DDR-Geschichte : Verbotene Fotos einer Übung

Kameraden der Feuerwehr löschen einen brennenden Pkw.
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Kameraden der Feuerwehr löschen einen brennenden Pkw.

Hans-Joachim Thalmann knipste am 4. September 1981, wie sich die Zivilverteidigung auf den Katastrophenfall vorbereitete

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19. September 2015, 08:00 Uhr

Mit Tüchern zum Strahlenschutz verhängte Fenster, Feuerwehren, die einen brennenden Pkw löschen, Sanitäter, die einen Verletzten auf einer Bahre tragen. Die Fotos von der Übung der DDR-Zivilverteidigung am 4. September 1981 in Wittenberge, die Hans-Joachim Thalmann beim Aufräumen fand, dürfte es eigentlich gar nicht geben.

„Es war für Außenstehende natürlich verboten, Fotos zu machen“, sagt der Rentner und grinst. „Aber von meinem Fenster in der Allendestraße 81 aus hatte ich einen guten Blick auf das Geschehen und habe unauffällig die Aufnahmen gemacht.“

Auch der „Prignitzer“ hatte seinerzeit über die die großangelegte Übung berichtet. In der Ausgabe vom 8. April 1981 hieß es unter dem Titel „Wittenberger Bürger waren mit Ernst bei der Sache“:

Schon seit Jahren werden in unserer Republik Übungen durchgeführt, um die Bevölkerung auf etwaige Katastrophenfälle vorzubereiten. Ihre Bereitschaft, sich auf solche Situationen einzustellen, demonstrierten viele Wittenberger bei einer planmäßigen Übung der Zivilverteidigung. Im Wohnbezirk 28 wies schon rein äußerlich vieles auf die Schutzmaßnahmen hin. So waren Fenster und Türen zum Strahlenschutz mit weißen Tüchern verhangen, und vor den Kellerfenstern hatte man Sandsäcke gestapelt.

Weiterhin berichtet der Artikel darüber, wie sich Anwohner der Allendestraße 25 in ihrem Schutzraum im Keller für einen längeren Aufenthalt mit Trinkwasser und Lebensmitteln eingerichtet hatten, die Kinderkombination Pritzwalker Straße ihren Keller ebenfalls zum Schutz präpariert hatte und die Beschäftigten des Bahnwerkes übten, ihre Arbeit trotz teilweise zerstörter Infrastruktur fortzusetzen.

Anlässlich der Übung besuchte auch Generalmajor Kurt Sommer, damals stellvertretender Leiter der DDR-Zivilverteidigung, die Elbestadt, heißt es weiter. Schließlich wurden auch damals Synergieeffekte genutzt und mit der aufgefahrenen Räumtechnik Baufreiheit für die Errichtung weiterer Wohnblöcke geschaffen.

„Bei einer Sitzung im Rat des Kreises zur Auswertung der Übung sind meine Bilder dann aber doch auf den Tisch gekommen“, erinnert sich Thalmann. „Der Ärger aber hielt sich in Grenzen, vielmehr waren die verantwortlichen froh, dass jemand das ganze fotografisch festgehalten hatte.“  

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