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Unternehmen verschwenden Fachkräftepotenzial

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erstellt am 13.Apr.2012 | 07:51 Uhr

Potsdam | Die traditionelle Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt ist an den schwerbehinderten Arbeitslosen in Brandenburg vorbeigezogen. Während die Zahl aller Erwerbslosen 2011 im Schnitt um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sank, stieg die Quote bei Schwerbehinderten um 3,2 Prozent. Und das, obwohl der Fachkräftemangel um sich greift und nur 18,4 Prozent der Menschen mit Behinderung keine Berufsabschluss haben. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Quote bei 40,5 Prozent.

Besonders zwischen Berlin und Brandenburg zeigten sich hier die Unterschiede, sagt Olaf Möller von der Regionalagentur für Arbeit. "In Berlin gibt es einen dynamischen Markt", sagt Möller. In Brandenburg aber reagiere die Arbeitslosigkeit "insgesamt weniger auf konjunkturelle Änderungen als die Arbeitslosigkeit der Menschen ohne Schwerbehinderung", resümiert die Arbeitsagentur hingegen in ihrem Jahresbericht 2011.

Dabei, sagt Möller, bedeute eine schwere Behinderung nicht automatisch, dass jemand nicht mehr arbeiten könne. "In den meisten Fällen sehen sie demjenigen das nicht an." So könne beispielsweise ein Herzinfarkt oder eine Krebserkrankung bereits zu einer Schwerbehinderung führen. "Das muss aber kein Nachteil sein", sagt Möller.

Das Problem für schwerbehinderte Arbeitslose: Überhaupt erstmal einen Job finden. Im Verlauf der Wirtschaftskrise 2010 verloren in Brandenburg durchschnittlich 100 000 Menschen ihre Arbeit. Das sind gut 7,1 Prozent. Als die Konjunktur wieder anzog, fanden ein Jahr später 6,5 Prozent wieder eine Anstellung. Bei den Schwerbehinderten sind die Zahlen deutlich statischer. Im gleichen Zeitraum verloren 3,8 Prozent ihre Arbeit und 3,2 fanden wieder welchen. Als Folge dieser Entwicklung sind Schwerbehinderte auch länger arbeitslos gemeldet.

Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen fünf Prozent ihrer Stellen mit Schwerbehinderten besetzen. Nach Angaben des Sozialministeriums wurde die Quote 2009 in der öffentlichen Verwaltung mit 5,8 Prozent erfüllt. In der Privatwirtschaft sieht es hingegen düster aus. Nur 3,3 Prozent der Jobs waren mit Schwerbehinderten besetzt. Im vergangenen Jahr startete die Arbeitsagentur in Brandenburg deshalb eine Kampagne. "Die Unternehmen klagen über Fachkräftemangel", sagt Möller. "Wir wollten ihnen zeigen: guckt Euch an, aus welchem Potenzial ihr schöpfen könnt."

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