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Der Prignitzer

22. November 2017 | 14:11 Uhr

Unterwegs mit "Miss Stadtverkehr"

vom

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erstellt am 24.Apr.2013 | 05:17 Uhr

Weisen/Motrich | Wenn Olaf, Ehefrau Anke und Tochter Anne-Katrin zur Arbeit gehen, dann haben alle das gleiche Ziel, denn die drei Gückels sind Busfahrer beim Reisedienst Westprignitz, und in diesem Familienverbund schon etwas Besonderes. Dabei kamen alle drei sozusagen über Umwege zu diesem Beruf.

Olaf war der erste, "denn nach der Wende war Schluss mit der LPG. Da bin ich erst in den Westen als Anlagenfahrer gegangen, habe dann aber 1991 meinen KOM-Schein gemacht, war europaweit unterwegs", erzählt er. Seit 1999 arbeitet er bei dem Weisener Unternehmen. Ehefrau Anke kam ein Jahr später dazu. Als die Kindergärtnerin arbeitslos wurde, schulte sie zunächst zur Bürokauffrau um. "Aber das war doch nichts für mich" erinnert sie sich. "Also fuhr ich schon immer mal bei meinem Mann mit, trainierte auch heimlich", verrät sie lächelnd. 1997 machte die couragierte Frau dann ganz offiziell den KOM-Schein, arbeitet seit 2000 in dem Weisener Unternehmen, geht in der Reisesaison auch gemeinsam mit ihrem Ehemann auf Tour. Und das bedeutet nicht nur, die Fernreisenden sicher zu chauffieren, sondern unterwegs auch für deren Versorgung zu sorgen mit Getränken und Speisen. Olafs Spezialität sind dabei "meine fünf Eintöpfe".

Tochter Anne-Katrin hatte nach der Schulzeit zunächst Verkäuferin gelernt, auch in dem Beruf gearbeitet, "doch das hat mir alles nicht gefallen", bekennt sie. So fragte der Papa eines Tages, ob sie nicht auch Lust hätte, Bus zu fahren. "Eine Nacht schlief ich drüber, dann war es entschieden." Allerdings benötigte sie für den KOM-Schein als damals 21-Jährige ein Unternehmen, das im Umkreis von 50 Kilometern Fahrten anbietet. Also sprach Anne-Katrin erfolgreich in der Weisener Geschäftsleitung vor. Ebenso erfolgreich absolvierte sie dann die Ausbildung. "Und das auf Anhieb", wie Olaf stolz hinzufügt. "Denn der KOM-Schein macht sich nicht so zwischen Disco und Schlafen, da muss man wirklich viel Pauken."

Heute ist Anne-Katrin 24 und im Team der Weisener Busfahrer gut akzeptiert. Auch bei den Fahrgästen. Denn wie ihre Eltern sitzt Anne-Katrin gern hinter dem Lenkrad, lächelt, wenn gesetztere Herren in ihrem Pkw neben ihr an der Ampelkreuzung halten "und den Mund nicht wieder zu bekommen angesichts einer jungen Frau als Busfahrerin". Und auch die Kumpel im Freundeskreis hätten damals nur gelacht, "als ich erzählt habe, dass ich Busfahrerin werden will. Heute wollen sie alle bei mir mitfahren", lächelt die 24-Jährige.

Lächeln gehört überhaupt zu ihr wie auch zu ihren Eltern. Freundlich - so kennen die Fahrgäste Gückels. Und so kommt so manches nette Dankeswort an die Busfahrerfamilie in Weisen an, "Fanpost", wie Anne-Katrin diese wohlwollenden Reaktionen nennt. Natürlich freuen sich Gückels über diesen Zuspruch, tun aber auch viel dafür. Da wird im Linienverkehr schon mal die ältere Dame, die nicht mehr so gut zu Fuß ist, mit ihren Einkäufen am heimischen Grundstück aus dem Bus gelassen. Und ein nettes Wort für die Fahrgäste haben Gückels ohnehin parat.

Genau das ist es auch, worauf bei Einstellungen Wert gelegt wird, macht Frank Rüdiger-Gottschalk deutlich. "Neben der fachlichen Qualifikation muss ein Busfahrer freundlich und ausgeglichen sein, eben möglichst immer gut drauf." Und Familie Gückel sei dabei wirklich "etwas Besonderes, die Eltern seit Jahren hoch engagiert, und auch Anne-Katrin sehr gut eingeschlagen". Sie hat auch schon einen Spitznamen, verrät der Firmenchef, "Miss Stadtverkehr". Auf große Reisetouren wollte sie bisher nicht gehen. "Aber gemeinsam mit einem Kollegen für eine Woche nach England" das kann sie sich mittlerweile doch vorstellen.

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