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Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 11:04 Uhr

Vereine bangen um ihre Existenz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Weidencamp droht das Aus, weil Zahl der geförderten Arbeitsmaßnahmen sinkt / Gespräche gibt es, aber Hoffnung ist gering

von
erstellt am 03.Sep.2014 | 11:14 Uhr

Dem Verein „Weidencamp“ in Pritzwalk geht es wirtschaftlich schlecht. „Wir gehen davon aus, dass wir zum 31. Januar das Licht ausschalten müssen“, sagt Heike Gehrke, stellvertretende Vereinsvorsitzende. Der Weidencamp hat sich nach seiner Gründung 1996 vor allem um Langzeitarbeitslose bemüht und zahlreiche ABM-Stellen und Eineurojobs geschaffen. Zu seinen Projekten gehört unter anderem das Grüne Klassenzimmer.

„Wir können die Angebote nicht aufrechterhalten“, sagt Heike Gehrke. Grund seien die zu geringen Sachkostenzuschüsse durch das Jobcenter Prignitz, die der Verein für Miete, Verwaltung oder Kosten für die Berufsgenossenschaft benötigt. „In guten Zeiten hatten wir mehr als 100 Menschen beschäftigt. Heute sind es 45“, sagt Gehrke. Der Verein setzt auf Natur und Naturprodukte. Schafwolle wird verarbeitet. Auch mit Weiden und Papier wird gearbeitet.

In ihrer Not schrieben sie gar an die Bundeskanzlerin. Antwort kam aus dem Bundesarbeitsministerium von Andrea Nahles (SPD). Zusammengefasst heißt es: Jobcenter sind nicht für die Erhaltung der Träger, sondern für die Betreuung der Langzeitarbeitslosen zuständig. Für Heike Gehrke und die Betroffenen eine unbefriedigende Antwort.

Birgit Höhne (54) sagt: „Für uns ältere Frauen gibt es keinen Platz mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt. Wir sind froh, dass wir hier eine kleine Beschäftigung haben, unter Leuten sind, ein wenig dazuverdienen.“ Ihre Kollegin Marion Sommer sitzt am Spinnrad und ergänzt: „Uns macht es Spaß.“ Aber was aus ihnen werde, interessierte die Behörden offensichtlich nicht.

Nicht nur das Weidencamp kämpft ums Überleben. Auch der Verein Natur- und Landschaftsschutz in Streckenthin, der das Druckereimuseum unterhält, geht es ähnlich. Die Sachkostenzuschüsse reichen für das Nötigste. Unter anderem kann eine Stelle finanziert werden, die sich um die Maßnahmen kümmert. Eine zweite geförderte Stelle läuft zum Jahresende aus. Schon jetzt sei der Verein auf ehrenamtliche Mitarbeit seiner Mitglieder angewiesen, heißt es aus den Reihen des Vorstands.

Etwas besser geht es der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die im Pritzwalker Hainholz unter anderem die Waldschule und eine Aufzuchtstation für Rauhfußhühner betreibt. „Wir leben vom Ersparten, beschäftigen noch 19 Mitarbeiter im zweiten Arbeitsmarkt. Anleiter, Betreuer und Nebenkosten können wir nicht decken“, sagt Geschäftsführer Ingo Sonnenberg. „Wir werden wohl die Angebote der Umweltbildung einstellen müssen“, sagt Sonnenberg. Das dürfte Kitas und Schulen treffen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Regionalverband Prignitz, stehe mit ihren 80 Mitgliedern aber nicht vor dem Aus.

Mitte September wollen sich die Vereine mit Bürgermeister, Landkreis und Jobcenter treffen. „Wir werden miteinander reden, welche Lösungen wir finden, ist aber offen“, sagt Landrat Torsten Uhe. Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann zeigt sich gesprächsbereit, hat aber auch keine Lösung. Jobcenter-Leiter Thomas Puth weiß um die Probleme, sagt aber: „Wir kümmern uns um die Arbeitsuchenden. Finden wir Angebote der Träger gut, nehmen wir sie an. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, für den Erhalt der Träger bzw. Vereine zu sorgen.“ Die Sachkostenzuschüsse dienen allein der administrativen Abwicklung der Maßnahmen, aber nicht dazu, um die Träger komplett zu finanzieren, so Puth. Eventuell steigen die Zuschüsse im nächsten Jahr.

Bei diesen düsteren Aussichten hoffen die Vereine auf Kreis und Stadt, dass sie finanziell helfen.



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