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Airports Berlin Brandenburg : Unternehmer unter Druck

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Die Hängepartie um den Start des neuen Hauptstadtflughafens hat die Berliner Modemacherin Evelin Brandt nicht überrascht. Eigentlich wollte sie schon Anfang Juni, dem ursprünglichen Eröffnungstermin des Airports Berlin Brandenburg, ihren Laden dort aufmachen.

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erstellt am 16.Aug.2012 | 09:41 Uhr

Berlin | Die Hängepartie um den Start des neuen Hauptstadtflughafens hat die Berliner Modemacherin Evelin Brandt nicht überrascht. Eigentlich wollte sie schon Anfang Juni, dem ursprünglichen Eröffnungstermin des Airports Berlin Brandenburg, ihren Laden dort aufmachen. Dass nach der dann kurzfristig geplatzten Inbetriebnahme des Flughafens nun auch der neu genannte Termin im kommenden Frühjahr auf der Kippe steht, hat die Unternehmerin geahnt. "An den 17. März 2013 hat doch niemand geglaubt", sagt sie.

Nun erwartet Brandt endlich klare Worte und Offenheit vom Flughafenbetreiber, denn die immer neuen Verzögerungen bei der Eröffnung bringen ihre Firma in Bedrängnis. "Ich muss sehen, großen Schaden von uns abwenden zu können", erklärt die Modeschöpferin. Der neue Flughafenshop ist seit April eingerichtet, die Ware lange gekauft. Mehrere hunderttausend Euro hat Brandt in die Niederlassung investiert - Geld, das sie nun nicht mehr einnehmen wird.

Auch für das alt eingesessene Berliner Blumenhaus Schamp ist die fertig eingerichtete, aber noch geschlossene Filiale am Flughafen "Willy Brandt" ein Verlustgeschäft. "Den Ausbau haben wir selber bezahlt", sagt Inhaber Kay Herrig. Töpfe und Vasen, eingekauft für die Sommersaison, verstauben im Lager und drohen, Ladenhüter zu werden. "Ob die im kommenden Jahr noch im Trend liegen, müssen wir sehen", erklärt Herrig.

Fünf neue Mitarbeiter hatte der Blumenhändler für das Geschäft am Flughafen in Schönefeld eingestellt. Denen habe er längst wieder kündigen müssen, sagt Herrig. Auch Modedesignerin Brandt konnte die vier Frauen, die im Airport-Store arbeiten sollten, nicht halten. Zwei hatten extra andere Stellen gekündigt, um bei ihr anzufangen. "Das finde ich menschlich dramatisch", sagt Brandt.

Große Pläne am neuen Hauptstadtflughafen hat die Handelsfirma Wöllhaf Retail. Sechs Läden wollte das Unternehmen am 3. Juni dort eröffnen, darunter Souvenirshops mit Andenken aus Berlin und dem Spreewald, sowie dazu noch zwei Gastronomiebetriebe.

Dass das ehrgeizige Vorhaben nun weiter auf Eis liegt, zerrt offenbar an den Nerven der Firmenleitung. "Kein Kommentar", erklärt die Pressesprecherin zu Fragen nach der aktuellen Lageeinschätzung. "Die Geschäftsführung möchte überhaupt nichts dazu sagen."

Blumenhändler Herrig will wie auch andere verprellte Firmen vom Flughafenbetreiber eine Entschädigung für das entgangene Geschäft. Wie er sich die holen wird, weiß er noch nicht. Erst einmal müsse die Zusammenarbeit ja losgehen. "Es wäre nicht schön, eine richtige Geschäftsbeziehung mit einer Klage zu beginnen", sagt Herrig.

Die deutsche Wirtschaft befürchtet bei einer möglichen erneuten Verschiebung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens irreparable Imageschäden. Dem Standort Deutschland drohe dadurch "ein Ansehensverlust in der Welt, der nicht mehr gutzumachen ist", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Gerhard Riemann, in Berlin.

Auch Nachtflugverbote wie in Frankfurt hätten verheerende wirtschaftliche Folgen. "Wenn wir die Flughäfen nicht im Gleichgewicht halten, dann haben wir einen gravierenden Standortnachteil", mahnte Riemann.

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