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Wiedersehen in Bad Wilsnack : VEB Schaltelektronik – wo’s begann

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Ehemalige Lehrlinge der Bad Wilsnacker Firma trafen sich erstmalig nach der Wende wieder

von
erstellt am 13.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Man trifft sich rein zufällig, erkundigt sich nach dem einen und anderen, daraus entstand die Idee und Samstag fand es statt – das erste Treffen ehemaliger Lehrlinge des VEB Schaltelektronik Bad Wilsnack, berichtet Harald Kuhlenkamp. Er selbst begann hier seine Ausbildung als Elektromonteur, studierte später Ökonomie und arbeitete fortan in der Verwaltung des Betriebes, der übrigens 1972 aus der PGH „Gloria“ Läutemaschinenbau hervorging.

An die 60 Lehrlinge durchliefen von 1963 bis zur Wende hier die Ausbildung zum Elektromonteur, darunter auch etliche Frauen. Elke Dettmer ist eine von ihnen. Den Ausbildungsplatz, den sie wollte, bekam sie nicht, den sie sollte, wollte sie nicht, und so wurde sie Elektriker. 1974 alles andere als ein Mädchenberuf. 19 Jahre baute sie Schaltschränke. „Ich glaube, das kann ich heute noch“, fügt sie schmunzelnd an. „So was verlernt man auch nicht“, fügt ihr Christiane Meyer bei. Auch sie begann als Elektromonteur. „Ich war technisch interessiert, kannte den Betrieb durch PA (Produktive Arbeit) aus der Schule und er bildete aus.“ Elektrotechnikstudium in Magdeburg und dann technische Produktionsvorbereitung bis zur Wende, das ist ihr Weg, der in diesem Betrieb dann, wie für viele der damals über 100 Mitarbeiter, endete.

Den Bad Wilsnacker Betrieb des Kombinats Werkzeugmaschinen Berlin gab es nicht mehr. Ernst Feuerböther, damals ökonomischer Leiter, setzte alles daran, die Schaltschrankproduktion dennoch zu retten und damit Arbeit für 20 Kollegen. „Heute sind wir noch 15“, fügt Christiane Meyer an. Sie ist seit zehn Jahren als technische Mitarbeiterin wieder mit dabei. Derweil hat Thomas Weiland die Geschäfte in der GmbH übernommen, die immer noch Steuerungsschränke produziert, heute u. a. auch für Biogasanlagen, Wehre und Schöpfwerke. Das der Karthane stammt von hier.

Elke Dettmer hingegen hat sich mit der Wende selbstständig gemacht, betreibt eine kleine Wäscherei. „Doch was ich hier gelernt habe, davon profitiere ich noch heute. Wie oft hätte ich sonst schon einen Monteur holen müssen.“ Und auch Christiane Meyer bestätigt, Frauen haben durchaus technisches Verständnis. „Wenn ich in der Produktion bin, weiß ich, wovon dort gesprochen wird.“

Die gemeinsame Zeit vor der Wende möchten sie nicht missen. „Die Norm war hoch und wir hatten oftmals tüchtig zu knapsen. Allein gelassen wurde aber niemand, wenn es mal nicht so lief“, so Elke Dettmer. „Wir waren schon so was wie ein Vorzeigebetrieb, hatten gar eine eigene Handwerkerbrigade und einen Betriebsbungalow am Fleesensee“, ergänzt Christiane Meyer. Und gern erinnert man sich an die Feste und Feiern, und von denen gab es viele.

Es war vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl, das ihnen in Erinnerung geblieben ist und Samstag die Freude und gespannte Erwartung darauf, was aus allen geworden ist. Bei etlichen hatte man schon Probleme sie ein- und zuzuordnen – es waren eben doch schon viele Jahre, in denen man sich nicht gesehen hat.

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