Viele Mieter können Gebäudesanierung nicht bezahlen

Beim Klimaschutz müssen alle mithelfen, auch die Mieter. Gerade in Brandenburg könnten die Energiesparmaßnahmen aber teuer werden. Laut Mieterbund ist ein Großteil der märkischen Gebäude sanierungsreif. Foto: Armin Weigel dpa/lbn
Beim Klimaschutz müssen alle mithelfen, auch die Mieter. Gerade in Brandenburg könnten die Energiesparmaßnahmen aber teuer werden. Laut Mieterbund ist ein Großteil der märkischen Gebäude sanierungsreif. Foto: Armin Weigel dpa/lbn

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05. Juli 2012, 11:15 Uhr

Potsdam | Gut fürs Klima, schlecht für den Geldbeutel: Die flächendeckend angestrebten Energiesparmaßnahmen bei Wohnungen könnten viele Mieter in Brandenburg in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Ein Großteil der Gebäude in der Mark ist nach Angaben des Mieterbunds nämlich sanierungsreif: "Die letzte Modernisierungswelle war Anfang der 1990er Jahre, jetzt sind viele Anlagen wieder dran", sagte der Vorstand des Brandenburger Mieterbunds, Matthias Blunert.

Aus Klimaschutzgründen sei eine Modernisierung von Häusern und Wohnungen, etwa durch Wärmedämmung, zwar grundsätzlich notwendig und sinnvoll. "Die Kosten dürfen aber nicht größtenteils bei den Mietern hängen bleiben, sondern müssen solidarisch unter Vermieter, Mieter und öffentlicher Hand gedrittelt werden", forderte Blunert. Die energetische Gebäudesanierung ist ein wichtiger Baustein im Energiekonzept der schwarz-gelben Bundesregierung. Bis 2050 sollen alle 18 Millionen Gebäude in Deutschland so gedämmt sein, dass sie kaum noch Energie verbrauchen. Hausbesitzer fordern Änderungen im Mietrecht, etwa dass es während der Gebäudesanierungen keine Mietminderungen geben darf. Kritiker fürchten, dass die anstehende Reform des Mietrechts zu einer groß angelegten Beschneidung der Mieterrechte führen könnte.

Laut Mieterbund kommen viele Brandenburger schon jetzt an ihre finanzielle Belastungsgrenze, wenn ihre Wohnung energetisch saniert wird. "Nach geltendem Recht ist es möglich, bis zu elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umzulegen", sagte Verbandsvorstand Blunert. Bei Gesamtkosten von 20 000 Euro bedeutet das einen Aufschlag von über 180 Euro pro Monat. "Das ist für die meisten Menschen viel Geld."

Wenn der Vermieter Energiesparmaßnahmen ankündigt, sollten Mieter die Konditionen prüfen. "Nicht alle Maßnahmen sind auch duldungspflichtig", erklärte Blunert. So würden manche Vermieter die deutschlandweite Sanierungsoffensive ausnutzen, um fragwürdige "Luxussanierungen" oder konventionelle bauliche Veränderungen vorzunehmen. In Wittstock beispielsweise habe ein Vermieter neulich eine Familie mit dem "energetischen Vorhaben" konfrontiert, aus ihrer Vierzimmerwohnung zwei Zweizimmerwohnungen machen zu wollen, berichtete Blunert. "Das geht natürlich nicht."

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