poliert.

Marcus Kopp und seine Kumpels gehören inzwischen zum Inventar des VW-Treffens, reisen seit mehr als zehn Jahren immer schon am Mittwoch an und verfolgen die Entwicklung ebenfalls mit gemischten Gefühlen. "Einerseits gehört das Treffen in Wittenberge einfach dazu. Wir haben unseren Spaß, treffen Freunde und machen uns eine schöne Zeit. Andererseits hat es eigentlich nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun, und das ist schade." Sein Freund Marcus Hansen kritisiert die fehlende Sicherheit auf der Sprintstrecke. "Ich bin eigentlich immer mitgefahren, aber in diesem Jahr habe ich das sein lassen, weil mir das Risiko zu groß war. Allerdings hat der Veranstalter im Rahmen seiner Möglichkeiten gut improvisiert."

Veranstalter macht keine Zukunftsprognose

Uta Kessler von Wölk-Event betont, dass die neue Location eine Gratwanderung sei. "Es war die einzige Alternative, die wir mit Hilfe der Stadt finden konnten." Angesichts der in den letzten Jahren stabil gebliebenen Besucherzahlen von acht- bis zehntausend inklusive Tagesgästen sei es eine gute Wahl gewesen, wenngleich sich gewisse Einschränkungen nicht vermeiden ließen. "Die Achtelmeile gibt es so nicht mehr, und auch die Händlermeile ist sukzessive kleiner geworden, da es sich für die Verkäufer aufgrund massiver Internetkonkurrenz nicht mehr lohnt."

Ob das Treffen auf dem neuen Areal eine Zukunft hat, wollten die Veranstalter am Wochenende noch nicht kommentieren. Erst müsse man die Ergebnisse der Endabrechnung abwarten.

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