Jüdischer Geschichte auf der Spur : Viele wissen etwas über Markus Lang

Das Fachwerkhaus an der Pferdeschwemme gehörte einst zum Grundstück Am Hohen Ende 4, trägt heute aber andere Hausnummern. Hier wohnte Markus Lang.
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Das Fachwerkhaus an der Pferdeschwemme gehörte einst zum Grundstück Am Hohen Ende 4, trägt heute aber andere Hausnummern. Hier wohnte Markus Lang.

Nach unserem Aufruf im „Prignitzer“ bringen Zeitzeugen, ihre Nachfahren und ein Stadtgeschichtler Licht in eine Lebensgeschichte

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15. November 2014, 12:00 Uhr

„Wer weiß etwas über Justus Lang?“ fragten wir in einem Beitrag auf der Seite 8 des „Prignitzers“ am Mittwoch dieser Woche. Im Nachgang zum Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938 und zu unserem Bericht darüber am 11. November hatte unsere Leserin Bärbel Reißner den Namen ins Spiel gebracht und aus Erzählungen ihrer Mutter zitiert.

Wie sich in dieser Woche herausstellte, wissen noch viele Menschen etwas über den ehemaligen jüdischen Mitbürger, der allerdings nicht Justus, sondern Markus Lang hieß. Sogar Zeitzeugen meldeten sich, die die schlimmen Ereignisse aus dem November 1938 in Perleberg genau vor Augen hatten, sie im Kindesalter miterlebten und noch heute angsterfüllt davon erzählen. Zusammen mit anderen Juden sei Markus Lang in die Stepenitz gejagt, die mit einer Eisdecke überzogen war, und am Kopf verletzt worden, überlebte diese Hatz aber. Seine Wohnung wurde verwüstet. Am nächsten Tag wurde er in Wittenberge auf dem Bahnhofsgelände gesehen, außer Landes gebracht habe man ihn aber erst 1942, sagt die Nachfahrin eines Zeitzeugen. Im KZ Majdanek (Lublin) sollen Markus Lang und seine Frau ermordet worden sein.

Der Wittenberger Stadtgeschichtler Günter Rodegast konnte zahlreiche Fakten zum Leben von Markus Lang in Perleberg zusammentragen. Lang war Kaufmann und hatte auf dem Großen Markt ein Kurz- und Kleinwarengeschäft, später am Hohen Ende ein Geschäft für Damenwäsche. Am 9. November 1938 fand eine Großkundgebung auf dem Großen Markt statt, auf der der Ortsgruppenleiter der NSDAP die Menge aufforderte, Perleberg zur judenfreien Stadt zu machen. Es half Markus Lang nichts, dass er im ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden war …

Geboren wurde er am 6. August 1879 in Breitungen, das damals zum Herzogtum Sachsen Meiningen gehörte. Verheiratet war er mit Berta. Edmund Lang heißt der Sohn der beiden. Er soll in den USA gelebt haben oder eventuell auch noch leben, erhielt das elterliche Grundstück zurück, das inzwischen verkauft ist. Zum Zwecke des Hausverkaufs hielt er sich vor gut zehn Jahren für kurze Zeit in Perleberg auf. Details über Edmund Langs Familie sind nicht bekannt.

Markus Lang wurde am 14. April 1942 mit einem Transport von Magdeburg über Berlin und Potsdam nach Warschau deportiert. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ist er verewigt. Am 11. Juni 2009 wurde vor dem Haus am Hohen Ende 4 ein „Stolperstein“ im Gedenken an ihn verlegt.


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