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Der Prignitzer

20. Oktober 2017 | 23:27 Uhr

Vision vom autarken Energie-Rathaus

vom

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2012 | 06:17 Uhr

Prignitz | Eine kommunale Fahrzeugflotte betrieben mit Biostrom und Biogas. Kommunale Gebäude und Wohnungen, die sich energetisch autark versorgen. Eine Prignitz, die ihren Energiebedarf nahezu komplett aus erneuerbaren Energien deckt - eine Vision. Dass so etwas Realität werden kann, zeigt ein Beispiel in Schweden, das sich Mitarbeiter der Stadtverwaltungen von Perleberg und Wittenberge angeschaut haben.

Växjö gilt als "Die grünste Stadt Europas". Dieser Titel wurde ihr von der britischen BBC aufgrund der umfangreichen Maßnahmen der Kommune zum Schutz von Umwelt und Klima verliehen. Beispiel Biogas: "Das wird vorwiegend nicht zur Stromerzeugung, sondern als Treibstoff für kommunale Fahrzeuge eingesetzt", sagt Jan Schmidt, Projektmanager PEA "Public Energy Alternatives". Der Wachstumskern Perleberg-Wittenberge-Karstädt ist an PEA gemeinsam mit anderen europäischen Regionen beteiligt. Parallel zum Bio treibstoff gebe es eine Reihe von Elektroautos, ergänzt Schmidt.

Beeindruckend sei auch ein Null-Energie-Haus gewesen. Dabei handelt es sich um ein mehrstöckiges Hochhaus mit rund 40 Wohnungen, die alle vermietet seien. Die gesamte anfallende Restwärme werde genutzt, selbst die vom Kochen in der Küche. "Das findet man in Europa sehr selten", betont Jan Schmidt. Bisher erst einmal sei bei extremen Frost das Haus extern geheizt worden .

Weitere solcher Häuser seien in Planung. Zudem ließ die städtische Wohnungsbaugesellschaft in den vergangenen Jahren zahlreiche Passivhäuser errichten. Renaturierte Seen, umfangreiche Radwege und Freizeitmöglichkeiten an den Ufern gehören ebenfalls zu dem städtischen Konzept, das die Politiker seit den 70er Jahren konsequent und parteiübergreifend verfolgen. Bis 2030 will sich die Stadt komplett von fossilen Energieträgern unabhängig machen.

Diese Konstanz und dieses langfristige Arbeiten fehle in Deutschland, meint Eckhard Britt, der zweite PEA-Projektmanager. Finanziell seien Kommunen oft gar nicht in der Lage, Maßnahmen wie in Växjö umzusetzen. Die Stadt profitiere von ihren rund 70 000 Einwohnern, von einer Universität, die die Energiewende wissenschaftlich begleite. Einen Wittenberger Wohnungsbau, mit dem Ziel Energiehäuser zu schaffen, sehen daher weder Britt noch Schmidt mittelfristig.

Mit PEA könnten sie nur Ansätze liefern, Anregungen geben. Zum Beispiel den bisher nicht genutzten Klärschlamm zur Energieerzeugung einzusetzen. Auch das gebe es in Växjö. Oder die in Straßenlaternen eingesetzte Dimmtechnik, wie sie nach der PEA-Empfehlung in der Bahnstraße Wittenberge jetzt verwendet wird. Der Einspareffekt sei spürbar. Eckhard Britt ist überzeugt: "Energiemanagement macht sich mittelfristig bezahlt."

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