8. Perleberger Museumsnacht : Unterwegs auf historischen Pfaden

Technik von anno dazumal, die begeistert.  Fotos: Doris Ritzka
Technik von anno dazumal, die begeistert. Fotos: Doris Ritzka

8. Museumsnacht lud in die Rolandstadt und etliche machten sich auf den Weg, um zu entdecken, was da „abgestaubt“ worden war

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01. November 2015, 22:00 Uhr

„Abgestaubt“ unter diesem Motto lud die 8. Museumsnacht zu einem nicht alltäglichen Exkurs durch die Historie ein. Und „wenn die Stadt schon mal was anbietet, dann sind wir auch zumeist dabei“, betonten die Eheleute Günter und Heidemarie Dormann. Ihnen gleich taten es etliche, denn ob Stadt- und Regionalmuseum, bei den Oldtimerfreunden, im Rathaus oder auf dem Kirchturm – überall herrschte am Freitag noch zu später Stunde reger Betrieb.

Sicher wurde das eine oder andere museale Stück zuvor noch einmal abgestaubt, doch mindestens genauso interessant sei die Sichtweise, was die Stadt an Geschichtsträchtigem abgestaubt hat bzw. wo andere eben pfiffiger waren, so Bürgermeisterin Annett Jura. Für Letzteres stehen die Apostel, die einst den alten Altar der St. Jakobi-Kirche zierten und für die man, nachdem ein neuer den Platz einnahm, keine Verwendung mehr hatte. Dafür der Ruppiner Landrat Friedrich Emil von Zieten, übrigens ein Sohn des berühmten Husarengenerals von Zieten. Jener erwarb die Apostel, die heute in der Kirche zu Wustrau stehen. Eigens für diese Apostel richtete man dort Nischen im Chor ein.

Abgestaubt hat die Stadt hingegen Dokumente, insbesondere Briefe, des 1884 in Perleberg geborenen Karl Hentschel und seines älteren Bruders Fritz, der 1916 in der Schlacht von Verdun fiel. Seine Enkelin, die in Mexiko lebt, hatte sich auf Spurensuche ihrer Vorfahren begeben, Perleberg besucht und dem Museum die Familiendokumente geschenkt. Einige zeigte eine kleine Exposition unter Glas.

Auf die Spuren des I. Weltkrieges in der Prignitz begaben sich im Rahmen eines Projektes auch Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums. Was sie entdeckten zeigt ebenso eine kleine Schautafel. Im Rathaus entführte Irmigard Czubatinski in die Historie des Gebäudes, mit Pfarrer Tilmann Kuhn ging es hinauf auf den Kirchturm. Im Oldtimermuseum war es Unterhaltungs- und Rundfunktechnik von anno dazumal, die Groß und Klein faszinierte, wie der letzte von Colani designte RFT-Fernseher. Der erste Computer, das Radio made in Perleberg, ein Mende von 1928 – ein Radio ohne Lautsprecher – oder ein Vertreter des ersten in der DDR gebauten Tonbands – all das entdeckte der Betrachter hier. Und Torsten Müller, der sich bestens mit dieser Technik noch auskennt, wusste viel darüber zu berichten: Über selbstgebaute Konverter, mit denen man Westfernsehen empfangen konnte, über versteckte Schlater im Radio, die schnell umgelegt wurden, wenn es an der Tür klingelt.

Kurzum, überall gab es Interessantes für Auge und Ohr. Immer wieder wurde aber auch die Frage laut: Warum hat sich das DDR-Geschichtsmuseum ausgeklingt? „Ich würde mich freuen, wenn wir es gewinnen könnten, wieder mitzumachen“, so auch die Bürgermeisterin.

Auf jeden Fall bleibt da aber noch die Hoffnung, dass, wenn er dann mal fertig ist, auch der Judenhof bei der Museumsnacht dabei sein wird.

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