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Der Prignitzer

23. November 2017 | 03:09 Uhr

Verseuchte Wiesen bedrohen Pferde

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svz.de von
erstellt am 01.Jul.2013 | 06:44 Uhr

Uenze/Weisen/Prignitz | Nachtwanderungen, Kutschenausflüge, Kuchen backen und vor allem viel reiten steht derzeit auf dem Programm des Ferienlagers des Reit- und Fahrvereins Uen ze e.V. mit Standort in Weisen. Doch dass es in diesem Jahr überhaupt durchgeführt werden kann, grenzt an ein Wunder - zu viel hat das Hochwasser zerstört. Und auch jetzt noch ist die Zukunft der gesamten Kinder- und Jugendarbeit durch die Flutnachwirkungen gefährdet.

Zwei Wochen lang dreht sich bei den zwölf pferdebegeisterten Kindern zwischen sechs und 13 Jahren alles ums Thema reiten. Von Pony bis Großpferd stehen ständig mehrere Vierbeiner parat, denen die Aufmerksamkeit gewidmet werden kann. Und hierbei ist es egal, ob man zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt oder bereits mehrjährige Erfahrungen mitbringt. "Tagesausflüge und Ausritte in den Wald gehören genauso dazu, wie das gemeinsame Zelten. Jedoch fällt das alljährliche Baden mit den Pferden in der Stepenitz leider aus, da es hier keinen Fluss in der Nähe gibt", erzählt Betreuerin Andrea Beetz, die damit gleich die Probleme der diesjährigen Reitferien anspricht. Denn nicht wie sonst in Weisen haben die Kinder ihre Zelte aufgeschlagen, sondern am Sportplatz in Uenze. Die Wassermassen haben die Teilnehmer dorthin vertrieben. Und nicht nur Auswirkungen auf das Camp hat die Flut. Auch die komplette Kinder- und Jugendarbeit, für die Andrea Beetz mit ihren Privatpferden und Plätzen größtenteils zuständig ist, steht und fällt mit den kommenden Monaten und den zurückbleibenden Flutschäden.

"Ganze Wiesen in Weisen, die sonst von den Pferden beweidet werden, sind überschwemmt. Sie liegen so tief, dass den ganzen Sommer keine Möglichkeit besteht, die Pferde dort mit Grün zu versorgen", verdeutlicht Beetz, die seit fast 20 Jahren eigene Pferde besitzt und im Verein als Kinder- und Jugendwart fungiert. In dieser Funktion gibt sie in der Woche auch Reitunterricht auf ihrem Hof in Weisen, zu dem auch ein Hindernisplatz gehört. Und genau hier offenbart sich die derzeitige Zwiespältigkeit. "Wenn ich die Pferde in Uenze lasse, fällt der Schulbetrieb in Weisen aus und damit auch das Futtergeld. Wenn ich sie jedoch in Weisen habe, muss ich das Futter bezahlen und sie oft transportieren", so Beetz, die in den vier Flutwochen bereits eine enorme Summe an Spritkosten aufwenden musste.

Bauern müssen individuell entscheiden

Doch steht die Reitlehrerin mit diesem Problem der vom Hochwasser geschädigten Böden nicht alleine da. Auch viele Nutztierhalter haben wohl mit den Folgen der Flut zu kämpfen. Zwar müsse man das von Fall zu Fall entscheiden, wie Kreisveterinärin Dr. Sabine Kramer zu berichten weiß und es käme immer auf die genaue Wasserart an, dennoch sei die Sorge nicht unbegründet. "Frischen Aufwuchs gibt es zwar im Moment nicht, aber jeder Tierhalter muss dann die Unbedenklichkeit für sich selbst sicherstellen, dabei können auch Berater helfen", erläutert Kramer.

Die belasteten Böden sind aber nicht das einzige Problem von Andrea Beetz. So sind derzeit zwei Pferde erkrankt, so dass diese Kosten und das teure Heu die Existenz über das Jahr hinaus bedrohen. Bisher hatte sich der Reitbetrieb weitestgehend selbst getragen. Jedoch ist bereits Rettung in Sicht. "Der Opa einer Reiterin wird mich mit einem Hängerzug voll Stroh unterstützten und auch das Dorf Uenze hilft, wo es kann", berichtet Andrea Beetz stolz. Sieben Hektar Wiese, die gemäht werden können, wurden ihr zur Verfügung gestellt und auch für das Sensen fanden sich Helfer. So bleiben nur die Transportkosten. Ein zumutbarer Aufwand also, um auch in Zukunft ,das Glück der Erde’ in Weisen zu erhalten.

Und dass es weitergehen wird, daran lässt Andrea Beetz erst gar keine Zweifel aufkommen. "Irgendwie wird es schon werden. Wir wissen zwar noch nicht, ob es reicht, aber es wird immer neue Optionen geben", blickt die Pferdenärrin zuversichtlich voraus. Denn die einfache Variante, sich auch nur von einem Pferd zu trennen und damit Kosten zu sparen, wäre für sie nur schwer zu ertragen. Und irgendwie glaubt man ihr auch, dass dieser Fall nie eintreten wird, wenn sie sagt: "Ich denke, wir schaffen das. Irgendwie haben wir es bisher ja auch immer geschafft."

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