Landwirtschaft : Unwetter verdirbt Bauern die Laune

Dirk Huijbers ist einer der von Unwettern in diesem Jahr betroffenen Bauern. Hagel hatte seinen Mais zwischen Kreuzburg und Klein Gottschow schwer geschädigt.
Dirk Huijbers ist einer der von Unwettern in diesem Jahr betroffenen Bauern. Hagel hatte seinen Mais zwischen Kreuzburg und Klein Gottschow schwer geschädigt.

Fazit auf dem Bauerntag: Frost, Hagel, Starkregen, Sturm – Witterung traf Landwirte in diesem Jahr besonders hart

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08. November 2017, 21:00 Uhr

Aprilfröste bis minus sechs Grad Celsius, nur drei Sommertage mit 30 Grad, 130 Liter Regen je Quadratmeter am 29. und 30. Juni. Am 25. und 26. Juli nochmals 75 Liter, über 810 Liter bis zum heutigen Tag. Sturm Xavier, der Maisschläge flach legte – „das Jahr 2017 mit seinen Witterungsextremen wird uns in Erinnerung bleiben“, resümierte Lothar Pawlowski auf dem Kreisbauerntag am Mittwoch im Landgasthof Karstädt.
„Die Folge waren nicht befahrbare Acker- und Grünlandflächen, Lagergetreide, Durchwuchs, verminderte Druschqualitäten mit hohen Trocknungskosten, mäßigen Erträgen und Preisen, ewig nasses Stroh – die Ernte musste buchstäblich vom Feld gestohlen werden“, erklärte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Prignitz. Nachfolgende Arbeiten gerieten in Verzug, so dass Anbaupläne und Fruchtfolgen überarbeitet und verändert werden mussten.
Erstaunlich gute Erträge brachte die Wintergerste. Von der feuchten Witterung profitierten Kartoffeln, Mais und Rüben. Abermals eine Enttäuschung nach zwei schwachen Vorjahren war der Raps. Hoffnungen auf vier Tonnen pro Hektar erfüllten sich nicht. Als Ursache nannte Pawlowski nicht nur das kalte Frühjahr, sondern auch den hohen Schädlingsbefall durch das Verbot der Neonic-Beize. „Hoffnung bringt Importware aus Polen, die mit Lumiposa-Beize versehen ist. Das Saatgut ist zwar teurer und muss durch Drilltechnik mit Absaugeinrichtung ausgebracht werden, doch zeigt sich auf den bestellten Flächen bereits jetzt ein geringerer Befall durch Erdfloh und Kohlfliege“, erläutert der Karstädter Landwirt.
In seinem fundierten Vorstandsbericht sprach der Kreisbauernchef auch heiß diskutierte Themen an, wie die neue Düngeverordnung, Pflanzenschutz, Artenvielfalt, Naturschutz, Trinkwasser, Schweineproduktion oder den Wolf. „Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müssten Brandenburger Bauern, um dieselbe Menge an Kartoffeln und Getreide zu ernten wie bisher, ihre Anbauflächen um 50 Prozent erweitern, was nicht möglich wäre. Ganz zu schweigen von einem Mehraufwand an Bodenbearbeitung und höherem Dieselverbrauch. Als Landwirte haben wir ein sehr großes Interesse an sauberer Luft, gesunden Lebensmitteln und übernehmen Verantwortung für den Boden, weil wir davon leben.“

Das gelte auch für Tierwohl und Tierschutzplan, „doch muss uns die Möglichkeit gegeben werden, diese Veränderungen selbst zu gestalten und uns nicht vorschreiben zu lassen.“
In den Fokus rückte Pawlowski auch die Nachwuchssicherung. „Wir stellen jetzt schon fest, dass nicht mehr alle Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft, insbesondere zum Tierwirt, perspektivisch zu besetzen sein werden. Wir kommen daher um eine weitere Automatisierung in der Tierproduktion, bei der die Digitalisierung eine wesentliche Rolle spielt, nicht herum. Die Digitalisierung wird die Lebens- und Arbeitswelt revolutionieren – auf dem Feld und im Stall.“

Nachwuchswerbung macht die Prignitzer Landwirtschaft nicht nur auf Messen, wie am kommenden Sonnabend auf der GO! in Perleberg, sondern auch mit den Tagen der Landwirtschaft. Nach zwei erfolgreichen Veranstaltungen in Karstädt und Schönhagen folgt eine dritte am 8. Juni in Kletzke.
Rückendeckung zum Thema Wolf erhielt Pawlowski durch Dr. Carolin Schilde, Staatssekretärin im Brandenburger Landwirtschafts- und Umweltministerium, die wie Landrat Torsten Uhe und weitere Gäste am Kreisbauerntag teilnahm. Offizielle Wolfszahlen gehen von 200 Tieren in Brandenburg aus – 21 Rudel und zwei Elterntiere. „Wir arbeiten als einziges Bundesland derzeit an einer Wolfsverordnung, die möglichst noch Ende 2017 veröffentlicht werden soll. Es gibt Gebiete, da gehört der Wolf nicht hin. Hier muss er vergrämt und bei Problemtieren auch entnommen werden.“ Pawlowski erneuerte seine Kritik am Fehlen eines bundesweiten Konzepts, wie sich der Wolfsbestand in Deutschland entwickeln soll und ab wann ein gesicherter Bestand vorliegt. Doch werde derzeit die Nennung einer Obergrenze abgelehnt.

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