Fasten: Verzicht als Gewinn : Urlaub vom Essen

Am Donnerstag wanderte die Gruppe von Wolfshagen aus nach Helle. Rechts: Angela Seefried.
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Am Donnerstag wanderte die Gruppe von Wolfshagen aus nach Helle. Rechts: Angela Seefried.

Fasten in der Gruppe: Angela Seefried strickt regionale Angebote für die besondere Auszeit / Teilnehmer erleben Verzicht als Gewinn

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22. März 2014, 08:00 Uhr

Warum in die Ferne schweifen – zum Fasten? Einen Kur-Urlaub kann man auch in der Prignitz machen. Davon zumindest ist Angela Seefried überzeugt. Die Nachfrage und die Erfahrungen ihrer Teilnehmer geben ihr Recht. Sie betreibt in Perleberg den YogaSpeicher und probierte das Ganze bereits im vergangenen Jahr mit einer Gruppe im „Storchenkrug“ in Rühstädt aus. Inzwischen ist sie auf dem Weg, die Prignitzer Fastenwochen zu einer kleinen Institution zu machen. Im Herbst soll es ein weiteres Angebot geben.

Jetzt, in der klassischen Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, durchlebt gerade eine Gruppe unter ihrer Anleitung die Effekte der Enthaltsamkeit. Als Partner konnte Angela Seefried das Hotel und Restaurant am Schloss Wolfshagen gewinnen. „Das Zusammenspiel zwischen Unterkunft und Gruppe muss schon stimmen. Eine individuelle Betreuung ist wichtig, vieles ist zu bedenken“, sagt Angela Seefried. All das – umgeben von schöner Natur – habe sie in Wolfshagen gefunden.

Eine tolle Umgebung kann das vorübergehende Abschiednehmen vom Essen sicher erleichtern. Die kritische Zeit zu Beginn kommt aber unweigerlich, wie die Teilnehmerinnen berichten. Die ersten beiden Tage, wenn der Körper umschaltet, seien die schwierigsten. Vergangenen Sonnabend war die Gruppe angereist. „Am Dienstag fühlten sich die meisten allerdings schon stärker“, so Angela Seefried. Kraft schöpfen aus einer Woche bei Zitronenwasser, Tee, Säften, Suppe: Einige der Frauen hatten schon Erfahrungen damit gesammelt, hätten von der Woche anschließend noch ein gutes halbes Jahr gezehrt, wie sie im Gespräch mit dem „Prignitzer“ bestätigen. Dabei sei es nicht das Zurückfahren beim Essen allein, was den Aufenthalt für sie so wertvoll mache: Bewegung spiele eine ebenso große Rolle wie Ruhepausen. Ausgedehnte Wanderungen in die Umgebung, Walking, Yoga, flankiert von Saunagängen, Massage tragen zum Abschalten bei. Leberwickel und Einläufe – auch das gehöre dazu, erläutert Angela Seefried. Und viel erzählt wird natürlich – meistens übers Essen. Die Argumente ihrer Teilnehmerinnen überzeugen: Man fühle sich freier, das Selbstbewusstsein wachse ebenso wie das Vertrauen in den eigenen Körper, die Energie nehme zu. Fasten könne letztlich auch der Einstieg in ein Umdenken sein. Zwei der Frauen – eine, wie sie selbst sagt, einst „Kaffee-Junkie“, die andere ehemalige Raucherin – bestätigen, dass sie es geschafft hätten, diese Laster mit Hilfe des Fastens abzulegen.

Freiwillig erlegen sich einige der Frauen weitere Enthaltsamkeiten auf: Es gehe auch mal eine Woche ohne Handy, Laptop oder Fernsehprogramm, sagen sie – und strahlen im Gespräch schon so etwas wie Ruhe und Zufriedenheit aus. Die Zeit in Wolfshagen sei kein strenges Heilfasten und sie sei auch nicht religiös motiviert, sagt Angela Seefried. Es sei einfach die Chance auf eine besondere Auszeit – die für die Gruppe heute beendet ist. Der Abschied vom Fasten sei übrigens ebenso zweischneidig wie der vom Essen, so Angela Seefried. Aber: Die Frauen werden es hinbekommen, ist sie sich sicher.


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