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Hochwassergefahr Bad Wilsnack : Versicherung kassiert ab

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Leser verärgert über stark erhöhten Beitrag: Versicherer spricht von einer Hochwassergefahr in Bad Wilsnack

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Unser Leser ist sauer auf seine Versicherung. Der 69-jährige Bad Wilsnacker, der namentlich nicht genannt werden möchte, traute seinen Augen nicht. Seine Gebäudeversicherung hatte den Jahresbeitrag fast verdoppelt, weil sein Haus im Haselhorstweg – mehrere hundert Meter von der Karthane entfernt – vom Hochwasser bedroht sei.

„Bisher haben wir um die 400 Euro im Jahr bezahlt. Jetzt sollen es 714 sein“, erzählt der Rentner. „Die Versicherung sagt, wir liegen in einem von Überschwemmungen gefährdeten Gebiet. Dabei waren wir bisher nicht betroffen“, so der Hausbesitzer. „Diese Erhöhung ist ärgerlich und mir fehlt eine nachvollziehbare Begründung in dem Schreiben.“ Der Brief stammte von der Huk-Coburg.

Als Berechnungsgrundlage für die Gebäudeversicherung hat sie das sogenannte „Zürs“ herangezogen. Das Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken stammt vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Darin werden Wohnregionen nach ihrer Gefährdungslage eingeteilt (siehe Kasten). So sehen Versicherer, welches Gebäude in welchem Ausmaß hochwassergefährdet ist.

Das Haus des Bad Wilsnackers rutschte von der Stufe eins in Stufe drei. Solche „Umzonierungen“ sind laut Thomas von Mallinckrodt, Sprecher der Huk-Coburg, nicht ungewöhnlich. „Dabei kann es auch zu Beitragserhöhungen von mehreren hundert Euro kommen. Im Übrigen sind wir immer dialogbereit.“ Dennoch komme der Betroffene nicht um eine Beitragserhöhung herum.

Die Gebühren für Gebäudeversicherungen seien in letzter Zeit generell gestiegen, sagt Monika Zander von Continentale Versicherungen aus Wittenberge. „Aber dass es gleich mehrere hundert Euro sind, ist schon ungewöhnlich.“ Sie rät, sich den Vertrag über Elementarschäden, zu denen auch Überschwemmungen gehören, genau anzusehen. „Die Beitragshöhe ist auch von der festgelegten Selbstbeteiligung abhängig“, so Zander. Auch bei der Continentale seien die entsprechenden Beiträge gestiegen. „Um wie viel, hängt vom Einzelfall ab. Eine pauschale Angabe kann ich nicht machen.“

Harald Schütt, Versicherungsmakler in Perleberg, rät Betroffenen zu einem Wechsel der Versicherung. Er sagt aber auch, dass die Versicherer seit Jahren mit ihren Beitragssätzen nicht mehr auskommen. „Gerade im Elementarschadensbereich sind die Kosten durch zunehmende Unwetter gestiegen.“

Doch wie gefährdet ist der mehrere hundert Meter von der Karthane entfernt liegende Haselhorstweg tatsächlich? „Bei einem Versagen oder Überströmen der Hochwasserschutzanlagen kann das Wohngebiet betroffen sein. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses ist sehr gering“, erklärt Diplom-Ingenieur Falko Dietsch von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises.

Gefahren durch ein Eigenhochwasser der Karthane seien fast auszuschließen. „Seit dem Bau des Schöpfwerkes Karthane Ende der 70er Jahre sind mir keine nennenswerten Ereignisse, in dessen Folge Flächen in der Karthaneniederung überflutet wurden, bekannt.“ Wenn Gefahr drohe, dann eher von der Elbe durch Rückstau, Deichbruch oder Überströmung.

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