Zur Kasse gebeten : Verein ärgert sich über Kontogebühr

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Gemeinnützige sollen bei der Sparkasse zahlen / Grund ist die aktuelle Zinspolitik

„Wir haben unser Vereinskonto bei der Sparkasse gekündigt und sind jetzt bei der Volks- und Raiffeisenbank“, sagt Matthias Dunze, Vorsitzender des Pritzwalker Angelvereins „Leistner Lanke“. Grund für den Wechsel war die Erhebung von Kontoführungsgebühren durch die Sparkasse Prignitz. „Bei uns ist das so, dass die Kontoführungsgebühren auf das Jahr gesehen einen erheblichen Teil der Mitgliedsbeiträge ,auffressen’ würden. Wir setzen das Geld aber lieber für die Jugendarbeit ein“, sagt Matthias Dunze.

Bisher konnten gemeinnützige Vereine ihre Konten bei der Sparkasse kostenlos führen, seit dem 1. Mai erhebt die Sparkasse auch hier Kontoführungsgebühren. Landrat Torsten Uhe, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Prignitz, wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern und ließ mitteilen, dass der Vorstand für diese Entscheidung verantwortlich sei. Dennoch würdigte und lobte der Landrat die Bedeutung des Ehrenamtes und der ehrenamtlichen Arbeit in der Region.

André Wormstädt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Prignitz, verteidigt die Entscheidung: „Die Sparkasse hat in den letzten elf Jahren die Gebühren für die Kontoführung nicht erhöht. Aufgrund der aktuellen Zinssituation sahen wir aber keine andere Möglichkeit, als diesen Schritt zu gehen“, sagt Wormstädt.

Nach seinen Aussagen zahlen gemeinnützige Vereine die Hälfte der regulären Gebühren, das wären 3,95 Euro Grundpreis pro Monat zuzüglich der Kosten für Überweisungen. „Ich kann an die Vertreter der Vereine nur appellieren, mit uns das Gespräch zu suchen und über Alternativen und konkrete Angebote zu sprechen“, so Wormstädt.

Anders sieht es dagegen bei der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz aus. Die Genossenschaftsbank führt auch weiterhin die Konten gemeinnütziger Vereine kostenlos. „Wir haben entschieden, dies bis zum Jahresende 2017 so beizubehalten. Das ist unsere Art der Wertschätzung der gemeinnützigen Arbeit, die für die Region enorm wichtig ist“, sagt Martin Brödder, Vorstand der VR-Bank. „Wir wollen damit die Vereine in ihrer Arbeit begleiten und sehen das Ganze auch unter dem genossenschaftlichen Gesichtspunkt einer starken Gemeinschaft“, so Brödder.

Auf der anderen Seite könne er die Entscheidung der Sparkasse Prignitz nachvollziehen, da die Situation auch der kleinen Banken durch die derzeitige Zinspolitik nicht einfacher werde. „Das Problem, vor dem wir alle stehen, ist doch, dass auf EU-Ebene und bei der Europäischen Zentralbank Dinge entschieden werden, die eigentlich für Großbanken gelten. Doch die Bankenaufsicht unterscheidet nicht zwischen einer Deutschen Bank, einer Commerzbank oder einer kleinen Volksbank und einer Sparkasse. Alle müssen die gleichen Bedingungen erfüllen und das fällt uns als eher kleine Institute nicht immer leicht“, so Brödder.

Natürlich verursachten die Konten der Vereine auch bei der VR-Bank Kosten, aber man habe sich eben entschieden, den Vereinen als Partner zur Seite zu stehen. Allerdings habe man in den vergangenen Monaten die Auswirkungen der Gebührenanpassung bei der Sparkasse durch zahlreiche Kontoeröffnungen sehr deutlich gespürt.

„Und wir bekommen Anfragen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, aber wir haben eine Trennlinie gezogen: Die kostenlose Kontoführung für Vereine gibt es nur für die aus der Prignitz und nicht aus den Nachbarländern“, so Martin Brödder.

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