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Hagelschlag und Sturm in der Prignitz : Unwetter verursacht Riesenschäden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Feuerwehren sind Freitagabend im Dauereinsatz: Bäume blockieren Straßen, Hagelschlag vernichtet landwirtschaftliche Kulturen.

von
erstellt am 09.Jul.2017 | 20:30 Uhr

Noch gibt es keine genauen Zahlen, aber die Schäden, die das Unwetter am Freitagabend (der „Prignitzer“ berichtete kurz am Samstag) anrichtete, sind riesig. In einem Streifen von Perleberg über Baek, Wolfshagen, Retzin, Kuhsdorf, Tüchen, Reckenthin bis Lindenberg zogen schwere Sturm- und Hagelschauer, während in anderen Bereichen des Landkreises – wie beispielsweise im Lenzener Raum – die Sonne schien.

Feuerwehren waren bis in den späten Freitagabend im Dauereinsatz. So musste die Perleberger Wehr mehrere Bäume von der Ortsverbindung zwischen Groß Buchholz und Gulow von der Straße holen, kurz vor Reetz einen Baum und auf dem Weg dahin mehrere große Äste aus dem Weg räumen. Wenig später versperrte ein abgestürzter Ast die Straße zwischen Groß Linde und Gramzow. Die Straße war für 30 Minuten dicht. Die Karstädter Wehr musste Freitagabend gegen 18 Uhr Richtung Dallmin und Kribbe ausrücken. Die Dallminer und Kribber waren zu dem Zeitpunkt bereits anderswo zur Schadensbeseitigung im Einsatz.

Ins Hausdach gestürzt

Schwer wütete das Unwetter auch bei und in Retzin (Gemeinde Groß Pankow). Die Perleberger Wehr war dort mit ihrer Drehleiter gefordert. Mehrere Bäume waren umgestürzt. Erst einmal notdürftig musste eine Familie in Retzin ihr Haus abdichten. Ein stürzender Baum hatte in dem Gebäude, in dem sich auch das Dorfgemeinschaftshaus befindet, das Dach durchschlagen.

14 der 17 Feuerwehren in der Gemeinde Groß Pankow waren am Freitagabend im Einsatz. „Einige mussten, kaum waren sie wieder ’drin, gleich noch einmal raus“, zog gestern Groß Pankows Bürgermeister Marco Radloff im Gespräch mit dem „Prignitzer“ eine allererste Bilanz. Die Kameraden mussten sich nicht nur um umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste kümmern. „Teilweise sind auch Keller vollgelaufen. Die Kameraden pumpten Wasser ab.“ Mit im Einsatz war auch die Groß Gottschower Wehr, die eigentlich die Feier am Sonnabend anlässlich ihres 90. Geburtstages vorbereiten wollte.

In Hoppenrade mussten sich mehrere über 100 Jahre alte Eichen der Naturgewalt beugen. Die Wehr kümmerte sich um acht der mächtigen Bäume. In Tüchen kam der Bronto Skylift der Pritzwalker Feuerwehr zum Einsatz, um gebrochene Baumkronen zu sichern. Kameraden aus der Gemeinde Gumtow unterstützten ihre Kameraden in Plattenburg und Groß Pankow.

Zum Beweis eingefroren

Noch unübersehbar groß sind auch die Folgen, die der Hagelschlag anrichtete. Menschen beklagen demolierte Autos, Dächer und Fensterscheiben. Der Retziner Paul Stets berichtet von riesigen Hagelkörnern, die „die Glasdächer meines Gewächshauses glatt durchschlagen haben“. Die Hagelkörner seien so groß gewesen, dass er sich nicht nach draußen getraut hätte, um sein Auto wegzufahren. Dellen in ihrem Wagen hat Familie Riske. „Die Hagelkörner waren fast so groß wie Taubeneier“, sagen Riskes. Zum Beweis für die Versicherung haben sie einige der Riesenkörner eingefroren. „Es war wirklich extrem, mit einem Mal war alles weiß.“

Verheerend sind nach ersten Erfassungen die Folgen für die Landwirtschaft. „Mais, Getreide, Kartoffeln, Raps und Zuckerrüben sind hinüber. Totalausfall auf mehreren hundert Hektar“, sagt Landwirt Michael Schröder aus Tüchen. Und als wenn das noch nicht reichen würde: Auch die Solaranlage sei hinüber, so Schröder. Nicht anders geht es Landwirten im benachbarten Lindenberg und Reckenthin. Der Hagel hat den Mais regelrecht abgeschlagen, ebenso das Getreide. Kartoffeln haben bereits jetzt kein Kraut mehr. Aus dem Landwirtschaftsbetrieb Scharpenberg in Reckenthin kam gestern die Meldung, die gesamte Ernte auf 300 Hektar sei vernichtet.

 
 

 

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