zur Navigation springen
Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 14:29 Uhr

Verunsicherung in Prignitzer Küchen

vom

svz.de von
erstellt am 09.Jun.2011 | 07:53 Uhr

Prignitz | Die einen machen um Tomaten, Gurken und anderes Gemüse einen großen Bogen, andere trauen sich selbst an frisches Obst nicht mehr heran, wieder andere setzen auf Hygiene, wollen auf die frischen Vitamine nicht verzichten. Zwar ist die Sorge vor dem EHEC-Erreger groß, noch größer aber ist die Verunsicherung, denn nach wie vor ist nicht geklärt, woher er kommt und wie er übertragen wird.

Die vier Lebensmittelkontrolleure des Landkreises Prignitz beproben derzeit täglich gezielt Obst, Gemüse und auch Sprossen. Alle Ergebnisse bisher seien negativ, sprich es wurde nichts EHEC-Verdächtiges gefunden. Dennoch, so Christel Spenn, Sprecherin der Kreisverwaltung, sei erhöhte Achtsamkeit angesagt. Die Lebensmittelkontrolleure stünden nicht nur im ständigen Kontakt mit dem Landesamt für Umwelt und Gesundheit, sondern auch mit Gastronomen und Betreibern von Großküchen. "Sie erhalten ständig aktuelle Hinweise."

Doch was kocht jemand, der täglich Verantwortung für die Versorgung von Hunderten Menschen trägt, derzeit aber auf viele frische Vitamine verzichten muss? Dietmar Sauerland beispielsweise kocht täglich für Schüler und Lehrer des Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasiums. "Ich biete heute Gurkensalat an, und wer den nicht möchte, kann Butterbohnen essen", sagt er frei heraus. "Man hört nur Spekulationen, ich möchte da nicht mitspekulieren", erklärt Sauerland, warum

er auch die als derzeit vermeintlich "bedenkliche" Gemüseart zubereitet. Doch, so räumt er ein, habe er ihren Einsatz

auf dem Speiseplan stark reduziert, immer auch eine Alternative im Angebot,

damit jeder frei entscheiden könne.

Ähnlich handhabt es der Wittenberger Versorger Lucullus. "Wir haben zwar Risikoprodukte wie Tomaten, Gurken und Blattsalat vorerst weitgehend aus der Zubereitung für Frischwaren genommen", sagt Geschäftsführer Thomas Schneider. Für belegte Brötchen kämen stattdessen Alternativen wie frische Kräuter, Radieschen oder Bohnen zum Einsatz. "Allerdings bieten wir Salate sowohl für Partycatering als auch in unserer Kantine weiterhin an und weisen darauf hin, was drin ist. So können die Kunden selbst entscheiden, was sie essen wollen und was nicht." Rund zwei Drittel der Käufer seien jedoch skeptisch und verzichten. "Wirtschaftliche Konsequenzen hat das für uns aber derzeit nicht." Abschließend betont er, wie wichtig das Vertrauen auf langjährige Lieferanten sei. "Da sind wir sicher, was wir kaufen."

Wesentlich restriktiver geht das Bad Wilsnacker Unternehmen CuraTec, das vor allem Krankenhäuser, Kureinrichtungen und Altenpflegeheime mit Essen beliefert, mit der Situation um. "Mit Bekanntwerden der möglichen Quellen haben wir Gurken, Tomaten und Salat nicht mehr frisch, sondern nur noch aus Konserven für die Produktion unseres Essens verwendet", sagt Direktor Detlef Wachhalt. Gerade im Gesundheitsbereich, wo Menschen mit schwachem Immunsystem die Produkte essen, können wir kein Risiko eingehen."

Bislang gab es im Kreiskrankenhaus Prignitz erst eine Patientin mit Verdacht auf den hartnäckigen EHEC-Erreger, erklärt Professor Dr. Rolf Dein, Internist und leitender Chefarzt am Kreiskrankenhaus in Perleberg. Sie sei in ein Berliner Klinikum verlegt worden, der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt. Dennoch, so betont Professor Dein, habe das Kreiskrankenhaus "natürlich Stationsbereiche vorgesehen, in denen Zimmer isoliert werden können", wurden die Desinfektionsmaßnahmen noch einmal aktualisiert, stehe fest, in welche Krankenhäuser Patienten mit Plasmaaustausch oder intensivpflichtige Dialysepatienten verlegt würden. "Wir sind vorbereitet."

Nicht helfen konnte das Perleberger Kreiskrankenhaus aber, als von der Uni-Klinik Lübeck der Hilfefruf kam, "ob wir Intensiv-Schwestern abstellen könnten". "Denn die sind dort wirklich im Dauereinsatz." Doch aufgrund der eigenen Personalsituation sei das nicht möglich, so Professor Dein.

EHEC-Fall in der Prignitz

Potsdam In Brandenburg gibt es zwei weitere bestätigte Fälle der Darminfektion EHEC. Gestern sei ein Fall aus der Prignitz neu hinzugekommen, sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Alrun Kaune-Nüßlein. Keine Angaben wollte die Sprecherin zum Geschlecht und zum Alters des Patienten machen, woher der oder die Erkrankte stammt und wo die medizinische Versorgung erfolgt.
Bestätigt hat sich gestern ein Verdachtsfall aus Frankfurt (Oder). Damit gibt es den Angaben zufolge zehn bestätigte EHEC-Erkrankungen bei Brandenburgern. Hinzu kommen zwölf Verdachtsfälle. Bei vier Patienten bestehen Komplikationen durch das sogenannte Hämolytisch-Urämische Syndrom, das bei EHEC-Infektionen auftreten kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen