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Der Prignitzer

19. November 2017 | 11:43 Uhr

Urnensuche an der A 14

vom

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erstellt am 27.Aug.2012 | 09:19 Uhr

Karstädt | Archäologische Untersuchungen nimmt gegenwärtig das Landesamt für Denkmalpflege Wünsdorf in Karstädt vor. Freigelegt wurde eine Fläche von rund 14 000 Quadratmetern. "Wir haben jetzt schon über 500 Befunde", erzählen die Archäologinnen Andrea Moser und Lisa Kirsch, die hier gemeinsam mit 16 Grabungstechnikern, Zeichnern und Grabungsmitarbeitern Spuren der Vergangenheit freilegen. Und sie sind optimistisch, dass es noch mehr werden, sollen doch insgesamt etwa 24 000 Quadratmeter genauer unter die Lupe genommen werden.

Die Grabungen verlaufen entlang der Trasse der geplanten A 14. Dass die archäologischen Untersuchungen gerade an dieser Stelle stattfinden, ist Arbeiten zu verdanken, welche die Gemeinde Karstädt im Jahr 1927 vornahm, als sie hier eine großflächige Verrieselung anlegte und dabei bis zu 70 Zentimeter Boden abtrug. "Damals wurde ein kaiserzeitliches Urnengräberfeld freigelegt", berichtet Andrea Moser. Leider sei die Stelle nicht exakt vermessen worden, so dass man nicht genau wisse, wo sich das Gräberfeld befand.

"Auf Grabbefunde stießen wir bisher nicht, dafür auf Siedlungsbefunde der frühen Eisenzeit und sehr späten Bronzezeit (1000 bis 600 v. Chr.). Vorwiegend sind es Verfärbungen im Boden, die auf Gruben, Öfen und Pfosten von einstigen Gebäuden hinweisen", erzählt Andrea Moser. Als Funde sicher gestellt wurden unter anderem Keramikscherben, Reibekugeln und Feuersteinartefakte (Abschläge).

Ein besonderer Fund ist ein Feuerbock aus Keramikscherben. "In unserer Gegend sind Fundstücke dieser Art selten. Sie sehen aus wie Rinderhörner und liegen immer an Feuerstellen. Normalerweise sind Feuerböcke Hilfsmittel und dienen als Abstandhalter zur Glut, auf ihre Ablagen werden Koch- oder Bratgefäße gestellt. Doch die Scherben, die in Karstädt gefunden wurden, haben keine Brandspuren, sie sind verziert und tragen Stempel. Über die Verwendung dieser Feuerbockform weiß die Archäologie nicht viel. So könnten diese Gegenstände mehr kultisch-rituellen als profanen Zwecken gedient haben. Wir werden die Scherben jetzt zusammen setzen", erfuhr der "Prignitzer" von Dr. Sabine Eickhoff, Referatsleiterin Großvorhaben des Landesamts für Denkmalpflege.

Worauf Archäologen und Grabungstechniker bisher kaum stießen, sind Knochenfunde. "Bedingt durch den Sandboden gibt es so gut wie keine Kno chenerhaltung", erklären Andrea Moser und Lisa Kirsch.

Sie und ihre Kollegen werden noch bis November auf insgesamt drei Fundstellen nach Spuren menschlicher Besiedlung suchen. Anhaltspunkte dafür gaben archäologische Voruntersuchungen aus dem Jahre 2009.

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