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Wunderblutkirche Bad Wilsnack : „Unsere Biber sollen leben“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wunderblutkirche in Bad Wilsnack geht in die nächste Sanierungsphase. In dieser Woche werden die ersten Dachziegelmuster geliefert

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erstellt am 22.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Die nächste Etappe bei der Sanierung der Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack steht an. In dieser Woche werden die ersten Muster der neuen Dachziegel geliefert. „Sie werden an einer Stelle verlegt, dann schauen wir von unten, ob sie gut aussehen. Ist das der Fall, bestellen wir sie“, erklärt Bauleiterin Annette Schulze am Sonnabend bei der Bauführung.

Was sich so einfach anhört, ist eine echte Hausnummer. Immerhin wird diese Bestellung 80 000 Biberschwänze umfassen und etwa 250 000 Euro kosten. Und die Verantwortlichen haben genaue Vorstellungen, wie die neuen Dachziegel aussehen sollen. „Unsere Biber sollen leben. Wir wollen Biber mit unterschiedlichen Rottönen und einem Handstrich“, sagt Schulze und zieht mit ihren Fingern die leicht ungeraden Linien auf einem der Ziegel nach, die zu Fuße des Gotteshauses lagern und darauf warten, wieder verlegt zu werden. Denn neben den neuen (für das Längsschiff) werden auch alte Exemplare (am Querschiff) das Dach abdichten. Jeder neue „Biber“ wird in einer Manufaktur hergestellt, ist keine Massenware, betont Annette Schulze.

Während das Dach auf seine neue Bedeckung wartet sorgt Bitumen dafür, dass kein riesiges Loch am Gotteshaus klafft. Die Starkregenfälle und starken Winde der vergangenen Monate hätten weder dem Dach noch dem Gerüst etwas anhaben können, so die Bauleiterin. So liegt das Projekt im Zeitplan. Die neuen Dachlatten sind komplett angebracht. Die Herausforderung für die Dachdecker besteht darin, dass sie an Dachschrägen mit einer Länge von etwa 27 Metern und einem Gefälle von mehr als 45 Grad arbeiten.

In dieser Woche startet der zweite Bauabschnitt, der ein Volumen von etwa 500 000 Euro umfasst. Ein weiterer Teil der Wunderblutkirche auf der Seite des Goetheparks wird eingerüstet. „Dann ist das Querschiff an der Reihe. Das Dach wird gemacht, ebenso der Dachstuhl. Und die vier großen, etwa zehn Meter hohen Fenster werden restauriert. Sie bekommen einen neuen Rostschutz und neue Windeisen“, fasst Schulze die Vorhaben kurz zusammen. Glasteile, die doch ersetzt werden müssen, werden in der Bad Wilsnacker Traditionsglaserei Schultz mundgeblasen. Der Familienbetrieb ist schon seit Generationen am Erhalt der Wunderblutkirche beteiligt. Auch im Inneren geht es weiter.

Doch damit nicht genug. Auch die Pfeiler an den Außenwänden des national wertvollen Kulturdenkmals werden verändert. „Wir haben festgestellt, dass die Schrägen nachträglich an die Pfeiler angesetzt wurden. Und nun werden wir sie wieder entfernen. Denn sie sind für die Stabilität des Baus nicht nötig. Das ergaben Statikuntersuchungen“, erläutert Annette Schulze. Die Kirche habe schon 300 Jahre gut ohne die Schrägen gestanden. Dass sie entfernt werden, hat auch bauerhaltende Gründe. „Im Inneren dieser Schrägen fanden wir Geröll, Schutt – und ganz viel Luft. Da an der Oberfläche der Schrägen manchmal schon 30 Grad Celsius herrschten und ihre Unterseite noch gefroren war, gab es zu große Temperaturunterschiede, es kam zu einem Frost-Tau-Wechsel und die Bausubstanz wurde geschädigt“, beschreibt die Bauingenieurin.

Nächste Führung

Die Bauführung zum Thema Gruft und Särge ist für den 12. September, 16.30 Uhr, vorgesehen. Wer sich über den Stand der Bauarbeiten auf dem Laufenden halten will, kann im Internet den Baublog besuchen: www. baublog.wunderblutkirche.de

 

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