Regionale Wirtschaft : Visionen in Erfolg verwandelt

Mandy Pätzold beim Baumschnitt – ein Arbeitsschwerpunkt der Firma Erdmann. Fotos: Hanno taufenbach
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Mandy Pätzold beim Baumschnitt – ein Arbeitsschwerpunkt der Firma Erdmann. Fotos: Hanno taufenbach

Erdmanns starten ihre Firma aus der Arbeitslosigkeit heraus und Dirk Glaeser erfüllt sich einen Herzenswunsch

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18. März 2016, 09:53 Uhr

Es werde Licht! Das ist zwar nicht das offizielle Motto der Erdmann GmbH, aber trifft das Profil des Wittenberger Familienbetriebs, der gestern Abend als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet wurde.

52 Jahre alt und arbeitslos. Das wollte Gerhard Erdmann nicht akzeptieren. Am 1. Juni 1990 gründete er den Betrieb, startete mit zwei Mitarbeitern und übernahm die Wartung der Straßenbeleuchtung in der Stadt und den Elbdörfern. Deutsche Einheit, Währungsunion, kritische Auftragslage – es war ein schwierige Zeit, die der junge Betrieb meisterte.

Sommer 1991, Umzug in die neuen Firmenräume am Bentwischer, Weg, sukzessive moderne Technik und wertvolle Tipps eines Partners aus den alten Bundesländern halfen in dieser Zeit. Genau wie Ehefrau Inge Erdmann, die die Buchhaltung übernahm.

1991 stieg Sohn Ralf in die Firma ein, drei Jahre später folgte Bruder Bernd. Schon 1997 zählte der Betrieb mehr als 20 Mitarbeiter. Neben den Elektroarbeiten entwickelte sich der Garten- und Landschaftsbau zum zweiten Standbein des Unternehmens, das seit 1991 Lehrlinge ausbildet – darunter Schwiegertochter Grit Erdmann. Die Erdmann GmbH unterstützt die Elblandfestspiele und sorgt als Partner der Stadt für das richtige Licht auf dem Weihnachtsmarkt.

Wie aus einer Idee Wirklichkeit wird, hat der zweite Preisträger des Abends, Dirk Glaeser, bei der Sanierung des Bahnhofsgebäudes in Bad Wilsnack erfahren. Im Jahr 2014 wurde es nach knapp einjähriger Arbeit eingeweiht. „Mit unserem Konzept wollen wir ein Miteinander mit den anderen Touristikern im Ort“, betont Glaeser, der seit 1999 Geschäftsführer der Agrarproduktivgenossenschaft Abbendorf ist. Den gleichen Posten bekleidet er bei der Agrarproduktivgenossenschaft Legde, außerdem leitet er die Geschicke der Rühstädter Landschaftspflege GmbH.

Das Bahnhofsquartier ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Mir hat die Idee gefallen, den Standort im Zentrum Bad Wilsnacks neu zu beleben.“ Die Stadt sei auf ihn zugekommen, weil das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zu verkaufen war

Doch was hat ein Agrarunternehmer mit Immobiliensanierung zu tun? „Ich lebe in Bad Wilsnack und habe einen guten Kontakt zur Gemeinde und zum Amt. Eigentlich war geplant, einen Hofladen einzurichten. Dafür hatten wir aber nicht die passenden Produkte“, schildert Glaeser.

Letztlich wurden im Obergeschoss des Bahnhofs acht Ferienwohnungen mit 16 Betten eingerichtet. Im Erdgeschoss befinden sich die Stadtinfo und ein Bistro. „Dort haben wir mittlerweile Stammkunden. Wir bieten wechselnde Tagessuppen an und unseren Kuchen backen wir täglich selbst.

Außerdem können sich die Besucher regionale Produkte in einem Bereich des Bistros aussuchen – von Fleischwaren über Honig, Öl oder Biosäfte“, erzählt Glaeser, der auch Kreistagsmitglied ist. Wichtig war, bei der Planung des Nutzungskonzepts den prägenden Charakter des Gebäudes zu erhalten. „Ich denke, das ist gut gelungen. Reisende haben einen ersten Anlaufpunkt, wenn sie aus dem Zug steigen“, sagt Glaeser.

Im Bahnhofsquartier Bad Wilsnack arbeiten inzwischen drei Vollzeitkräfte im Service und zwei geringfügig Beschäftigte sind für die Reinigung zuständig. Ab Ostern soll es wieder Softeis geben. „Das ist eine kleine Nische für uns, die bei den Besuchern sehr beliebt ist. Es gibt ja keine Eisdiele mehr in Bad Wilsnack“, sagt Dirk Glaeser.

Rund 200 Gäste feierten gestern den Ball der Wirtschaft auf der Ölmühle in Wittenberge, unter ihnen Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Die NDR Showband Papermoon sorgte für den richtigen Sound und die Prignitzer Unternehmer zeigten, dass sie keinesfalls Tanzmuffel sind.

„Wir können auch feiern und genau darum geht es heute Abend“, sagte Lutz Lange als Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative Westprignitz, die den Ball gemeinsam mit der Volks- und Raiffeisenbank sowie dem Landkreis Prignitz veranstaltet.

 
 

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