Großes Herz für Bedürftige : Urlaub auf der Baustelle in Uganda

Hier heißt es im Urlaub Ärmel hochkrempeln und zupacken.
Hier heißt es im Urlaub Ärmel hochkrempeln und zupacken.

Einmal im Jahr fliegt Birgit Rinder zum Hilfseinsatz nach Afrika, wo sie das Hillside College-Projekt unterstützt

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31. Dezember 2016, 05:00 Uhr

„Mein Weihnachtsgeschenk halte ich hier in den Händen“, sagt Birgit Rinder. Am 22. Januar hebe sie ab, die Reise geht nach Bolivien. Dort unterstützt die internationale Hilfsorganisation ADRA Deutschland e. V. den Gemüseanbau für ein Kinderheim.

Über persönliche Kontakte hatte ihr Vater einen jungen Mann vom „Leuchtturm-Hilfe Für Menschen in Not e.V.“ kennengelernt, erzählt Birgit Rinder. Jener berichtete von seiner Arbeit in Uganda. Mit Unterstützung von Österreichern haben sie eine Hochschule, das Hillside College, dort eingerichtet. „Mein Vater fuhr hin und half ebenfalls. Ich war so fasziniert von dem, was er berichtete, dass ich unbedingt auch dorthin wollte.“

Ein Jahr später flogen drei Generationen, „mein Vater, meine Tochter und ich rund 10 000 Kilometer in eine ganz andere Kultur“, wie sie sagt. „Lehmhütten, geschlafen wird auf Strohmatten, und den ganzen Reichtum, den die Menschen besitzen, tragen sie am Leib.“ Bildung sei in Uganda gleichbedeutend mit Zukunft, mit der Chance, mehr aus seinem Leben zu machen, es verändern zu können. Der Schulbesuch aber kostet und sei es nur die Schulkleidung. „Unser College ist da schon etwas Besonderes. Auch hier muss Schulgeld entrichtet werden. Durch Spenden aus Deutschland haben wir aber die Möglichkeit geschaffen, dass auch Kinder hier lernen, deren Eltern nie Schulgeld aufbringen könnten“, berichtet Birgit Rinder. Ihr Patenkind heißt Sharon. 14 Jahre ist das Mädchen inzwischen alt. Schon einige Schicksalsschläge hat Sharon erlebt. Ihre Mutter ist verstorben, ihr Vater HIV-positiv. Die Diagnose kommt dort aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung einem Todesurteil gleich.

Für Sharon hat die 49-jährige Prignitzerin das Schulgeld übernommen. Bis zum Abschluss, der in etwa mit dem der Hochschulreife vergleichbar sei, kann Sharon hier lernen „und später vielleicht auf die Uni“ gehen. Übrigens, auf die darf man nur, wenn man keine Schulden hat, sprich eben auch das Schulgeld vollständig gezahlt habe.

Mit zwei Koffern flog die gelernte Diplomgartenbauingenieurin vor vier Jahren das erste Mal nach Uganda. Die eigene Garderobe nahm kaum Platz im Koffer ein. „Statt dessen Nägel, Schrauben, diverses Werkzeug, eben alles, was man zum Bauen braucht“, erzählt sie. Einmal haben sie sogar eine Kreissäge mitgenommen. Denn sie kamen nicht, um Urlaub zu machen. „Auch wenn das Land geradezu für Touristen einem Paradies gleicht. Denn der Nil fließt durch Uganda, sorgt dafür, dass es ein grünes, fruchtbares Land ist.“

Kaum angekommen, wurden auch schon die Ärmel hochgekrempelt. Ein Gebäude für die Hauswirtschaftsschule sollte entstehen. „Mit hiesigen Ansprüchen keinesfalls vergleichbar“, ergänzt sie schmunzelnd. Stein auf Stein wurde gemauert, die Ziegel hatten Schüler zuvor bereits gepresst und luftgetrocknet sowie unter Anleitung das Fundament gegossen. „So verdienen sie sich unteranderem ihr Schulgeld. Sie arbeiten überall dort mit, wo es geht, vor allem auch auf den Obst- und Gemüseplantagen, auf dem Feld oder im Stall. Denn all das ist auch dem College angegliedert. Wie auch die Berufsausbildung. In besagten Bereichen wird sie angeboten, zudem gibt es eine Tischlerei und in der Hauswirtschaftsschule wird kochen und schneidern gelehrt.

Rund 400 Schüler besuchen dieses College. Aus dem ganzen Land kommen sie. „Die Schüler leben hier, lernen und finanzieren sich durch den Anbau und Verkauf von dem, was auf dem Acker bzw. im Gemüsegarten wächst. Seit 2016 reicht es, um die Lehrer zu bezahlen und die Schüler zu beköstigen.“ Einmal im Jahr, meist für drei Wochen, geht es für Birgit Rinder in den Urlaub zum Hilfseinsatz nach Uganda. „Zu tun gibt es immer was.“ Und auch ihr Patenkind freue sich jedes Jahr auf ihren Besuch. Der nächste Reisetermin werde aber erst 2018 sein, denn im Januar geht es dieses Mal nach Bolivien. Nur einfach mal Urlaub machen – „das geht nicht. Es gibt noch so viel, wo wir helfen können – einfach mit Werkzeug und Muskelkraft. Frieden, ein Dach überm Kopf und genügend zu essen – dafür sollten und können wir ’was tun.“ Taten zählen, nicht Worte. Und wenn beim Abschied dann die Arbeitshandschuhe einen lachenden neuen Besitzer finden, „ich denke, dann haben wir alles richtig gemacht“.

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