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Der Prignitzer

20. November 2017 | 13:04 Uhr

Unterricht: So viel Ausfall wie noch nie

vom

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2012 | 07:59 Uhr

Potsdam | Der Unterrichtsausfall hat in Brandenburg einen Rekordwert erreicht. Jede zehnte Stunde fand nicht wie geplant statt, sie fiel aus, wurde vertreten, Klassen wurden aufgeteilt oder mit Arbeitsblättern beschäftigt. Das geht aus der aktuellen Statistik des Bildungsministeriums hervor.

Ein Hauptgrund für diesen hohen Anteil ist aus Sicht des Ministeriums die große Anzahl alter Lehrer. Diese Kollegen seien naturgemäß häufiger und länger krank. Besonders betroffen ist davon der Schulamtsbereich Perleberg, wo zum Stichtag 1. März insgesamt 93 Lehrer länger als sechs Wochen krank waren. Das entspricht einer Quote von 3,3 Prozent. Am besten sieht es landesweit in den Bereichen Cottbus und Eberswalde aus. Dort gelten 2,2 bzw. 2,3 Prozent der Pädagogen als langzeiterkrankt, heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Gordon Hoffmann (CDU). Landesweit gelten 484 Lehrer als langzeitkrank, das entspreche einer Quote von 2,7 Prozent.

Der Vorwurf an die älteren Lehrkräfte ist aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aber statistisch nicht nachweisbar. Lehrer seien nicht mehr krank als andere Mitarbeiter der Landesverwaltung, sagt GEW-Landesvorsitzender Günther Fuchs. Das Ministerium müsste den Pädagogen eher für ihr Engagement danken, statt ihnen den schwarzen Peter zuzuschieben. Den Ausfall könne man nur bekämpfen, wenn mehr Lehrer eingestellt werden. Die Kollegen seien nicht für die Personalpolitik der Vergangenheit verantwortlich.

Das Bildungsministerium hofft dagegen auf baldige Entspannung durch neue, junge Kollegen. Der Rückgang der Schülerzahlen in den vergangenen Jahren habe den Bedarf an Lehrern sinken lassen, so dass keine Lehrkräfte eingestellt wurden, erklärt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Erst seit kurzem können junge Lehrer nicht zuletzt auch wegen des Mehrbedarfs zur Inklusion eingestellt werden. Zudem gehen viele Kollegen in nächster Zeit in Ruhestand. Die Altersstruktur werde sich also bald auf ein normales Verhältnis einpendeln und das Krankheitsproblem entschärfen, ist Breiding zuversichtlich. Die Zahlen zum kompletten Unterrichtsausfall sind laut Ministerium mit 1,9 Prozent der Stunden vergleichsweise niedrig. Andere Bundesländer hätten mehr Probleme. Aber oft sei der Ersatz qualitativ nicht mit dem eigentlich geplanten Unterricht zu vergleichen. Brandenburger Schulen haben eine sogenannte Vertretungsreserve von drei Prozent. Aber sehr oft passen die Fächerkombinationen nicht, balle sich Krankheit zu ungünstigen Zeitpunkten, so Breiding. Die GEW fordert indes eine Reserve von mindestens sechs Prozent, "für die auch tatsächlich Lehrer eingestellt werden", fordert Günther Fuchs.

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